Während in Österreich bereits über den kommenden Winter spekuliert wird, richtet sich der Blick von Wetterexperten auf den Pazifik. Dort zeichnet sich laut Meteorologe Dominik Jung ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis ab. Die Auswirkungen könnten weit über den Jahreswechsel hinausreichen und das Wetter rund um den Globus beeinflussen.
Besonders brisant: Nach den von Jung angeführten Prognosen könnte El Niño bis Weihnachten eine Stärke erreichen, die selbst das historische Ereignis von 1997/98 übertrifft. Ob es tatsächlich so weit kommt, ist allerdings noch offen.
Ausgangspunkt der Entwicklung sind ungewöhnlich hohe Wassertemperaturen im östlichen Pazifik vor der Küste Südamerikas.
"Im Pazifik braut sich ein Klima-Monster zusammen, wie es die Welt seit Jahrzehnten nicht erlebt hat. Was sich da gerade vor der Küste Südamerikas abspielt, ist schon fast unheimlich", erklärt Wetter-Experte Dominik Jung gegenüber der "Frankfurter Rundschau".
Wie Jung in seiner Wetterkolumne berichtet, liegen die Temperaturen in manchen Meeresgebieten bereits mehr als vier Grad über dem üblichen Wert. In einer besonders wichtigen Messregion beträgt die Abweichung demnach über zwei Grad.
Bei einer derart großen Wassermasse bedeuten selbst wenige Grad Unterschied enorme zusätzliche Wärmemengen.
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen, bei dem sich Teile des tropischen Pazifiks ungewöhnlich stark erwärmen. Dadurch können sich Luftströmungen und Niederschlagsmuster in verschiedenen Weltregionen verändern.
Laut Jung zeigen die aktuellen Prognosen eine weitere Verstärkung des Phänomens. Er verweist auf Berechnungen der US-Wetterbehörde, wonach die Wahrscheinlichkeit bei über 80 Prozent liegen soll, dass El Niño bis zum Jahresende stärker ausfällt als alle vergleichbaren Ereignisse seit 1950.
Damit könnte sogar der besonders ausgeprägte El Niño von 1997/98 übertroffen werden. Diese Einschätzung stammt aus der Wetterkolumne des Meteorologen. Ob sich ein derart außergewöhnliches Ereignis tatsächlich entwickelt, muss sich erst zeigen.
Für Österreich stellt sich vor allem eine Frage: Bringt ein starker El Niño besonders viel Schnee oder eher einen milden Winter? Eine eindeutige Antwort gibt es darauf nicht.
Jung weist darauf hin, dass Europa weit vom Pazifik entfernt liegt. Der direkte Einfluss von El Niño auf das Wetter in Mitteleuropa ist deshalb deutlich schwächer als in anderen Teilen der Welt.
Zwar gibt es Hinweise darauf, dass bei besonders kräftigen El-Niño-Ereignissen im späteren Winter häufiger kalte Luft aus Nordosten nach Europa gelangen kann. Daraus lässt sich aber keine verlässliche Prognose für Österreich ableiten.
Ob es zu Weihnachten schneit, bleibt damit weiterhin offen. Weder ein besonders strenger Winter noch außergewöhnlich milde Temperaturen lassen sich allein mit El Niño begründen.
Deutlich größere Auswirkungen erwartet Jung auf die globale Temperaturentwicklung.
Ein ausgeprägter El Niño kann die weltweite Durchschnittstemperatur zusätzlich erhöhen. Dieser Effekt zeigt sich häufig erst mit einer Verzögerung von mehreren Monaten.
Deshalb hält der Meteorologe es für möglich, dass 2027 ein neues globales Temperaturrekordjahr wird.
Auch das ist allerdings noch keine gesicherte Entwicklung. Wie warm das kommende Jahr tatsächlich ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab.
Die Folgen eines starken El Niño können regional sehr unterschiedlich ausfallen.
In Australien und Teilen Südostasiens steigt bei solchen Ereignissen das Risiko für Trockenheit und Dürren. In Teilen Südamerikas können dagegen außergewöhnlich kräftige Regenfälle auftreten.
Hinzu kommt die Möglichkeit besonders hoher Temperaturen in verschiedenen Weltregionen. Jung hält deshalb auch einen unangenehm heißen Sommer 2027 in Deutschland für denkbar. Für Österreich lässt sich daraus allerdings noch keine konkrete Sommerprognose ableiten.
So außergewöhnlich die Entwicklung im Pazifik auch werden könnte: Für die kommenden Monate in Österreich bleibt die Wetterlage schwer vorherzusagen.
Ein möglicher Super-El-Niño ist kein verlässlicher Hinweis darauf, ob es in Wien, Salzburg oder Tirol zu Weihnachten Schnee geben wird.
Die größere Frage ist vielmehr, wie stark sich das Klimaphänomen tatsächlich entwickelt und welche Folgen es 2027 weltweit haben könnte.
Fest steht nach Jungs Einschätzung vor allem eines: Die Entwicklung im Pazifik verdient in den kommenden Wochen besondere Aufmerksamkeit.