Österreich und andere europäische Länder haben offiziell ihren Status als "masernfrei" verloren. Das teilte die Weltgesundheitsorganisation WHO laut einem Reuters-Bericht am Montag mit. Grundlage ist ein sprunghafter Anstieg der Masernfälle auf dem gesamten Kontinent im gegenständlichen Berichtsjahr 2024. Ebenso betroffen sind Großbritannien, Spanien, Armenien, Aserbaidschan und Usbekistan.
"Dass Österreich von der WHO nicht mehr als masernfrei eingestuft wird, ist ein Weckruf – aber kein überraschender. Masern beschäftigen uns in Österreich leider wieder", reagiert die zuständige Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) gegenüber "Heute" auf diese Nachricht.
Der Lichtblick: Die Fallzahlen in Österreich sind seit ihrem Höhepunkt von 542 im Jahr 2024 wieder deutlich gefallen. Im Vorjahr zählte die AGES nur noch 152 Masern-Patienten. 2023 waren es 186.
Für Königsberger-Ludwig ist das dennoch kein Grund, die Füße hochzulegen: "Damit dürfen wir uns nicht zufriedengeben. Masern könnten weltweit ausgerottet sein – doch dafür braucht es eine Durchimpfungsrate von 95Prozent." Das Ziel sei klar: Österreich soll wieder masernfrei werden. "Jede vermeidbare Infektion ist eine zu viel."
Dazu richtet die Staatssekretärin einen Appell an alle Österreicher: "Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern eine hochinfektiöse und potenziell gefährliche Erkrankung. Bitte lassen Sie sich und Ihre Kinder impfen!" Die Masern-Mumps-Röteln-Impfung ist für alle Altersgruppen kostenlos erhältlich.
WHO-Ausschüsse in jeder Region entscheiden anhand der Fallzahlen, ob ein Land masernfrei ist. Um von der WHO als "masernfrei" eingestuft zu werden, darf ein Land seit mindestens 12 Monaten keine lokal übertragenen Fälle desselben Stammes mehr aufweisen.
Die Entscheidung, unter anderem Österreich, den Status zu entziehen, wurde Mitte September auf der Grundlage von Daten aus dem Jahr 2024 getroffen. Die WHO veröffentlichte diese Informationen jedoch erst am Montag, nachdem sie die Zustimmung aller betroffenen Länder erhalten hatte.
Masern sind durch Impfungen vollständig vermeidbar, aber sehr ansteckend und gehören daher zu den ersten Krankheiten, die bei sinkenden Impfquoten wieder auftauchen. Sie verursachen häufig grippeartige Symptome wie hohes Fieber und einen charakteristischen Hautausschlag. Es kann aber auch zu schwerwiegenden Langzeitkomplikationen und tödlichen Entzündungen der Lunge und des Gehirns kommen.
Gesundheitsexperten warnen, dass die weltweit zunehmenden Ausbrüche auf ein Wiederauftreten vermeidbarer Krankheiten in Bevölkerungsgruppen hindeuten, die seit der Corona-Pandemie zunehmend misstrauisch oder skeptisch gegenüber Impfstoffen sind.