Nach drei Rekordpleitejahren gibt es in Niederösterreich bei den Firmeninsolvenzen erstmals leichte Entspannung. Laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV) wurden im 1. Halbjahr 2026 insgesamt 353 Firmeninsolvenzverfahren eröffnet. Das sind 9,25 Prozent weniger als im Vorjahr.
Doch die scheinbar gute Nachricht hat einen bitteren Haken: Die Zahl der abgewiesenen Verfahren ist massiv gestiegen. 256 Insolvenzanträge wurden mangels Masse abgewiesen – ein Plus von 49,71 Prozent. Das heißt: Bei diesen Unternehmen war nicht einmal ein kostendeckendes Vermögen von 4.000 Euro vorhanden.
Insgesamt kam Niederösterreich damit auf 609 Firmeninsolvenzen. Das sind um fast 9 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2025. Der AKV sieht die Entwicklung mit Sorge, weil immer mehr Betriebe offenbar zu spät oder ohne ausreichende Mittel in ein Verfahren gehen.
Auch bei den Ergebnissen der Verfahren zeigt sich ein düsteres Bild: Nur mehr 26,96 Prozent endeten mit einem angenommenen Sanierungsplan. Gleichzeitig lag der Anteil der Verfahren mit Nullquote bei 33,54 Prozent. Für Gläubiger bedeutet das: In vielen Fällen bleibt gar nichts übrig.
Besonders betroffen war im 1. Halbjahr das Baugewerbe mit 89 Insolvenzen, gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen mit 77 Fällen und dem Handel mit 68 Fällen. Die höchsten Passiva gab es laut AKV im Handel mit 72,37 Millionen Euro, danach in der Herstellung von Waren mit 57,94 Millionen Euro.
Die größte Firmenpleite in Niederösterreich war die Mediashop GmbH aus Neunkirchen mit Passiva von 31 Millionen Euro. Dahinter folgen die EITEK GmbH aus Ebergassing mit 24 Millionen Euro und die KMV GmbH aus Bruck an der Leitha mit über 19 Millionen Euro.
Für die Beschäftigten gibt es zumindest eine etwas bessere Nachricht: Die Zahl der bei Insolvenzeröffnung betroffenen Dienstnehmer sank um 8,25 Prozent. Am stärksten betroffen war die EITEK GmbH mit 319 Dienstnehmern, gefolgt von Mediashop mit 163.
Ganz anders sieht es bei Privatpleiten aus. In Niederösterreich wurden im 1. Halbjahr 2026 insgesamt 707 Privatinsolvenzen eröffnet – ein Plus von 12,76 Prozent. Die Gesamtverbindlichkeiten stiegen auf 108,88 Millionen Euro. Die Durchschnittsverschuldung lag bei 154.000 Euro.
Auffällig ist der Unterschied zwischen Männern und Frauen: Bei Männern lag die Durchschnittsverschuldung bei 200.200 Euro, bei Frauen nicht einmal bei der Hälfte, nämlich bei 79.500 Euro. Die meisten eröffneten Privatinsolvenzen gab es in der Altersgruppe der 40- bis 59-Jährigen.
Für das Gesamtjahr rechnet der Alpenländische Kreditorenverband mit rund 700 eröffneten Firmeninsolvenzen und mit mehr als 1.400 eröffneten Privatinsolvenzen in Niederösterreich.