Dass Geier stumme Aasfresser sind, gilt als weitverbreitetes Klischee. Doch eine neue Studie widerlegt diese Annahme eindrucksvoll. Forscher der Universität Utrecht haben 2.500 Lautäußerungen von 35 Sperbergeiern in zwei niederländischen Tierparks analysiert.
Das Ergebnis: Die Vögel verfügen über sage und schreibe 16 verschiedene Rufarten. Im Vergleich dazu haben andere Vogelarten im Schnitt nur sechs bis acht unterschiedliche Laute. Damit gehören Sperbergeier zu den kommunikativsten Vögeln überhaupt.
Manche Rufe gehen fließend ineinander über und verraten sogar den Grad der Aufregung, heißt es auf scinexx.de. Die Geier kommunizieren mit Lauten auf ähnliche Weise wie Makaken und andere Affenarten, erklärt Studienleiter Connor Proudfoot.
Besonders vielfältig zeigt sich das Repertoire beim Futterstreit. Hier dokumentierten die Wissenschaftler neun verschiedene Rufarten, von denen fünf ausschließlich in diesen Situationen vorkommen. Wer ein Stück Aas verteidigt, zischt häufig oder kombiniert das Zischen mit pfeifenden Tönen.
Auch bei der Paarung haben die Geier einen charakteristischen Ruf. Das Männchen erzeugt dabei tiefe, heisere Stöhnlaute, die noch aus mindestens 20 Metern Entfernung zu hören sind.
Überraschend: Bereits etwa zwei Tage vor dem Schlüpfen geben Küken im Ei leise, nasale Laute von sich. Nach dem Schlüpfen werden diese Rufe vielfältiger. Ältere Jungvögel betteln mit schrillen Schreien, während die Eltern bei der Futterübergabe kurze Laute ausstoßen.
Die Erkenntnisse könnten für den Artenschutz wichtig werden, denn Sperbergeier gelten als vom Aussterben bedroht. Die Forscher vermuten, dass Paarungsrufe aus Lautsprechern andere Tiere zur Fortpflanzung anregen könnten.