Eine strenge Frostnacht läutete die neue Woche ein. Das Thermometer sackte in vielen Regionen völlig ab. Der Kälte-Pol unserer Alpenrepublik lag aber nicht in den Bergen, sondern in der Grenzregion von Ober- und Niederösterreich mit Tschechien.
Gemessen wird die Lufttemperatur – so auch die Werte oben – an den Wetterstationen in zwei Metern Höhe. Knapp über dem Boden war es allerdings sogar noch kälter, melden die Experten der GeoSphere Austria: "In 5 cm Höhe wurde an den Stationen sogar bis zu -34,2 °C erfasst."
"Genügend Neuschnee, subpolare Luft darüber – und wenn’s dann noch windstill und sternenklar wird, führt diese Kombination zu sehr tiefen Temperaturen", erklären sie die Wetterlage, die zu diesen Bibber-Werten führte.
Inzwischen zeichnet sich langsam ein Ende dieser zweiten Kälteperiode des heurigen Winters ab. Diese habe laut den Meteorologen "beispiellos" gezeigt, wo in bewohnten Gebieten Österreichs die kältesten Temperaturen erreicht werden. Weder im Salzburger Lungau noch in Hochtälern Tirols hätten Stationen auf Talniveau ein derartiges Temperaturniveau erreicht. Und selbst hoch oben auf dem Sonnblick (3.109 Meter) zählte die Station nur -20,6 °C.
Die Tiefstwerte aus dem Wald- und Mühlviertel sind keine Ausreißer, sondern folgen bekannten physikalischen Gesetzen, weshalb die Region schon lange ein bekannter Kälte-Pol ist. Die Wetterstation in Schwarzau wurde erst vor wenigen Jahren installiert, um das Phänomen der Kaltluftseen genauer zu erforschen.
Ausschlaggebend ist die Geografie der Region. In Tälern des Mühl- und Waldviertels fehlen hohe umgebende Berge, die das Potenzial der nächtlichen Abkühlung limitieren. Zusätzlich führt ein oft geringes Talgefälle zu einem schwächeren Abfluss der Kaltluft, erklären die Meteorologen in einem Facebook-Beitrag.
"Vor allem der Freiwald bzw. das obere Waldviertel perfektionieren diese grundlegende Kombination ins Detail und scheinen bei passenden Wetterlagen mit derart spannenden Temperaturen auf", so die GSA.
Solche Kaltluftseen und somit lokal begrenzte, sehr tiefe Temperaturen gibt es auch in inneralpinen Tälern. Beispiele dafür sind die Wetterstationen St. Michael im Lungau, Zell am See–Flugplatz, Radstadt-Tandalier, Seefeld oder St. Leonhard im Pitztal.
Noch kälter wird es in sogenannten Dolinen wie dem berühmten Grünloch nahe Lunz am See verglichen werden. Der grundlegende Unterschied zu Tälern im Mühl-, Waldviertel oder in den Alpen ist, dass in Dolinen die Kaltluft überhaupt nicht abfließen kann. Daher werden dort auch deutlich tiefere Temperaturen erreicht.