Es wird teurer

China will mit "Sex-Steuer" Geburtenrate ankurbeln

Immer weniger Babys kommen auf die Welt, das Land altert rasant. Die Regierung hat deshalb neue Regeln beschlossen, die seit 1. Jänner gelten.
Newsdesk Heute
02.01.2026, 13:51
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Nach Jahrzehnten der Ein-Kind-Politik steckt China jetzt im Demografie-Dilemma. 2024 wurden auf 1.000 Einwohner gerade einmal 6,77 Kinder geboren – ein historischer Tiefstand. Gleichzeitig steigt die Zahl der Todesfälle, weil die Menschen immer älter werden. Die Bevölkerung schrumpft, eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Wie "20 Minuten" berichtet, greift die Regierung nun zu ungewöhnlichen Mitteln.

Eine der Maßnahmen: Seit 1. Jänner 2026 werden Verhütungsmittel wie Kondome mit der vollen Mehrwertsteuer von 13 Prozent belegt. Die Hoffnung: Wer mehr zahlt, greift seltener zu Verhütung – und bekommt mehr Kinder.

Kondome kosten mehr, Kinderbetreuung wird billiger

Diese Änderung ist Teil eines neuen Mehrwertsteuergesetzes, das 2024 beschlossen wurde. Die Regierung setzt dabei auf das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche: Während Verhütungsmittel teurer werden, gibt es für Familien steuerliche Erleichterungen bei der Kinderbetreuung und sogar beim Vermitteln von Partnern.

2025 hat Peking im Rahmen eines Förderprogramms für Kinderbetreuung erstmals 12,7 Milliarden US-Dollar ausgeschüttet. Für jede Familie mit einem Kind unter drei Jahren gab es umgerechnet rund 430 Euro Unterstützung. Im nächsten Jahr soll das Programm noch ausgebaut werden.

Auch einzelne Provinzen greifen zu eigenen Maßnahmen: Mittlerweile dürfen Familien vielerorts drei Kinder bekommen. Künstliche Befruchtungen werden günstiger angeboten. In manchen Regionen gibt’s sogar bezahlten Extra-Urlaub nach der Hochzeit, um Heiratswillige zu motivieren.

Frauen müssen Regierung Menstruation melden

Die neuen Regeln sorgen für heftige Diskussionen. "Sie gehen wirklich bis zum Äußersten, nur damit wir Kinder bekommen", ärgert sich etwa ein Nutzer auf der Plattform Weibo. Berichte von Frauen, dass Beamte sie telefonisch nach ihrem Menstruationszyklus oder Kinderwunsch fragen, schüren zusätzlich die Angst vor mehr Überwachung durch die Behörden.

So müssen Frauen in der Provinz Yunnan laut lokalen Medien den Zeitpunkt ihrer letzten Periode angeben. Laut den Gesundheitsbehörden ist das notwendig, um Schwangere und werdende Mütter zu erfassen. "Heute müssen Frauen den Zeitpunkt ihrer Periode mitteilen, morgen wird es der Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs sein. Danach werden sie anrufen und zum Sex während der Ovulationsphase auffordern – das ist Massenvermehrung", schreibt ein Weibo-User.

Experten zweifeln am Erfolg

Der unabhängige Demograf He Yafu sieht die Steuer auf Kondome und die neuen Anreize als logischen nächsten Schritt der chinesischen Politik. "Die Maßnahme wird aber wohl nicht dazu führen, dass die Geburtenrate signifikant ansteigt", meint er gegenüber dem britischen "Guardian". Laut Soziologie-Professor Yun Zhou könnten vor allem Frauen mit wenig Einkommen unter den teureren Verhütungsmitteln leiden.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 02.01.2026, 15:04, 02.01.2026, 13:51
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