In der Causa rund um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat der frühere US-Präsident Bill Clinton eine Aussage vor dem Kongress verweigert. Der 79-Jährige ist zu einer geplanten Anhörung am Dienstag nicht erschienen, wie der Vorsitzende des Aufsichtsausschusses im Repräsentantenhaus, James Comer, in Washington erklärte.
Auch Clintons Frau, die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton, will nicht aussagen. Das geht aus einem von der "New York Times" veröffentlichten Brief der Anwälte des Ehepaars hervor.
Der Ausschuss, in dem die Republikaner das Sagen haben, hatte die Clintons für Dienstag und Mittwoch vorgeladen. Die Anwälte des Paars argumentieren, beide hätten den Abgeordneten bereits "vorsorglich und freiwillig" alle verfügbaren Informationen zur Verfügung gestellt.
Comer drohte dem Ehepaar wegen des Nichterscheinens mit einem Verfahren wegen Missachtung des Kongresses. Dieses könnte kommende Woche per Abstimmung eingeleitet werden. Im schlimmsten Fall droht eine Geldstrafe oder sogar eine Gefängnisstrafe.
US-Präsident Donald Trump hat Bill Clinton vorgeworfen, er habe deutlich mehr mit Epstein zu tun gehabt als er selbst. Trump hat deshalb Ermittlungen gegen den früheren Präsidenten und weitere Politiker der Demokraten veranlasst. Comer wirft Bill Clinton vor, 2002 und 2003 viermal mit Epsteins Privatflugzeug geflogen zu sein und mindestens einmal eine "Massage" von einem der Epstein-Opfer bekommen zu haben.
Clintons Name tauchte – so wie auch der von Trump und vielen anderen Politikern und Prominenten – in den bisher veröffentlichten Akten zur Epstein-Affäre auf. Persönliches Fehlverhalten konnte aber weder Clinton noch Trump nachgewiesen werden.
Der Fall Epstein sorgt seit Monaten für Aufregung rund um Trump. Dem bestens vernetzten Finanzberater und Millionär Epstein wurde vorgeworfen, über viele Jahre mehr als tausend Mädchen und Frauen missbraucht und teils auch Prominenten zugeführt zu haben.
Epstein, der über Jahre mit Trump befreundet war, wurde bereits 2008 verurteilt, weil er die Dienste von minderjährigen Prostituierten in Anspruch genommen hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft bekam er damals aber nur 18 Monate Haft.
2019 wurde Epstein erneut festgenommen – diesmal unter anderem wegen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen. Rund einen Monat nach seiner Festnahme wurde er erhängt in seiner Zelle in New York gefunden. Laut offiziellen Angaben hat er sich das Leben genommen.