Drei Tage und drei Nächte lang fehlte von Schäferhund-Mischling Bud jede Spur. Dann sorgte der ängstliche Rüde für einen jener Momente, die wohl kein Tierpfleger so schnell vergisst: Ganz alleine fand er den Weg zurück an jenen Ort, der für ihn monatelang Sicherheit bedeutet hatte.
Es muss eine riesige Erleichterung gewesen sein: Am Montagmorgen entdeckten die Tierpfleger der Arche Noah in Graz plötzlich einen nur allzu bekannten Vierbeiner im hinteren Bereich des Tierheimgeländes. Dort stand Bud – unverletzt und nach drei Tagen auf der Flucht endlich wieder in Sicherheit. Das Unglaubliche daran: Niemand hatte den Schäferhund-Mischling zurückgebracht. Bud war offenbar ganz alleine zur Arche Noah zurückgekehrt.
Dass ausgerechnet das Tierheim sein Ziel gewesen sein dürfte, macht die Geschichte des sensiblen Rüden besonders berührend. Denn Bud hat bereits einiges hinter sich. Er stammt laut Arche Noah aus einer Vermehrerzucht im Ausland und soll dort unter schwierigen Bedingungen gehalten worden sein. Anschließend verbrachte er mehrere Monate im Grazer Tierheim. Für einen schreckhaften Hund wie Bud bedeutete das vor allem eines: Zeit.
Seine Tierpfleger kümmerten sich intensiv um ihn, gewöhnten ihn behutsam an einen geregelten Alltag und arbeiteten Schritt für Schritt an seiner Sozialisierung. Aus dem fremden Tierheim wurde so nach und nach ein vertrauter Ort. Hier kannte Bud die Menschen, die Abläufe und seine Umgebung – und hier hatte er gelernt, sich sicher zu fühlen.
Vor rund eineinhalb Wochen schien dann ein neues Kapitel zu beginnen. Bud durfte im Rahmen eines Probewohnens zu einer Familie nach Graz ziehen und machte dort laut Tierheim bereits erste Fortschritte. Doch dann passierte das, wovor sich wohl jeder Hundehalter fürchtet: Ein plötzliches lautes Geräusch in der Wohnung erschreckte den ohnehin schreckhaften Rüden. Bud geriet offenbar in Panik und entwischte durch ein Fenster.
Für seine neue Familie begann eine nervenaufreibende Suche. Sie reagierte sofort, verständigte unter anderem Polizei und Feuerwehr und suchte in den folgenden Tagen intensiv nach ihrem entlaufenen Schützling.
Auch die Mitarbeiter der Arche Noah machten sich auf die Suche, überprüften Orte, an denen Bud gesichtet worden sein sollte, stellten Lebendfallen auf und verbreiteten Suchaufrufe. Der Rüde blieb jedoch verschwunden ...
Dann kam der Montagmorgen – und mit ihm die Überraschung, auf die wohl niemand zu hoffen gewagt hatte: Bud war wieder da. Aus eigener Kraft hatte der Rüde den Weg zurück auf das Gelände der Arche Noah gefunden. Jenen Ort, an dem er vor seinem Probewohnen monatelang gelebt hatte.
Warum Bud ausgerechnet hierher zurückkehrte, lässt sich natürlich nicht mit Sicherheit sagen. Für das Tierheim ist es angesichts seiner Vorgeschichte aber durchaus nachvollziehbar: Sein neues Zuhause kannte der Rüde gerade einmal rund eineinhalb Wochen. Die Arche Noah dagegen war über Monate sein Alltag gewesen. Hier hatte er durch seine vertrauten Pfleger Sicherheit und Routine erfahren.
Der Ausreißer wird nun wieder in der Arche Noah versorgt. Nach seinem Abenteuer soll in Ruhe überlegt werden, welches Zuhause langfristig zu ihm und seinen besonderen Bedürfnissen passt. Aufgrund seiner Schreckhaftigkeit dürfte Bud vor allem von einem ruhigen Umfeld, erfahrenen Menschen und einem Alltag mit möglichst wenig Hektik profitieren.
Wichtig ist der Arche Noah dabei auch: Der Familie, bei der Bud auf Probe wohnte, soll kein Vorwurf gemacht werden. Ein Hund könne in einer Schrecksituation selbst bei verantwortungsvollen und erfahrenen Haltern entwischen. Die Familie habe nach seinem Verschwinden sofort reagiert und drei Tage lang alles unternommen, um Bud wiederzufinden.
Das Tierheim bleibt deshalb mit ihr in Kontakt. Und vielleicht wartet dort irgendwann ein anderer Schützling, für den genau diese Familie das richtige Zuhause ist.