Die Untere Lobau trocknet dramatisch aus – und ausgerechnet die nächste Hitzewelle könnte die Lage endgültig eskalieren lassen. Der WWF fordert deshalb einen sofortigen Krisengipfel mit Bürgermeister Michael Ludwig, Umweltstadträtin Ulli Sima und Umweltminister Norbert Totschnig. Die Naturschutzorganisation warnt: Ohne rasches Eingreifen droht einem der wertvollsten Naturparadiese Österreichs ein ökologischer Kollaps.
Seit Wochen herrscht Trockenheit, nun verschärfen die angekündigten Temperaturen von deutlich über 35 Grad die Situation zusätzlich. Jeder weitere heiße Tag lässt den Wasserstand sinken, der Sauerstoffgehalt in den verbliebenen Gewässern nimmt weiter ab – mit dramatischen Folgen für Tiere und Pflanzen.
Die Bilder aus der Unteren Lobau sind erschütternd: Viele Seitenarme und Tümpel führen kaum noch Wasser, manche sind bereits vollständig ausgetrocknet. In den verbliebenen Gewässern verenden Fische und Große Teichmuscheln massenhaft. Besonders kritisch ist die Lage für die stark gefährdete Europäische Sumpfschildkröte – Österreichs einzige heimische Schildkrötenart. Ihr Lebensraum schrumpft von Woche zu Woche.
„Anstatt auf ein Regenwunder zu hoffen, müssen alle Verantwortlichen jetzt einen verbindlichen Rettungsplan beschließen. Ansonsten droht eines der wertvollsten Augebiete Österreichs Schritt für Schritt auszutrocknen“Hanna SimonsWWF-Programmleiterin
Die Wetterprognosen lassen Naturschützer zusätzlich erschaudern. Mit der bevorstehenden Hitzewelle steigen nicht nur die Temperaturen des Wassers, sondern auch dessen Sauerstoffgehalt sinkt weiter. Gerade in flachen, stehenden Gewässern kann das innerhalb weniger Tage zu einem großflächigen Fischsterben führen.
Zudem verdunstet bei extremer Hitze enorm viel Wasser. Bereits ausgetrocknete Bereiche könnten vollständig verschwinden, während sich Algen und Bakterien in den verbleibenden Tümpeln explosionsartig vermehren. Für viele Wasserbewohner wird das zur tödlichen Falle.
Nach Ansicht des WWF liegen die Lösungen längst auf dem Tisch. Am Staudigl-Wehr könne Wasser kontrolliert in die Untere Lobau geleitet werden. Ein begleitendes ökologisches und hydrogeologisches Monitoring könnte gleichzeitig mögliche Auswirkungen auf die Trinkwasserbrunnen überwachen.
Langfristig brauche die Lobau aber weit mehr: eine stärkere Anbindung an die Donau, wieder natürliche Fließdynamiken und Maßnahmen gegen die fortschreitende Eintiefung des Flusses. Auch die Trinkwasserversorgung müsse dauerhaft abgesichert werden – etwa durch moderne Wasseraufbereitung oder den Anschluss der Lobau-Brunnen an das neue Wasserwerk auf der Donauinsel.
„Es bleibt kaum noch Zeit ...“
Für den WWF ist klar: Jetzt geht es nicht mehr um langfristige Pläne, sondern um akute Rettungsmaßnahmen. Die seit Jahren bekannte Wasserkrise werde durch die aktuelle Trockenheit massiv beschleunigt.
Sollte die angekündigte Hitze tatsächlich mehrere Tage anhalten und gleichzeitig kein ergiebiger Regen fallen, könnte sich die Situation in der Unteren Lobau innerhalb kürzester Zeit weiter dramatisch zuspitzen. Für zahlreiche Tierarten wäre das eine Katastrophe – und für den Nationalpark Donau-Auen ein weiterer schwerer Rückschlag.