Kritische Budgetlage

Keine Zusage vom Bund – NHM legt Umbau auf Eis

Aufgrund der angespannten Budgetsituation des Bundes muss das NHM den Umbau stoppen. Zum heurigen 150. Jubiläum gibt es dafür eine Sonderschau.
Wien Heute
21.01.2026, 07:52
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Das Naturhistorische Museum (NHM) Wien feiert heuer seinen 150. Geburtstag – und blickt dabei sowohl zurück als auch nach vorne. Am 29. April 1876 legte eine Unterschrift von Kaiser Franz Joseph I. den Grundstein für das traditionsreiche Haus an der Wiener Ringstraße. Zum runden Jubiläum kündigt das NHM eine "wilde und ungewöhnliche" Sonderschau an.

Gleichzeitig musste das Museum jedoch seine bereits weit fortgeschrittenen Umbaupläne vorerst stoppen. Dass die ersten Besucher der großen Jubiläumsausstellung am 28. April noch durch den bestehenden Eingangsbereich kommen würden, war klar. Geplant war dennoch eine deutliche Verbesserung der Eingangssituation – ähnlich wie im gegenüberliegenden Kunsthistorischen Museum (KHM). Doch daraus wird vorerst nichts, berichtet der ORF.

Keine Zusage für 35-Millionen-Umbau

Grund ist die angespannte Budgetsituation des Bundes. Die bereits gesetzlich fixierten Mittel für den rund 35 Millionen Euro teuren Umbau fielen dem Sparkurs zum Opfer. Ohne eine finale Zusage von Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) sah sich das NHM gezwungen, die Planungen einzufrieren.

"Jeder Cent, der jetzt investiert worden wäre, wäre eine Verschwendung gewesen", erklärte NHM-Generaldirektorin Katrin Vohland bei der Jahrespressekonferenz. Auch der wirtschaftliche Geschäftsführer Markus Roboch betonte, dass man ohne finanzielle Absicherung keine andere Wahl gehabt habe.

Neuer Eingangsbereich nötig

Man bleibe zwar weiter in Abstimmung mit dem "Zwillingsmuseum" KHM, das zuletzt signalisiert hatte, auch aus Eigenmitteln in Vorleistung zu gehen. Für das NHM seien solche Schritte jedoch kaum möglich. Trotzdem wäre ein neuer Eingangsbereich dringend nötig – etwa aus Gründen der Barrierefreiheit und des Platzangebots. "Wir bedauern es sehr, dass es keine Zusage gibt", so Vohland.

Rund 40 Prozent der Besucher seien unter 19 Jahre alt und hätten freien Eintritt. "Wir haben viel, viel weniger Rücklagen als andere Bundesmuseen", räumte Roboch ein. Zudem sei das NHM das forschungsintensivste Bundesmuseum, das einen überdurchschnittlich hohen Teil seines Budgets in Wissenschaft investiere. Auch der Anteil zahlungskräftiger Touristen sei geringer.

8,1 Millionen Eintrittserlöse

2025 besuchten rund 920.000 Menschen das NHM – ein leichtes Minus gegenüber dem Vorjahr, das unter anderem auf Saalsperren wegen Renovierungen zurückgeführt wird. Die Eintrittserlöse blieben mit 8,1 Millionen Euro (2024: 8,2 Mio.) nahezu stabil. "Das sind schöne Zahlen", meinte Roboch.

In den kommenden Jahren rechnet das Museum mit deutlichem Wachstum – auch im Umfeld des Eurovision Song Contests (ESC) im Mai. Passend dazu wird die kleine Sonderausstellung "Voices of Nature" gezeigt, in der Objekte aus allen 35 ESC-Teilnehmerländern präsentiert werden. Besucher sollen dabei symbolisch "Stimmen aus der Natur singen hören".

Jubiläumsschau ab Ende April

Deutlich größer fällt die Jubiläumsausstellung ab Ende April aus. Gezeigt werden neue Einblicke in die rund 30 Millionen Objekte umfassenden Sammlungen – inklusive kritischer Auseinandersetzungen mit dem Umgang von Exponaten aus der Kolonialzeit oder der NS-Zeit. Einen bewusst provokanten Zugang verspricht Mathias Harzhauser, Direktor der Geologisch-Paläontologischen Abteilung, für die Schau "Gutes Sammeln, böses Sammeln".

Auch die NHM-Außenstelle im Narrenturm konnte 2025 mit über 48.000 Besuchern ein leichtes Plus verbuchen. Nach der Ausstellung "Safe Sex" wird es heuer erneut körpernah: "Vorsicht Hochspannung. Der elektrische Unfall – eine Klasse für sich" zeigt, was passiert, wenn der menschliche Körper ungesunde Dosen Strom abbekommt.

{title && {title} } red, {title && {title} } 21.01.2026, 07:52
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