Mehrere Aktivistengruppen und soziale Initiativen stellten sich am Morgen vor der Messe Wien Exhibition & Congress Center auf, um gegen die Politik der SPÖ zu demonstrieren. Rund 200 Menschen beteiligten sich laut Veranstaltern an der Aktion. Für Aufsehen sorgte eine Banner-Aktion direkt am Veranstaltungsort. Aktivisten der Initiative Lobau Bleibt! entrollten ein großes Transparent am Gebäude der Messe Wien, während Delegierte zum Parteitag eintrafen.
Die Gruppe kritisiert vor allem die geplante Autobahnverbindung durch das Gebiet der Lobau. Laut den Aktivisten würden Milliarden in ein klimaschädliches Infrastrukturprojekt fließen, während gleichzeitig bei sozialen Bereichen gespart werde. Nora Haidowatz von "Lobau Bleibt!" warf der Partei vor, mit der geplanten Autobahn ein Naturgebiet zu gefährden. Ihrer Ansicht nach könnten die Milliardenkosten stattdessen für Armutsbekämpfung, soziale Angebote oder Kulturinitiativen verwendet werden.
Neben Klimaaktivisten beteiligten sich auch soziale Initiativen und Jugendgruppen an den Protesten. Das Bündnis SoWi_So kritisierte insbesondere mögliche Kürzungen im Sozialbereich. Diese würden ihrer Ansicht nach vor allem Frauen treffen, da dadurch unbezahlte Pflege- und Hausarbeit zunehmen könnte. Auch Aktivisten der Klimabewegung meldeten sich zu Wort. Vertreter der Organisation System Change warfen der Politik vor, falsche Prioritäten zu setzen und Milliarden in fossile Infrastruktur zu investieren.
Unter den Demonstranten befanden sich außerdem Aktivisten der Bewegung Fridays For Future. Sie forderten die sozialdemokratische Partei auf, stärker auf Klimaschutz und den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel zu setzen. Nach Ansicht der Demonstranten sollten Milliardeninvestitionen in Autobahnprojekte stattdessen in leistbare Öffis und soziale Maßnahmen fließen.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft geplante Einsparungen im Kulturbereich. Vertreter des Wiener Amerlinghaus warnten vor möglichen Folgen für die Einrichtung. Das Kulturzentrum existiert seit rund fünf Jahrzehnten und bietet unter anderem Räume für Kulturprojekte, politische Bildung, Kindergruppen und Deutschkurse.
Vertreter der dort angesiedelten Initiativen befürchten, dass das Haus durch finanzielle Kürzungen gefährdet sein könnte. Man wolle den Fortbestand des Projekts daher weiter verteidigen, kündigten Aktivisten an.
Während drinnen Delegierte über programmatische Fragen und politische Strategien diskutierten, sorgten draußen die Demonstranten für lautstarke Begleitmusik. Transparente, Sprechchöre und Kritik an Infrastrukturprojekten sowie Sozialpolitik prägten das Bild vor dem Veranstaltungsort.
Der Parteitag der Sozialdemokratische Partei Österreichs fand damit unter spürbarer Protestkulisse statt. Ob und wie stark die Forderungen der Aktivisten Einfluss auf die innerparteilichen Debatten haben werden, bleibt allerdings offen.