Großalarm am Graz Airport: Was wie ein dramatisches Krisenszenario aussah, war am Ende eine realitätsnahe Großübung – mit einem klaren Ziel: den Ernstfall trainieren und die Abläufe im Fall einer hochinfektiösen Bedrohung perfektionieren.
Im Zentrum der Übung stand ein fiktiver Ebola-Verdachtsfall an Bord eines Passagierflugzeugs, das auf dem Weg von Zentralafrika nach Wien wegen eines medizinischen Notfalls nach Graz umgeleitet werden musste. Rund 200 Einsatzkräfte waren in das Szenario eingebunden.
Alle zwei Jahre werden an internationalen Flughäfen umfangreiche Notfallübungen durchgeführt. In Graz ging man diesmal bewusst über klassische Flugzeugunfälle hinaus und simulierte eine komplexe Infektionslage, um die Zusammenarbeit verschiedenster Behörden und Organisationen unter Realbedingungen zu testen.
"Übungen dieser Art dienen dazu, das Zusammenwirken der verschiedenen Einsatzorganisationen untereinander, aber auch mit den zuständigen Behörden und dem Flughafen zu üben", erklärt Andreas Weitlaner, Bezirkshauptmann Graz-Umgebung. "Es ist daher wichtig und sinnvoll, die unterschiedlichsten Gefahrenlagen zu beüben, um für den Ernstfall bestmöglich vorbereitet zu sein."
Auch die medizinische Komponente stand im Fokus der Übung. Im Szenario meldete die Crew eines Flugzeugs vom Typ Dash8-Q400 während eines Evakuierungsfluges aus Afrika einen schweren medizinischen Notfall an Bord.
Der Gesundheitszustand zweier Passagiere verschlechterten sich während des Fluges so stark, dass eine Notlandung in Graz notwendig wurde.
Die Flugsicherung informierte den Airport Duty Manager um 13 Uhr, die Landung erfolgte bereits 20 Minuten später. "Wir haben für einen derartigen Notfall einen eigenen Alarmplan, der mit den verantwortlichen Behörden abgestimmt wurde", erklärt Jürgen Löschnig, Geschäftsführer des Graz Airport. "So ein Szenario unterscheidet sich aber vor allem in Hinblick auf Verantwortlichkeiten bzw. auf das Zusammenspiel der verschiedenen Behörden und Einsatzorganisationen grundlegend von den meisten anderen Notfallszenarien."
Im Mittelpunkt der Übung stand insbesondere der Schutz aller Beteiligten: das richtige Anlegen von Schutzausrüstung, der Aufbau einer Dekontaminationsstation sowie die Versorgung und Betreuung potenziell infizierter Personen.
Auch die Luftfahrtseite war eingebunden. Antonio Cuomo, Pilot und Head of Sales von Avantiair, sagt: "Sicherheit entsteht nicht erst im Ernstfall, sondern durch Vorbereitung, Training und Vertrauen." Die deutsche Airline stellte für die Übung ein Flugzeug zur Verfügung und ermöglichte damit ein besonders realistisches Szenario.
"Dank aller beteiligten Partner:innen und Mitarbeiter:innen konnten wir die Übung erfolgreich und mit neuen wichtigen Erkenntnissen, die in die zukünftige Notfallplanung einfließen, beenden", zieht Löschnig ein positives Fazit.
Beteiligt waren unter anderem Berufsfeuerwehr Graz, Rotes Kreuz, Landespolizeidirektion, Grenzpolizeiinspektion Graz Airport, Landeswarnzentrale, Gesundheitsamt der Stadt Graz sowie das Kriseninterventionsteam Steiermark.