Die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo hat bereits mehr als 130 Todesopfer gefordert. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus zeigt sich "zutiefst besorgt" über das "Ausmaß und die Geschwindigkeit" der Ausbreitung.
Es handelt sich um den 17. Ebola-Ausbruch im Kongo - doch dieser ist anders. Ausgelöst wurde er durch die seltene Bundibugyo-Variante des Virus, die erst zum dritten Mal überhaupt nachgewiesen wurde.
Ein großes Problem: Es gibt keinen zugelassenen Impfstoff und keine gezielte Therapie gegen das Bundibugyo-Virus. Die WHO will nun prüfen, ob bestehende Ebola-Medikamente auch gegen diese Variante wirken.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Ausbruch offenbar lange unentdeckt blieb. Infizierte entwickeln zunächst Symptome wie bei einer Grippe oder Malaria, was die Diagnose verzögert. Außerdem erkennen herkömmliche Ebola-Tests die Bundibugyo-Variante nicht zuverlässig.
Die WHO geht davon aus, dass die Epidemie vermutlich schon "vor einigen Monaten begonnen hat". Wahrscheinlich haben sich deshalb deutlich mehr Menschen infiziert als bisher angenommen.
Das Epizentrum liegt in der Provinz Ituri im Nordosten des Kongo, an der Grenze zu Uganda und dem Südsudan. Die Region ist von bewaffneten Konflikten geprägt - verschiedene Milizen sind dort aktiv und viele Gebiete schwer zugänglich.
Problematisch sind auch traditionelle Bestattungsrituale. "Wir verabschieden uns von den Verstorbenen, indem wir sie ein letztes Mal waschen und sie küssen", erklärt Mamadou Kaba Barry von der Hilfsorganisation Alima. Da tote Ebola-Patienten hochinfektiös sind, kann es dabei leicht zu Ansteckungen kommen.
Die WHO hat zwar ihre zweithöchste Alarmstufe ausgerufen, doch eine Pandemie befürchten Experten nicht. Ebola überträgt sich nur durch direkten Körperkontakt oder Kontakt mit Körperflüssigkeiten - und ist damit deutlich weniger ansteckend als etwa das Coronavirus.