In Steyr (OÖ) ist der Sonntag für viele kein Ruhetag mehr, sondern ein Tag zum Ausweichen. Seit dem Sommer 2022 zieht die Demo-Karawane durch die Innenstadt. Sofort kippt für viele Bewohner die Stimmung: Es wird laut, es wird eng, teils wird gesperrt – gemütliches Schlendern durch die City ist unmöglich, beschweren sich viele Steyrer.
Genau das macht die Leute so wütend. Der Protest trifft nicht Politiker, sondern Familien, Anrainer, Wirte, ältere Menschen. Viele sagen: Die Innenstadt gehört sonntags nicht mehr ihnen, sondern einer lauten Gruppe.
"Ich gehe am Sonntag nicht mehr in die Innenstadt", sagt Hans B. (65) zu "Heute". Sein Name wurde geändert, weil sich viele Steyrer nicht mehr öffentlich äußern wollen. "Nicht, dass der Demo-Mob davon erfährt", sagt er.
Hans B. erzählt von Lärm, Straßensperren und davon, dass Demonstranten Steyrer teilweise bewusst provozieren würden. "Es ist störend und ärgert mich enorm", sagt er. "Es ist so selbstverständlich geworden, dass sie da sind – das ist echt traurig."
Dass es kein Einzelfall ist, zeigen offizielle Zahlen: Laut Innenministerium gab es von 5. Juli 2022 bis 28. Dezember 2025 insgesamt 252 "Spaziergänge" in Steyr. Rund 150 Teilnehmer marschierten dabei immer wieder durch die Innenstadt – praktisch jede Woche.
Ein Ende ist nicht in Sicht: Ein Versammlungsleiter hat laut Beantwortung sogar zwei Versammlungen pro Sonntag bis 2031 angemeldet. Auch Gegendemonstrationen sind langfristig registriert – bis 2031, teils sogar bis 2040.
Bürgermeister Markus Vogl (SPÖ) spricht gegenüber "Heute" Klartext: "Die regelmäßigen Sonntags-Demos stellen ein extremes Ärgernis dar. Immer wieder melden sich Steyrerinnen und Steyrer, viele sind genervt, manche erzählen, dass sie die Innenstadt sonntags bewusst meiden würden."
Vogl stellt sich klar gegen die Kundgebungen und sagt, er stehe auf der Seite der Steyrer. Gleichzeitig müsse man aber akzeptieren: "Rechtlich kann die Stadt kaum eingreifen, das Versammlungsrecht ist zu akzeptieren", so Vogl abschließend.
Was den Ärger zusätzlich anheizt, ist die Kostenfrage. Beim "Sonntagsspaziergang" am 2. November 2025 waren laut Innenministerium 11 Polizeibeamte im Einsatz – Kostenpunkt: 1.496 Euro. "Ich sehe nicht ein, dass das so viel Steuergeld kostet", sagt Hans B. Viele Steyrer fragen sich, wie viel Geld über die Jahre bereits in Polizeieinsätze geflossen ist – während viel gespart wird.
Brisant wurde der 2. November 2025 auch politisch: Dort trat der bekannte deutsche Rechtsextreme Ken Jebsen (bürgerlich: Kayvan Soufi-Siavash) als Redner auf. Jebsen steht seit Jahren wegen verschwörungsideologischer Inhalte in der Kritik. Er verbreitete unter anderem Behauptungen über angebliche geheime Machtstrukturen und eine "gesteuerte" Öffentlichkeit – Aussagen, die vielfach als gefährlich und radikalisierend eingestuft werden.
Hans B. ärgert, dass die Szene aus seiner Sicht zusätzlich angeheizt werde. Besonders der Regional-TV Sender RTV kritisiert er scharf und wirft dem Sender vor, mit der Berichterstattung Verschwörungs-Narrative zu verbreiten und die Demos zu pushen.
"Jugendliche müssen vor solchen Meinungen geschützt werden", sagt Hans B. Für ihn sei das Ganze längst mehr als ein lauter Sonntag: Es sei ein Konflikt, der die Stadt spaltet – und viele Steyrer zermürbt.