Dragovic: "Hinteregger kam glimpflich davon"

ÖFB-Legionär Aleksandar Dragovic spricht im "Heute"-Interview über Suff-Videos, den Kaffee von Messi, Arnautovic-Millionen und überlässige Youngsters.
"Heute": Herr Dragovic, am Wochenende wird die deutsche Bundesliga angepfiffen. Sind die Bayern wieder Favorit?

Aleks Dragovic: "Für mich persönlich ist es Dortmund. Im Vorfeld ist es allerdings immer schwer zu sagen. Der Transfermarkt ist noch offen, man muss abwarten, ob die Bayern nochmal zuschlagen. Unterschätzen darf man sie sowieso nie. Sie wurden auch in den letzten Jahren immer wieder mal angezählt. Wenn es drauf ankommt, sind sie einfach da. Das machen sie überragend."

Welche Rolle werden Sie mit Leverkusen spielen?

"In unserer Mannschaft steckt sehr viel Potential. Wir können sicherlich ganz vorne mitspielen, sollten aber die Kirche im Dorf lassen. Die Leistungsdichte ist brutal, von Rang drei bis zehn ist alles sehr knapp in der Bundesliga. Deshalb bin ich mit Prognosen eher vorsichtig."

32 Österreicher stehen in der deutschen Bundesliga unter Vertrag. Könnten Sie alle aufzählen?

"Ich glaube nicht. Man sieht aber, dass in Österreich einiges richtig gemacht wird. Und durch die gemeinsame Sprache ist es auch ein wenig einfacher, nach Deutschland als in ein anderes Land zu wechseln."

Sie greifen mit weißen Haaren an. Was hat es damit auf sich?

"Mich haben viele Leute gefragt, ob ich eine Wette verloren habe – habe ich aber nicht. Es steckt nicht wirklich was dahinter. Umso erstaunter war ich, welche Reaktion eine neue Frisur hervorruft."

CommentCreated with Sketch.0 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Von Ihrem ÖFB-Nebenmann Martin Hinteregger ist ein Video aufgetaucht, das ihn betrunken zeigt. Wie denken Sie darüber?

"Es ist schwierig, das aus der Ferne zu beurteilen. 'Hinti' ist ein feiner Kerl, er hat es sicher nicht böse gemeint. Was ich aber schon sagen muss: Er kann sich glücklich schätzen, dass er in der Öffentlichkeit so einen Bonus hat. Wenn ich oder Marko Arnautovic das gemacht hätten, wären wir niemals so glimpflich davongekommen. Erinnern wir uns nur an die Sache mit Marko und Dzeko. Da war die Hölle los."

Woran liegt es, dass Hinteregger in Ihren Augen einen "Bonus" hat?

"Er hat in den letzten Jahren zumeist gute Leistungen gezeigt und kommt offenbar sympathisch rüber, wahrscheinlich deswegen. Aber nochmal: Er hatte Glück, dass er so ungeschoren davongekommen ist."

"Wir sind keine Messis oder Ronaldos"


Als Fußballer steht man in der Auslage, ist selten unbemerkt. Lernt man damit umzugehen?

"Man sollte das nicht überbewerten, wir sind keine Messis oder Ronaldos. Es steht außer Frage, dass man da und dort aufpassen muss, denn jeder Sportler hat eine gewisse Vorbildfunktion. Aber es ist nicht so, dass ich darauf achten muss, ob ich Wasser oder Kaffee trinke. Bei Messi wäre wahrscheinlich sogar das ein Aufreger: Warum trinkt er Kaffee? Vielleicht sogar mit Zucker? Im Vergleich dazu haben wir ein ruhiges Leben."

Sie können sich also frei bewegen?

"Genau. Ich denke, das kann jeder Österreicher – bis auf David Alaba vielleicht, weil er bei den Bayern spielt."

Marko Arnautovic ist um viel Geld nach Shanghai gewechselt. Was hat er berichtet?

"Zuletzt habe ich vor rund zwei Wochen mit ihm telefoniert. Da ging es ihm sehr gut. Er ist sehr glücklich dort, das ist das Wichtigste."

Können Sie den Schritt nachvollziehen?

"Natürlich. Ich weiß jetzt nicht genau, was er dort verdient, aber sind wir uns ehrlich: Wenn die Summen, die in den Medien kursieren, stimmen, dann würde das Angebot jeder annehmen. Wenn da wer nein sagt, lügt er sich selbst an. Natürlich kann man die Art und Weise, wie der Wechsel zustande kam, kritisieren. Das war taktisch nicht klug. Am Ende des Tages hat er erreicht, was er wollte. Er ist glücklich, alles andere kann den Leuten egal sein."

"Arnautovic ist des Geldes wegen gewechselt"


Der Vorwurf lautet, er habe sich für das Geld und gegen die sportliche Herausforderung entschieden.

"Dass er des Geldes wegen nach China gewechselt ist, ist klar. Da brauchen wir keine zwei Meinungen. So gut wie jeder Mensch würde den Job wechseln, wenn er das fünf- oder sechsfache verdienen kann."

Sind Fußballer überbezahlt?

"Zum Teil sicher, aber es hängt viel davon ab, in welcher Liga und bei welchem Verein man spielt. Die Leute lesen die Summe von Cristiano Ronaldo und denken, ich bekomme auch annähernd so viel. So ist es natürlich nicht. Oder wenn ich höre, was manche denken, wie viel man in der österreichischen Bundesliga verdient

– da muss ich mir an den Kopf greifen. Natürlich können wir uns nicht beschweren, wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht, das ist auf jeden Fall ein Privileg. Dem gegenüber steht der enorme Leistungsdruck. Zwei schlechte Spiele und du bist wieder draußen aus der Mannschaft. Das vergessen viele."

Sie haben bei Leicester City mit Harry Maguire zusammengespielt. Er ging um 87 Millionen Euro zu Manchester United, ist nun der teuerste Verteidiger der Welt. War das abzusehen?

"Es war klar, dass er irgendwann einen großen Schritt machen wird und zu einem Top-Klub geht. Er hat 2018 eine super WM gespielt. Er hat brutale Fähigkeiten, muss sich aber natürlich weiter beweisen. Es kann auch eine Bürde sein, wenn man so ein Preisschild umgehängt bekommt."

Provokant gefragt: Was kann er besser als Sie?

"Das sollen andere beurteilen. Man muss ehrlicherweise sagen, dass man es als Engländer ein bisschen leichter hat als ein Österreicher. Er kann sich bei jedem Großereignis zeigen, wir werden eher nicht Weltmeister. Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, hat sich den Wechsel aber redlich verdient."

"Die Jungen lassen sich zu sehr gehen"


Peter Stöger ist zurück bei Ihrem Jugendklub Austria, diesmal als Sportvorstand. Ist er der richtige Mann an der richtigen Position?

"An seiner Fachkompetenz habe ich keine Zweifel. Er ist ein hervorragender Mann. Aber ich bezweifle, dass er kurzfristig was bewirken kann. Jetzt sind eher die Mannschaft und der Trainer gefragt. Stöger ist sehr spät gekommen, hat nichts mit der Kaderplanung und der Trainerbestellung zu tun. Auf längere Sicht ist er aber sicher der Richtige. Er kann die Austria wieder dort hinführen, wo sie hingehört. Das sind die Top 3 und eine europäische Gruppenphase."

Sie entstammen der Austria Akademie, wie auch David Alaba. Ihr seid die letzten prominenten Absolventen. Hattet ihr mehr Talent als die nachfolgenden Jahrgänge?

"Jein. Wie bei Maguire muss ich sagen: Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Was ich aber sehr wohl beobachte: Einige von den Jungen lassen sich heutzutage zu sehr gehen und glauben ab einem gewissen Punkt, es geht von alleine. Wenn ich das mit der Zeit vergleiche, als ich jung war, ist da schon ein großer Unterschied. Natürlich kann man es nicht verallgemeinern, aber es war damals einfach mehr Dankbarkeit und Respekt gegenüber den Älteren dabei. Wenn du nur im Ansatz abgehoben bist, hast du von Führungsspielern sofort eine drüber bekommen. Die Jungen sollten sich hinterfragen, warum es nicht klappt, warum nichts weitergeht. Es kann nicht immer nur am Trainer und dem Verein liegen."

Sie verfolgen die österreichische Liga: Ist Salzburg wieder der große Favorit?

"Ganz klar, da braucht man kein Prophet sein. Wenn alles normal abläuft, werden sie wieder Meister."

Die Mozartstädter spielen heuer in der Champions League, sind bei der Auslosung wie Leverkusen in Topf drei. Gut oder schlecht, dass ihr in der Gruppe nicht aufeinander trefft?

"Ich hätte gerne gegen sie gespielt, aber dann sehen wir uns halt im Halbfinale."



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