Die Klimakrise macht nicht nur Eisbären in der Arktis zu schaffen – auch Österreichs tierische Bewohner der Alpen kämpfen ums Überleben. Besonders Murmeltiere, Schneehasen und Alpenschneehühner geraten durch immer heißere Sommer zunehmend unter Druck. Der Österreichische Tierschutzverein fordert deshalb ein rasches Schutzprogramm für die alpinen Kältespezialisten.
Die Alpen erwärmen sich deutlich schneller als andere Regionen Österreichs. Für Tiere, die seit der letzten Eiszeit perfekt an kalte, schneereiche Hochlagen angepasst sind, wird das zum existenziellen Problem. Denn sie können sich nicht beliebig weiter nach oben zurückziehen – oberhalb der Baumgrenze endet ihr Lebensraum.
Besonders betroffen sind Murmeltiere. An heißen Sommertagen verbringen sie deutlich mehr Zeit in ihren kühlen Bauen, um der Hitze zu entkommen. Das hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Sie können weniger fressen und dadurch nicht ausreichend Fettreserven für ihren bis zu sieben Monate dauernden Winterschlaf anlegen.
„Mit jedem Grad Erwärmung schrumpft ihr Lebensraum weiter. Bleiben die Temperaturen auf diesem Niveau oder steigen weiter, könnte das langfristig den Bestand der alpinen Nager gefährden.“Alexios WiklundSprecher, Österreichischer Tierschutzverein
Auch andere Bergbewohner leiden unter den Folgen der Erwärmung. Steinböcke und Gämsen verlegen ihre Nahrungssuche zunehmend in die kühleren Morgen- und Abendstunden und nehmen dadurch weniger Energie auf.
Für Schneehasen und Alpenschneehühner kommt ein weiteres Problem hinzu: Ihre natürliche Tarnung gerät aus dem Takt. Während sie im Winter ein weißes Fell beziehungsweise Gefieder tragen, bleibt der Schnee immer häufiger aus oder verschwindet früher. Die Tiere fallen dadurch auf dem braunen Untergrund deutlich stärker auf und werden für Fressfeinde zur leichten Beute.
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich der Alpenraum etwa doppelt so schnell erwärmt wie der globale Durchschnitt. Sichtbar wird das unter anderem am dramatischen Rückgang der Gletscher. Österreichs größter Gletscher, die Pasterze, hat seit Beginn der Messungen bereits mehr als zwei Kilometer an Länge verloren.
Mit dem schwindenden Eis verändern sich nicht nur die Lebensräume der Tiere. Auch für den Menschen steigen die Risiken durch Muren, Steinschläge und Hangrutsche, weil auftauender Permafrost Felsen und Hänge zunehmend destabilisiert.
Der Österreichische Tierschutzverein appelliert deshalb an die Politik, den alpinen Artenschutz deutlich auszubauen. Gefordert werden unter anderem ein besseres Monitoring gefährdeter Arten, zusätzliche geschützte Rückzugsräume in den Alpen sowie konsequente Klimaschutzmaßnahmen. Denn klar ist: Wenn Murmeltiere, Schneehasen und Alpenschneehühner in Österreich auch in Zukunft eine Heimat haben sollen, bleibt nicht mehr viel Zeit zum Handeln.