Neuer Workshop soll aufklären

"Du ziehst dich jetzt aus": Teenie wird online erpresst

Online-Freundschaft, Games, Chats – und plötzlich Erpressung. Ein Fall aus OÖ zeigt, welchen Gefahren Jugendliche im Netz ausgesetzt sein können.
Oberösterreich Heute
13.02.2026, 03:00
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Ein Bursch aus Oberösterreich kommt heim, macht seine Hausaufgaben und startet die Playstation. Beim Zocken chattet er mit anderen Spielern: "Da schreibt ihn ein vermeintlich gleichaltriger Junge aus Deutschland an und fragt ihn, was seine Strategien sind", schildert Medienpädagoge Manuel Lanzerstorfer ein Fallbeispiel. Aus harmlosen Gesprächen über Spieltricks wird rasch mehr – der Jugendliche wird gelobt, die beiden werden Online-Freunde.

"Du ziehst dich jetzt nackt aus"

Bald schreiben sie auch auf anderen Plattformen weiter. Beim Fußballzocken kippt die Dynamik langsam: Erst geht es um Training, Muskeln – und dann kommt das erste "zeig mal". "Der Junge hat dann geflext, richtig die Muskeln angespannt und hat ein Selfie geschickt", erzählt Lanzerstorfer – und bekam eines zurück. Das digitale Kräftemessen läuft über Wochen, die Fotos werden freizügiger.

Dann eskaliert die Situation. Noch bevor ein Spiel startet, fordert der Deutsche plötzlich: "Du ziehst dich jetzt nackt aus, pinkelst in die Dusche und machst ein Selfie." Der Jugendliche ist völlig überrumpelt, hält es zunächst für einen schlechten Scherz und lehnt ab – mehrfach.

Lob, scheinbare Freundschaft – "und dann kippt es"

Darauf folgt die Drohung: Der Online-Kontakt behauptet, er kenne Eltern, Adresse und Schule des Burschen. Wenn er kein Nacktfoto schicke, würden die bisherigen Bilder "groß ausgedruckt am Schuleingang hängen". Aus Angst und Überforderung überlegt der Jugendliche kurz nachzugeben – auch aus Furcht vor Ärger zu Hause. In der Schule fällt auf, dass er sich verändert.

Erst seinem besten Freund vertraut er sich an. Gemeinsam suchen sie Hilfe. In Oberösterreich gebe es dafür klare Anlaufstellen: das Jugendservice oder Rat auf Draht. Dort wird dem Bursch klar erklärt, was da passiert: Er wird erpresst. Die Geschichte ist laut dem Medienpädagogen kein Einzelfall. Das Gefährliche daran: Es beginne fast immer harmlos, mit Lob, Interesse, scheinbarer Freundschaft – "und dann kippt es".

Neuer Workshop an OÖ-Schulen

Genau hier setzt der neue Workshop "Nackt im Netz – Safe durch digitale Welten" an: Das Angebot richtet sich an Jugendliche ab 13 Jahren und und ergänzt die bestehenden medienpädagogischen Angebote des Landes Oberösterreich um das Thema digitale Intimität und sexuelle Inhalte im Netz.

Schüler sollen dabei lernen, frühzeitig Alarmzeichen zu erkennen, Drucksituationen richtig einzuordnen und zu wissen, wo man sich Hilfe holen kann. Geleitet wird das Angebot vom Medienpädagogen Manuel Lanzerstorfer und Sexualpädagogin Karin Mühlwasser. Für heuer sind 60 Workshops geplant.

Jugendschutz-Landesrat Martin Winkler (SPÖ) betont: "Gerade online brauchen junge Menschen klare Orientierung, Wissen über ihre Rechte und konkrete Handlungsmöglichkeiten." Das Ziel sei, "Jugendliche rechtlich, medial und persönlich zu stärken". Medienkompetenz sei dabei "ein zentraler Schlüssel".

{title && {title} } red, {title && {title} } 13.02.2026, 03:00
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