Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen – davon ist man in der polnischen Botschaft in Österreich lange Zeit ausgegangen.
Umso größer war der Schock, als bekannt wurde, dass die Stadt Wien das geplante Denkmal für Jan III. Sobieski Ende 2024 abgesagt hat. Man wolle in Wien "keine Bühne errichten, die für ausländerfeindliche Hetze sowie islamfeindliche oder antitürkische Ressentiments instrumentalisiert werden kann", argumentierte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) damals.
Jan III. Sobieski (1624–1696)
Am 12. September 1683 führte Sobieski sein Einsatzheer bei der zweiten Türkenbelagerung durch das osmanische Reich an und siegte bei der Schlacht am Kahlenberg. Sobieski ist einer der bedeutensten Könige in der polnischen Geschichte und gilt für viele als der "Retter Wiens".
Eine Sichtweise, die der polnische Botschafter in Wien, Zenon Kosiniak-Kamysz, nicht teilt: "Die Stadt Wien hat uns das Denkmal versprochen", sagt er im Gespräch mit "Heute". Die Statue sei bereits fertiggestellt und stehe derzeit in Polen. "Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Denkmäler", betont der Botschafter. Zur Untermauerung verweist er auf bestehende Erinnerungsorte in Wien – etwa ein Denkmal für den kommunistischen Revolutionär Che Guevara oder eine Stalin-Gedenktafel.
Die Aussagen des Botschafters sorgen nun erneut für politischen Zündstoff. Wie "Heute" erfuhr, wird die ÖVP Wien aus dem Grund einen Antrag zur Errichtung des Sobieski-Denkmals am Kahlenberg einbringen. "Jan III. Sobieski hat sich dieses Denkmal mehr als verdient. Er ist untrennbar mit der Geschichte Wiens und Europas verbunden. Dass ein seit Jahren zugesagtes Denkmal bis heute nicht umgesetzt wurde, ist weder historisch noch politisch nachvollziehbar", so Stadträtin Kasia Greco, ÖVP-Sprecherin für Internationales.
Kosiniak-Kamysz unterstützt diese Initiative: "Sobieski hat mit seinem Einsatz 1683 maßgeblich dazu beigetragen, Wien zu verteidigen und die europäische Geschichte entscheidend zu prägen. Seine Bedeutung für Wien, Polen und Europa ist historisch unbestritten. Ein würdiges Denkmal am Kahlenberg wäre ein wichtiges Zeichen der Anerkennung und der gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur".
Die polnische Seite sei bereit, die Gespräche konstruktiv fortzusetzen und das Projekt gemeinsam mit der Stadt Wien umzusetzen. Ähnliche Bereitschaft signalisierte die Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien auf "Heute"-Nachfrage: "Ein Dialog auf inhaltlicher und kultureller Ebene ist jederzeit willkommen."
Abschließend übt Greco deutliche Kritik an der Wiener Stadtregierung: "Es ist für viele Menschen nicht nachvollziehbar, warum Wien Verbrechern wie Stalin eine Gedenktafel widmet und Gewaltherrschern wie Che Guevara – der für Erschießungskommandos, politische Unterdrückung und massive Menschenrechtsverletzungen steht – sogar ein Denkmal zugesteht, während ein historischer Verteidiger Wiens bis heute keinen angemessenen Platz im Stadtbild erhält.“
Bestehende Hinweise wie Straßennamen oder Plätze seien zwar ein Teil der Erinnerung, aber "angesichts des historischen Gewichts Sobieskis und des internationalen Kontexts völlig unzureichend". Greco abschließend: "SPÖ und Neos sind es Sobieski, der polnischen Community und unseren internationalen Partnern schuldig, dieses Versprechen endlich einzulösen. Der Gemeinderat hat nun die Chance, ein klares Zeichen für Verantwortung, Verlässlichkeit und europäische Geschichte zu setzen."