Mitten in den Hundstagen, wenn die Sonne vom Himmel brennt und das Thermometer kaum unter 30 Grad sinkt, erinnert der Bauernkalender an etwas, das kaum gegensätzlicher sein könnte: Schnee.
Während heute viele Menschen nur noch auf Wetter-Apps vertrauen, blickten unsere Vorfahren aufmerksam auf die sogenannten Lostage. Sie glaubten, dass bestimmte Tage im Jahreslauf Hinweise auf den weiteren Witterungsverlauf und die Ernte geben könnten. Einer der geheimnisvollsten davon ist ausgerechnet der 5. August.
Der Name "Mariä Schnee" geht auf eine uralte Legende aus Rom zurück. Der Überlieferung nach erschien die Gottesmutter Maria einem wohlhabenden Ehepaar und gleichzeitig Papst Liberius im Traum. Sie versprach ihnen ein Zeichen: Dort, wo am nächsten Morgen Schnee liegen würde, sollte eine Kirche zu ihren Ehren errichtet werden.
Und tatsächlich soll am 5. August des Jahres 358 der Esquilin-Hügel in Rom – mitten im Hochsommer – von einer Schneedecke überzogen gewesen sein. An dieser Stelle entstand später die berühmte Basilika Santa Maria Maggiore, die bis heute zu den bedeutendsten Marienkirchen der Welt zählt.
Auch die Bauern beobachteten den Tag genau. Für sie war weniger die Schneelegende entscheidend als vielmehr das Wetter. Eine bekannte Bauernregel lautet:
"Oswaldtag muss trocken sein, sonst werden teuer Korn und Wein."
Denn rund um den 5. August befanden sich Getreide und Wein vielerorts in einer entscheidenden Reifephase. Länger anhaltender Regen könnte die Ernte gefährden, Schimmel fördern und die Qualität deutlich verschlechtern.
Auch wenn am 5. August in Österreich wohl kaum jemand Schneeflocken erwarten muss, sorgt "Mariä Schnee" jedes Jahr für einen kleinen Moment des Staunens. Zwischen flirrender Sommerhitze, zirpenden Grillen und den Hundstagen erinnert dieser alte Brauch daran, wie eng Natur, Wetter und Legenden einst miteinander verbunden waren.