Super-El-Niño eskaliert völlig

"Was sich da gerade zusammenbraut, hat es in sich"

Im Pazifik könnte sich einer der stärksten El Niños seit Messbeginn entwickeln. Wetter-Experte Dominik Jung erklärt, was das genau bedeutet.
15.10.2026, 18:28
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Noch ist der Sommer 2027 weit entfernt, doch im Pazifik zeichnet sich bereits eine außergewöhnliche Wetterentwicklung ab. Die Wassertemperaturen liegen deutlich über dem Durchschnitt. Sollte sich der Trend fortsetzen, könnte eines der stärksten El-Niño-Ereignisse seit Beginn der Messungen bevorstehen.

"Was sich gerade im tropischen Pazifik zusammenbraut, hat es in sich. Mitte September lag die Wassertemperatur im entscheidenden Messgebiet rund drei Grad über dem Normalwert, und der Höhepunkt kommt erst noch, voraussichtlich im Dezember", schreibt Wetter-Experte Dominik Jung bei der "Frankfurter Rundschau".

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Der Meteorologe beschäftigt sich in seiner Kolumne dabei mit der Frage, welche Folgen das für Europa und den nächsten Sommer haben könnte.

Pazifik bereits drei Grad zu warm

Mitte September wurden in der entscheidenden Region des tropischen Pazifiks Wassertemperaturen gemessen, die rund drei Grad über dem Normalwert lagen.

Dabei dürfte das Phänomen seinen Höhepunkt erst im Dezember erreichen. Damit könnte der aktuelle El Niño sogar stärker ausfallen als die außergewöhnlichen Ereignisse von 1982/83, 1997/98 und 2015/16.

Für das Wetter in Österreich und anderen Teilen Europas bedeutet das allerdings nicht automatisch einen extrem heißen Sommer. Der Pazifik ist zu weit entfernt, um unsere Wetterlage unmittelbar zu bestimmen.

Dennoch könnte sich El Niño indirekt bemerkbar machen. Nach besonders starken Ereignissen wurden in der Vergangenheit häufig weltweit neue Temperaturrekorde verzeichnet. Auch 2027 könnte daher ein außergewöhnlich warmes Jahr werden.

Frühere El Niños brachten unterschiedliche Sommer

Ein Blick auf die vergangenen Jahrzehnte zeigt, wie schwierig eine konkrete Vorhersage ist.

Nach dem starken El Niño von 1982/83 folgte in Mitteleuropa ein besonders heißer Juli. Im Sommer 1998 war das Wetter hingegen wechselhaft, ehe im August eine markante Hitzewelle einsetzte.

Auch 2016 verlief zwar warm, brachte aber keine vergleichbaren Sommerrekorde. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen einem starken El Niño und einem extrem heißen Sommer in Europa lässt sich daraus nicht ableiten.

Hinzu kommt: Nach ausgeprägten El-Niño-Phasen kann der Pazifik bereits im darauffolgenden Sommer in die kühlere Gegenphase La Niña wechseln.

Trockene Böden könnten Hitze verstärken

Für die Temperaturen in Mitteleuropa spielen andere Faktoren eine wesentlich größere Rolle. Dazu zählen stabile Hochdruckgebiete, der Verlauf des Jetstreams und die Feuchtigkeit im Boden.

Gerade Letztere könnte im kommenden Jahr entscheidend werden. Nach dem Sommer 2026 waren die Böden vielerorts stark ausgetrocknet.

Sollte auch das Frühjahr 2027 wenig Niederschlag bringen, könnte sich der Boden im Sommer besonders rasch erwärmen. Das würde die Entstehung hoher Temperaturen begünstigen.

65 Prozent Wahrscheinlichkeit

Unter Berücksichtigung der langfristigen Erwärmung nennt Jung folgende Einschätzungen für den Sommer 2027:

- 65 Prozent: Der Sommer fällt wärmer als gewöhnlich aus.

- 25 Prozent: Die Temperaturen bewegen sich im normalen Bereich.

- 10 Prozent: Der Sommer wird kühler als üblich.

Auch ein extremer Hitzesommer wie 2003 oder 2026 ist laut seiner Einschätzung denkbar. Dafür beziffert Jung die Wahrscheinlichkeit auf etwa 15 bis 20 Prozent.

Dass der Sommer 2027 sogar den Rekordsommer 2026 übertrifft, hält der Meteorologe hingegen für weniger wahrscheinlich. Die geschätzte Chance liegt bei fünf bis zehn Prozent.

Bei diesen Zahlen handelt es sich um Einschätzungen, nicht um eine gesicherte Wetterprognose.

Entscheidend ist die Erderwärmung

Der mögliche Super-El-Niño könnte die weltweiten Temperaturen zusätzlich beeinflussen. Für einen heißen Sommer in Österreich ist er aber nicht der ausschlaggebende Faktor.

Wesentlich stärker wirkt sich laut Jung die langfristige Erderwärmung aus, die das Risiko ungewöhnlich hoher Sommertemperaturen erhöht.

Ob 2027 tatsächlich ein neuer Hitzesommer bevorsteht, lässt sich derzeit noch nicht verlässlich sagen. Eine belastbarere Einschätzung erwartet der Wetter-Experte erst im Frühjahr.

wil, 15.10.2026, 18:28