Wir wissen, dass Schlaf für den menschlichen Körper unerlässlich ist. Mittlerweile gibt es unzählige Studien darüber, was im Gehirn während des Schlafs geschieht. Unter anderem, dass es tatsächlich helfen kann, über ein Problem "zu schlafen", um die Dinge klarer zu sehen.
Einer Theorie zufolge, der sogenannten Theorie der aktiven Systemkonsolidierung, spielt unser Gehirn im Schlaf Erinnerungen ab und damit in das langfristige Gedächtnis integriert werden. Neben seiner bedeutenden Rolle bei der Bildung von Langzeiterinnerungen wird angenommen, dass dieser Prozess auch bei der Problemlösung hilft.
Im Jahr 2018 wurde in einer Studie die These aufgestellt, dass die Synergie zwischen der REM- und der Nicht-REM-Phase des Schlafes uns Zugang zu kreativeren Lösungen für unsere Probleme verschafft.
Die REM- und Non-REM-Phasen sind die beiden großen Arten von Schlaf, die sich in der Nacht immer wieder abwechseln. Zusammen bilden sie einen Schlafzyklus (ca. 90 Minuten), den wir mehrmals pro Nacht durchlaufen.
Der REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) ist die Phase mit den schnellen Augenbewegungen – und der "Traumschlaf". Der non-REM-Schlaf ist der "klassische" Tiefen- und Erholungsschlaf.
Eine Studie aus dem Jahr 2021 testete dies beispielsweise, indem sie die Teilnehmer mit einem Videospiel zum Thema Problemlösung trainierte. Die Probanden verbrachten entweder einen Tag wach oder eine Nacht schlafend, bevor sie gebeten wurden, ein neues Rätsel zu lösen. Die Autoren schrieben, dass "Schlaf die Problemlösung verbesserte, wobei 62 Prozent der Probanden aus der Schlafgruppe das Problem lösten, verglichen mit 24 Prozent der Wachgruppe".
Eine erholsame Nachtruhe kann uns also helfen, Probleme zu lösen, bei denen wir zwar alle Teile haben, aber einfach nicht wissen, wie wir sie zusammenfügen sollen.
Neben der Lösung eines kniffligen Problems gibt es Hinweise darauf, dass Schlaf uns helfen kann, bessere Entscheidungen zu treffen. Eine Studie von Wissenschaftlern der Duke University aus dem Jahr 2024 ergab, dass es hilft, eine Nacht über einer Entscheidung zu schlafen, um dem sogenannten Primacy-Bias vorzubeugen. Sich also übermäßig von den ersten Informationen zu einem Thema beeinflussen zu lassen – selbst wenn später noch nützlichere Informationen auftauchen.
Träume selbst können ebenfalls ein wichtiges Werkzeug zur Problemlösung sein. Genauer gesagt: die Hypnagogie – der Zustand zwischen Schlafen und Wachsein.
Der amerikanische Erfinder Thomas Edison nutzte eine abgewandelte Version des "Löffeltests": Mit einem Gegenstand wie einem Löffel in der Hand einschlafen, und in dem Moment, wenn man wegdämmert, vom Zubodenfallen wieder aufzuwachen. Edison soll diese Methode genutzt haben, um sicherzustellen, dass seine Nickerchen tagsüber nicht zu lange dauerten, und schwor, dass die Zeit im Zwischenzustand zwischen Schlafen und Wachsein sein kreatives Denken beflügelte.
"Im Jahr 2021 stellten französische Wissenschaftler Edisons Behauptung auf den Prüfstand", schreibt Dan Denis, Psychologe an der Universität York, in The Conversation.
Das Ergebnis: Die Einschlafphase ist ein besonders kreativer Zeitpunkt.
Die Studienteilnehmer wurden mit einer mathematischen Aufgabe konfrontiert, die mit einer, wie Denis es beschreibt, "versteckten Regel" versehen war, die ihnen helfen würde, die Aufgabe schneller zu lösen, wenn sie diese Regel nur erkennen könnten. Nach einem kurzen Nickerchen, das durch das Halten einer Tasse erzwungen wurde, die beim Einnicken mit einem lauten Geräusch zu Boden fiel, widmeten sich die Teilnehmer dem Problem erneut. Diejenigen, die nach nur einem kurzen Nickerchen wieder erwachten, waren erfolgreicher als diejenigen, die entweder wach blieben oder tiefer schliefen.
"Es stellt sich also heraus, dass Edison recht hatte, der Zeitpunkt des Einschlafens ist tatsächlich ein kreativer Höhepunkt, und darüber zu schlafen funktioniert."