Maria Riesch hat im Skisport fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Drei Olympia-Goldmedaillen, den Gesamtweltcup, 27 Weltcup-Siege. Doch heute zählt für die 41-Jährige offenbar etwas anderes: Ruhe, Freiheit und ein Leben, das nicht mehr vom nächsten Rennen bestimmt wird.
Wie die frühere Skirennläuferin im Gespräch mit BILD erzählt, fühlt sie sich angekommen. "Während meiner Skikarriere war ich nie entspannt. Heute ist diese Unruhe weg. Jetzt passt einfach alles für mich", sagt Riesch. "Es ist alles gut, wie es ist."
Nach außen heißt sie wieder Maria Riesch. In ihrem Pass steht allerdings noch der Name ihres Ex-Mannes Marcus Höfl. "Da heiße ich Höfl-Riesch", erklärt sie. Eine Änderung sei ihr derzeit zu aufwendig, weil der Name nicht nur im Pass, sondern an vielen Stellen geändert werden müsste. In der Kommunikation sei sie aber wieder Maria Riesch – "zurück zu den Anfängen".
Ihre Kindheit war früh vom Leistungssport geprägt. Schule, Skitraining, Kondition, Tennis, Rennen: Der Alltag war durchgetaktet. Trotzdem betont Riesch, es sei für sie und ihre Familie kein Zwang gewesen. "Wir haben das geliebt. Es war für uns kein Zwang oder Druck."
Auch das Thema Schule spielte eine große Rolle. In der elften Klasse wollte Riesch abbrechen, weil sie bereits Weltcup-Rennen fuhr. Eltern und Trainer bestanden darauf, dass sie weitermacht. Heute sieht sie das als richtig an. Gerade wegen ihrer späteren schweren Verletzungen sei es wichtig gewesen, ein Abitur in der Tasche zu haben.
Nach ihrem Karriereende mit 29 Jahren erlebte Riesch zum ersten Mal echte Entspannung. Ein Urlaub auf St. Barth wurde für sie zum Wendepunkt. Früher sei Urlaub nie wirklich Urlaub gewesen, weil sie gedanklich schon wieder beim Training war. Diesmal konnte sie abschalten.
Auch privat hat sich vieles verändert. Im August 2024 gaben Maria Riesch und Sportmanager Marcus Höfl nach 13 Jahren Ehe ihre Trennung bekannt, im Jänner 2025 wurde die Ehe geschieden. Beruflich sind beide weiterhin verbunden. Über das Ehe-Aus sagt Riesch: "Leider sind wir gescheitert, obwohl es viele Jahre gar nicht danach ausgeschaut hat."
Inzwischen ist Riesch wieder verliebt. Ihr Partner ist Johann Schrempf, 66 Jahre alt und Kreuzfahrt-Manager. Die beiden kannten sich schon viele Jahre, waren befreundet, beide damals noch verheiratet. Irgendwann habe er ihr gesagt, dass er sie schon immer toll fand. Ihre Antwort: "Ich fand dich ja auch schon immer toll."
Der Altersunterschied war für Riesch anfangs ein Thema. Heute beschreibt sie Schrempf als sportlich, jung geblieben und beruflich aktiv. Auf die Frage, ob sie verliebt sei, antwortet sie klar: "Ja." Über eine mögliche Hochzeit werde gesprochen, konkrete Pläne gebe es aber nicht.
Besonders offen spricht Riesch auch über ein Thema, das viele Frauen betrifft: Kinder. Früher dachte sie, sie werde nach ihrer Karriere eine Familie gründen wollen. Doch nach dem Ende des Leistungssports kam vor allem die Freude an der neuen Freiheit.
"Erst dachte ich: ‚Wahrscheinlich dauert es ein paar Jahre, bis der Mutterwunsch kommt.' Aber er kam nicht", sagt Riesch. Ihre Entscheidung sei bewusst gefallen. "Ich wollte keine."
Dass sie sich dafür immer wieder erklären muss, stört sie. Die Frage, warum jemand keine Kinder habe, findet sie heikel. Schließlich gebe es auch Frauen, bei denen es nicht geklappt habe und die darüber nicht sprechen wollten. Rieschs klare Meinung: Diese Frage könne man sich sparen.
Die Kinder ihres Bruders liebt sie trotzdem. Sie nennt sie "zuckersüß". Gleichzeitig sagt sie lachend, sie sei auch froh, danach wieder für sich zu sein – oder allein mit Johann.
Stolz ist Maria Riesch heute nicht nur auf ihre sportlichen Erfolge. Viel wichtiger ist ihr, dass sie ihr Leben nach der Karriere neu geordnet hat. "Darauf, dass ich nach meiner sportlichen Karriere mein Leben so gut geordnet habe und wirklich gelöst und entspannt sein kann", sagt sie. "Das schafft nicht jeder. Darauf bin ich stolz."
Demnächst geht es für Riesch und Schrempf nach Spitzbergen und auf ein Expeditionsschiff. Kälte bedeutet für sie heute nicht mehr Training, Wettkampf und Leistung. Diesmal ist es einfach eine Reise mit ihrem Johann. Und Maria Riesch sagt über sich selbst: "Aber zufrieden und glücklich? Ja. Das bin ich auf jeden Fall."