Die Wirtschaftskrise zeigt in Kärnten weiterhin massive Auswirkungen. Im ersten Halbjahr 2026 mussten 231 Unternehmen Insolvenz anmelden – das sind rund 19 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Ein Ende der Pleitewelle ist laut dem Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) vorerst nicht in Sicht.
Hohe Energiepreise, steigende Lohn- und Mietkosten sowie die anhaltende Konsumflaute setzen vielen Betrieben schwer zu. Zusätzlich verschärfte der jüngste Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges die ohnehin angespannte Lage.
Laut AKV verfügen viele Unternehmen mittlerweile über keine finanziellen Reserven mehr. Neue Kredite seien oft nicht mehr zu bekommen, wodurch Sanierungen oder eine Fortführung des Betriebs zunehmend scheitern.
Besonders alarmierend: Die Zahl jener Insolvenzen, die mangels Vermögens gar nicht mehr eröffnet werden konnten, stieg innerhalb eines Jahres um über 81 Prozent. Gleichzeitig ging die Zahl der regulär eröffneten Firmeninsolvenzen leicht zurück.
Der AKV rechnet auch für die kommenden Monate mit einer hohen Zahl an Unternehmenspleiten. Eine spürbare Entspannung wird frühestens 2027 erwartet – allerdings nur dann, wenn die Wirtschaft wieder wächst.
Die meisten Firmenpleiten gab es im ersten Halbjahr in der Baubranche mit 34 Insolvenzen. Dahinter folgen die Gastronomie und Hotellerie mit 30 Fällen sowie der Handel mit 26 Insolvenzen.
Die höchsten Verbindlichkeiten verzeichnete die Immobilienbranche mit knapp 20 Millionen Euro, gefolgt von Gastronomie und Bauwirtschaft.
Die größte Firmeninsolvenz in Kärnten betrifft die PAYR-Gruppe aus Patergassen (Gemeinde Reichenau). Nach der ersten Gerichtsverhandlung belaufen sich die Schulden auf rund 16,3 Millionen Euro.
Auf Platz zwei folgt die Tomtegl Bergchalets GmbH in Hochrindl (Bezirk St. vVeit an der Glan) mit Verbindlichkeiten von 12,3 Millionen Euro, dahinter liegt die Marina Village Schmalzl GmbH aus Velden (Bezirk Villach-Land) mit rund acht Millionen Euro Schulden.
Von den Firmeninsolvenzen waren im ersten Halbjahr insgesamt 352 Beschäftigte betroffen. Allein bei der PAYR-Gruppe verloren 51 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.
Während Unternehmen zunehmend unter Druck geraten, entwickelt sich die Situation bei Privatpersonen etwas entspannter. Die Zahl der Privatinsolvenzen sank in Kärnten im ersten Halbjahr um 4,4 Prozent auf 326 Verfahren.
Allerdings steigen die Schulden der Betroffenen deutlich an. Die durchschnittliche Verschuldung kletterte innerhalb eines Jahres von 82.800 Euro auf 104.700 Euro.
Die größte Privatinsolvenz betrifft einen ehemaligen Unternehmer aus dem Lavanttal, der Verbindlichkeiten von 3,9 Millionen Euro angemeldet hat.
Der AKV geht davon aus, dass sich die Lage bei den Privatinsolvenzen in den kommenden Monaten kaum verändern wird. Der Arbeitsmarkt gilt weiterhin als vergleichsweise robust.
Bei den Unternehmen dürfte die Pleitewelle dagegen noch anhalten. Erst mit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Erholung rechnen Experten wieder mit einer Stabilisierung der Insolvenzzahlen.