"Klare Regeln. Feste Werte." Unter diesem Motto startet Oberösterreich mit Anfang Februar eine landesweite Kampagne für mehr Zusammenhalt im Alltag. Herzstück ist die neue "Hausordnung des Zusammenlebens" – ein Katalog mit 13 einfachen Regeln, die Orientierung geben und das Miteinander stärken sollen.
Die Umsetzung erfolgt auf drei Ebenen: gesetzlich, operativ und kommunikativ. So sollen die Regeln etwa in Förderrichtlinien einfließen, in Schulen und Vereinen vermittelt und in Bädern, Einkaufszentren, Arztpraxen oder Öffis sichtbar gemacht werden. Parallel startet eine große Info-Offensive auf Plakatwänden, Infoscreens, Online, im Radio und im TV. In Kooperation mit der Bildungsdirektion wird an der Erstellung von Unterrichtsmaterialien fürs kommende Schuljahr gearbeitet.
Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) sagte bei der Präsentation der Kampagne am Mittwoch im Linzer Landhaus: "Integration heißt nicht Beliebigkeit, sondern Zugehörigkeit auf Basis von Respekt, Verantwortung und Leistung." Für ihn geht es darum, Werte nicht nur zu formulieren, sondern diese im Alltag auch zu leben.
Integrations-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP) wurde noch deutlicher: Wer in Oberösterreich lebt, müsse Verantwortung übernehmen und sich aktiv einbringen. "Wir halten öffentliche Plätze sauber, Müll hat im Park oder auf der Straße nichts verloren. Frauen und Männer haben bei uns die gleichen Rechte – da gibt's keine Diskussion. Wer etwas erreichen will, muss etwas leisten – mit Fleiß und Einsatz kommt man weiter. Und wer noch nicht gut Deutsch kann, soll lernen – denn Sprache ist der Schlüssel für Schule, Job und das tägliche Miteinander", so Dörfel.
Auch bei Konflikten brauche es Klarheit: "Wenn es Streit gibt, lösen wir das mit Argumenten – nicht mit Gewalt. Vielfalt bereichert unser Zusammenleben, aber sie ersetzt nicht den Respekt vor unserer Kultur. Jeder Mensch hat Würde. Und wer Respekt erwartet, muss ihn auch selbst zeigen."
Die Hausordnung soll:
Orientierung geben: Für Neuzugewanderte dient die Hausordnung als niederschwelliger Einstieg in das gesellschaftliche Wertegerüst Oberösterreichs. Verbindlichkeit schaffen: Wer Teil der Gemeinschaft sein will, muss die Grundprinzipien des Zusammenlebens respektieren.
Gemeinschaft stärken: Ein gemeinsames Werteverständnis wirkt der Polarisierung und Fragmentierung entgegen und stiftet Zugehörigkeit.
Die Hausordnung wurde im Vorjahr gemeinsam mit dem Wiener Soziologen Kenan Güngör und einem Expertenrat aus Religion, Bildung, Recht und Integration entwickelt. Sie soll auch als Maßstab für neue Regelwerke und bestehende Vorschriften dienen. Wer Förderungen vom Land will, muss die Regeln künftig mittragen.
Welche Konsequenzen könnte es dann konkret geben? Dörfel sagt, es könnten Förderungen gestrichen werden: "Wenn zum Beispiel ein Jugendzentrum das Gegenteil von dem macht, was wir in der Hausordnung stehen haben." Er alleine habe in seinem Ressort 131 Organisationen als Partner, die Geld vom Land OÖ bekommen. Diese seien alle informiert worden.
Neben der deutschen Version werden die Inhalte bald auch in zehn weiteren Sprachen verfügbar sein – auf der Webseite ooe-hausordnung.at.