"Die Wildtiere haben zum Teil gewaltig mit der Hitze zu kämpfen", berichtet Landes-Wildbiologe Hubert Schatz im Interview mit dem ORF. "Das hat ganz unterschiedliche Auswirkungen. In erster Linie suchen sie natürlich Schatten, weichen also aus auf schattigere Hänge, in Wälder, in Gräben und Tobel."
Das Nahrungsangebot ist durch die anhaltende Hitze stark eingeschränkt. Der Wildbiologe erklärt: "Insbesondere die Wintervorbereitung fällt dem Wild jetzt durch die lange Hitzeperiode schwer. Die Tiere, die im Herbst zur Welt kommen – beispielsweise bei den Gämsen – werden ein geringeres Nahrungsangebot finden. Auch Rehe tun sich bei Hitze sehr schwer."
Für die Wildtiere ist jetzt vor allem eines wichtig: Ruhe. "Also, dass jetzt in den Räumen, in die sie ausgewichen sind, nicht gestört oder aufgescheucht werden", betont Schatz. Besonders die Nachtruhe ist für die Tiere entscheidend. "Man sollte jetzt also bitte nicht in der freien Natur kampieren. Das stresst die Wildtiere enorm."
„Es ist jetzt besonders wichtig, dass die Menschen auf den Wegen bleiben und nicht querfeldein durch den Wald marschieren.“Hubert SchatzLandes-Wildbiologe
Murmeltiere, Schneehase oder Alpenschneehuhn sind seit der letzten Eiszeit perfekt an kalte, schneereiche Hochgebirgsregionen angepasst. Sie können aber nicht einfach in noch höhere, kühlere Lagen ausweichen, wie der Österreichische Tierschutzverein in einer Aussendung mitteilt. "Ihr Lebensraum ist nach oben hin klar begrenzt und schrumpft mit jedem Grad Erwärmung weiter", erklärt Alexios Wiklund, Sprecher des Österreichischen Tierschutzvereins.
Vor allem die alpinen Murmeltiere leiden unter der Hitze. Heiße Sommer verkürzen ihre Zeit zum Fressen, weil sie sich öfter in ihre kühlen Baue zurückziehen müssen. Dadurch können sie weniger Fettreserven für den langen Winterschlaf anlegen.
Auch Steinböcke und Gämsen haben durch die Hitze weniger Energiereserven für den Winter, weil sie nur noch in den kühleren Morgen- und Abendstunden fressen. Für Alpenschneehuhn und Schneehase wird die saisonale Tarnung zum Problem. Der Wechsel von Braun im Sommer auf Weiß im Winter funktioniert nicht mehr so gut, Fressfeinde entdecken sie leichter.
Die Tierschützer schlagen Alarm: Die Zukunft dieser Tiere in den Alpen ist gefährdet. Denn der Alpenraum erwärmt sich doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt, das zeigen Studien der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der GeoSphere Austria. Der Österreichische Tierschutzverein fordert daher ein Sofortprogramm für den alpinen Artenschutz.