Jahrelang lebte Roland Ludomirska nach außen ein Leben im Überfluss. Der Österreicher inszenierte sich in sozialen Medien und Reality-Shows mit Luxusautos, Privatjets, Champagner und seinem sündhaft teuren Käse.
Doch hinter den Kulissen seines "Crazy Cheese"-Imperiums sah es zuletzt deutlich weniger glamourös aus.
Im Juli wurde über die "Crazy Cheese Manufacture Holding GmbH" sowie deren Tochtergesellschaft "MRL Crazy Cheese Manufacture W GmbH" das Konkursverfahren eröffnet. Beide Gesellschaften können ihren laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen.
Die Zahlen zeigen, wie ernst die Situation ist: Bei einer Gesellschaft stehen laut Kreditschützern Verbindlichkeiten von rund 191.000 Euro Vermögenswerten von lediglich etwa 24.000 Euro gegenüber. Bei der zweiten sind es rund 167.000 Euro Schulden bei nur etwa 8.000 Euro Aktiva.
Insgesamt sind elf Gläubiger betroffen.
Eine Rettung des bisherigen Geschäftsbetriebs ist nicht geplant. Sämtliche Shops wurden bereits geschlossen, Mitarbeiter waren zum Zeitpunkt der Insolvenz keine mehr beschäftigt.
Dabei hatte die Geschichte von "Crazy Cheese" einmal deutlich anders ausgesehen. Ludomirska begann vor Jahrzehnten als Marktverkäufer und machte aus Käse schließlich ein Lifestyle-Produkt. 2020 eröffnete der erste Shop in der Shopping City Süd, später expandierte das Unternehmen weiter.
Das Konzept war auffällig: ungewöhnliche Sorten, extravagantes Marketing und Preise, bei denen so manchem Kunden der Appetit verging. Ludomirska erklärte selbst einmal, für ein Kilogramm Käse bis zu 360 Euro zu verlangen.
Genau diese Preisgestaltung sorgte immer wieder für Kritik. In der Vergangenheit machten Berichte über Kunden die Runde, die sich nach dem Einkauf mit überraschend hohen Rechnungen konfrontiert sahen. Verbraucherschützer beschäftigten sich ebenfalls mit den Verkaufsmethoden.
Die Insolvenz soll allerdings andere wirtschaftliche Ursachen haben. Laut den Angaben im Verfahren setzte dem Unternehmen zunächst die Corona-Pandemie zu. Mehrere Standorte mussten geschlossen werden. Zwar wurden anschließend Sanierungsmaßnahmen eingeleitet, die wirtschaftliche Situation verschlechterte sich dennoch weiter. 2026 kam es erneut zu einem deutlichen Umsatzrückgang.
Am Ende wurden sämtliche Geschäfte geschlossen.
Besonders bemerkenswert ist die Pleite auch wegen Ludomirskas öffentlicher Inszenierung. Der Unternehmer präsentierte sich jahrelang bewusst als Mann des Überflusses. Bei "Forsthaus Rampensau" reiste er etwa mit Butler und Helikopter an, verteilte 500-Euro-Scheine, Käse und Champagner und bezeichnete sich selbst als "President of Decadence".
Nun ist zumindest das Kapitel "Crazy Cheese" in seiner bisherigen Form beendet.
Wichtig dabei: Die Insolvenz der Unternehmen bedeutet nicht automatisch eine Privatinsolvenz Ludomirskas. Betroffen sind die beiden Gesellschaften hinter der Marke.
Vom öffentlich zelebrierten Käse-Imperium bleibt vorerst trotzdem wenig übrig: Die Geschäfte sind zu, eine Fortführung ist nicht vorgesehen – und ausgerechnet der Mann, der Luxus zu seinem Markenzeichen machte, muss nun das Ende seines wohl bekanntesten Geschäfts verkraften.