Wenn der Partner schnarcht, ist das eine ganz eigene Form von Folter – es beginnt leise, dann wird es zum Konzert. Erst versucht man’s zu ignorieren, dann dreht man sich zehnmal um, irgendwann liegt man wach und zählt die Minuten bis zum Wecker, während nebenan seelenruhig geschlafen wird. Man fühlt man sich selbst wie ein Zombie mit dünner werdenden Nerven und fragt sich: "Wie kann der bei dem Lärm nicht aufwachen?"
Zunächst einmal: Manchmal kann man durch Schnarchen aufwachen. "Manche Schnarcher werden durch ihr lautes Schnarchen geweckt, andere nicht", schreibt Manish Shah, Allgemeinmediziner und Zahnarzt am Sydney Centre for TMJ and Sleep Therapy. "Bei denjenigen, die durch ihr Schnarchen aufwachen, dauert die Störung nur wenige Sekunden."
Eine Studie aus dem Jahr 2022 ergab, dass Schnarcher mindestens vier- bis fünfmal pro Nacht durch Schnarchen aufwachen. Weitaus häufiger kommt es jedoch vor, dass sie es nicht bemerken – Menschen mit Schlafapnoe, die sich fast immer durch starkes Schnarchen äußert, können dutzende oder sogar hunderte Male pro Nacht aufwachen.
Man könnte jedoch einwenden, dass diese minimalen Aufwachphasen nicht zählen. Schließlich führen die meisten dieser Störungen nicht einmal dazu, dass der Schnarcher richtig wach wird: "Der Schnarcher kann einfach wieder einschlafen", bemerkte Shah. "Viele erinnern sich nicht einmal daran, aufgewacht zu sein. Sie befinden sich noch im Schlafzustand, wenn die Schlafstörung auftritt, und haben am Morgen keine Erinnerung daran."
Warum wird der Schnarcher also nicht so von seinen Geräuschen wachgehalten wie der Beischläfer? Das liegt in der Funktionsweise unseres Gehirns.
Während man im Schlaf noch Geräusche wahrnimmt, filtert der Thalamus des Gehirns alles heraus, was als "von geringer Bedeutung" eingestuft wird – deshalb können wir uns beispielsweise an den Lärm des Straßenverkehrs vor unserem Fenster oder an die Geräusche von Mitbewohnern gewöhnen, aber ein Feueralarm oder jemand, der unseren Namen ruft, würde uns sofort aufwecken.
Ähnlich wie beim Verkehrslärm sind unsere Gehirne im Grunde an das Geräusch unseres eigenen Schnarchens gewöhnt. Es ist immer da und kommt von uns selbst – unser Unterbewusstsein weiß also im Grunde, dass es nicht wichtig ist. "Das Schnarchgeräusch wird ausgeblendet, weil die Ohren und der gesamte Organismus daran gewöhnt sind", erklärte Shah. "Das Gehirn priorisiert zudem den Ruhezustand, sodass der Körper selbst durch das Schnarchen nicht zum Aufwachen angeregt wird."
Wichtig: Es gibt nicht die eine Lösung gegen das Schnarchen, weil die Ursachen unterschiedlich sind (Nase, Rachen, Schlaflage, Gewicht, Alkohol, Schlafapnoe etc.).
Helfen diese Maßnahmen nicht, sollte am Lifestyle geschraubt werden: Falls Übergewicht besteht, kann eine Gewichtsabnahme helfen. Denn Fettgewebe im Halsbereich verengt die Atemwege. Schon 5–10 % weniger Gewicht kann Schnarchen deutlich verbessern. Weiters sollte mit dem Rauchen aufgehört werden. Rauchen reizt die Schleimhäute, führt zu Schwellungen und mehr Schleim und damit auch zu mehr Schnarchen.
Hilft das auch nicht, sollte man das Problem mit dem Arzt besprechen. Er kann zu einer Anti-Schnarch-Schiene raten (sie schiebt den Unterkiefer leicht nach vorne → Atemweg bleibt offen) und gegebenenfalls dem Verdacht auf Schlafapnoe nachgehen.