Wird 2027 das heißeste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen? Im Pazifik deutet sich ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis an, das die Temperaturen rund um den Globus zusätzlich in die Höhe treiben könnte. Doch bedeutet das auch, dass Österreich im kommenden Sommer unter extremer Hitze leiden wird?
Wetter-Experte Dominik Jung erklärt in der "Frankfurter Rundschau", warum die Entwicklung im Pazifik zwar Auswirkungen auf das weltweite Klima haben kann, daraus aber noch keine konkrete Prognose für den nächsten Sommer in Mitteleuropa abgeleitet werden kann.
Im tropischen Ostpazifik liegen die Wassertemperaturen derzeit mehr als zwei Grad über dem üblichen Niveau.
Laut den im Bericht angeführten Prognosen der US-Wetterbehörde NOAA besteht eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent, dass sich im Herbst und Winter ein sehr starker El Niño entwickelt.
"Und es kommt noch dicker: Mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit könnte es das stärkste Ereignis seit 1950 werden", erklärt der Wetter-Experte in seinem Bericht. Bei einem solchen außergewöhnlich intensiven Ereignis sprechen Experten von einem Super-El-Niño.
Besonders bemerkenswert ist, dass sich die Auswirkungen auf die globale Durchschnittstemperatur erst mit Verzögerung zeigen.
Die weltweiten Temperaturen erreichen ihren Höhepunkt häufig erst einige Monate nach der stärksten Phase eines El Niño. Deshalb könnte vor allem das Jahr 2027 von der zusätzlichen Erwärmung betroffen sein.
Nach Einschätzung von Jung besteht die Möglichkeit, dass der bisherige globale Temperaturrekord aus dem Jahr 2024 übertroffen wird. Ob es tatsächlich so kommt, ist allerdings noch offen.
Ein außergewöhnlich warmer Pazifik bedeutet nicht automatisch einen extrem heißen Sommer in Österreich. Denn der Einfluss von El Niño auf das europäische Wetter ist vergleichsweise gering. Gerade in den Sommermonaten ist der Zusammenhang noch schwächer als im Winter.
Dazu kommt, dass das aktuelle Ereignis bis zum Sommer 2027 bereits wieder abklingen könnte. Ein direkter Schluss von einem Super-El-Niño auf einen Hitzesommer in Österreich ist deshalb nicht möglich.
Auch ein Blick auf die Vergangenheit liefert keine eindeutige Antwort. Auf den besonders starken El Niño von 1982/83 folgte in Mitteleuropa ein ausgesprochen heißer Juli.
Ganz anders entwickelte sich das Wetter nach dem Ereignis von 1997/98. Damals verlief der anschließende Sommer eher wechselhaft.
Ein verlässliches Muster, das einen heißen Sommer nach einem starken El Niño vorhersagen würde, lässt sich daraus nicht ableiten.
Trotzdem könnte der Sommer 2027 in Europa erneut sehr warm werden. Der entscheidende Hintergrund ist laut Jung die langfristige Erderwärmung. Europa hat sich seit den 1980er-Jahren etwa doppelt so schnell erwärmt wie der weltweite Durchschnitt.
Wenn das globale Temperaturniveau 2027 durch El Niño zusätzlich steigt, könnte das Risiko für ausgeprägte Hitzewellen weiter zunehmen. Ein neuer Rekordsommer ist damit durchaus möglich, aber keineswegs sicher.
Wie heiß es in Österreich tatsächlich wird, hängt letztlich von der konkreten Wetterentwicklung ab. Entscheidend sind die Großwetterlagen in den Monaten Juni, Juli und August. Sie bestimmen, ob längere Hitzeperioden auftreten oder sich warme und kühlere Phasen abwechseln.
Eine seriöse Vorhersage für den Sommer 2027 ist zum jetzigen Zeitpunkt deshalb noch nicht möglich.
Während der Pazifik die weltweiten Temperaturen 2027 zusätzlich antreiben könnte, bleibt die entscheidende Frage für Österreich offen: Ob der nächste Sommer tatsächlich zum Hitzesommer wird, lässt sich erst deutlich näher am Sommer beurteilen.