Zum Internationalen Holocaust-Gedenktag hat EU-Kommissar für Inneres und Migration Magnus Brunner eindringlich an die Verantwortung Europas erinnert, jüdisches Leben zu schützen und Antisemitismus entschieden zu bekämpfen.
Begleitet wird der Gedenktag von neuen Zahlen, die zeigen: Die Sorge über Judenhass wächst europaweit.
"Die jüdische Kultur ist untrennbar mit der europäischen Geschichte verwoben. Wir müssen sie heute und auch in Zukunft schützen und fördern. Gedenken an den Holocaust bewahrt die historische Wahrheit und stellt sicher, dass wir sie niemals vergessen. Wir erinnern uns – gemeinsam", betonte Brunner anlässlich des Gedenktages.
Zeitgleich veröffentlichte die Europäische Kommission aktuelle Ergebnisse einer Eurobarometer-Umfrage. Demnach sehen 55 Prozent der Europäer Antisemitismus als Problem in ihrem jeweiligen Mitgliedstaat – ein deutlicher Anstieg gegenüber 50 Prozent im Jahr 2018.
Jeder zweite befragte Österreicher (50 Prozent) nimmt zudem wahr, dass Antisemitismus in den vergangenen fünf Jahren zugenommen hat. Das entspricht einem Plus von 17 Prozentpunkten.
Besonders deutlich ist auch der Zusammenhang mit globalen Krisen: 69 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Konflikte im Nahen Osten die Wahrnehmung jüdischer Menschen im eigenen Land beeinflussen. 2018 lag dieser Wert noch bei 54 Prozent.
Beim Thema Bildung zeigt sich ein gemischtes Bild. 48 Prozent der Europäer sind der Ansicht, dass der Holocaust im Schulunterricht ausreichend behandelt wird – ein leichter Anstieg gegenüber 2018.
Gleichzeitig ist das Wissen über rechtliche Schutzmaßnahmen gestiegen: 66 Prozent wissen von Gesetzen gegen die Aufstachelung zu Gewalt gegenüber Juden, 52 Prozent sind sich der Existenz von Gesetzen gegen Holocaustleugnung bewusst.
Bereits im Oktober 2021 hatte die EU ihre erste umfassende Strategie zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens beschlossen. Ein im Oktober 2024 veröffentlichter Fortschrittsbericht zeigt: Alle 90 vorgesehenen Maßnahmen befinden sich in Umsetzung.
Ziel ist es, Antisemitismus in all seinen Formen zu verhindern, jüdisches Leben in Europa zu sichern und die Holocaust-Erinnerung nachhaltig zu stärken.
Ein zentraler Baustein ist das neu gegründete Europäische Netzwerk der Holocaust-Gedenkstätten (ESHEM). Es soll Synergien zwischen mehr als 44.000 Gedenkorten in Europa schaffen und wird bis 2026 mit 18 Millionen Euro gefördert.
Zusätzlich stellte die Kommission vergangene Woche die neue "EU-Antirassismus-Strategie 2026–2030" vor. Der bestehende EU-Rahmenbeschluss stellt sicher, dass das öffentliche Billigen, Leugnen oder Verharmlosen des Holocaust strafrechtlich verfolgt wird. Parallel dazu geht die EU verstärkt gegen Desinformation über den Holocaust vor – sowohl online als auch offline.
Auch finanziell setzt die EU klare Signale: Über das Programm "Bürgerinnen und Bürger, Gleichstellung, Rechte und Werte" (CERV) fließen mehr als 28 Millionen Euro heuer und nächstes Jahr in Projekte zur europäischen Erinnerungskultur.
Der Fokus liegt auf Holocaust-Erinnerung, Bildungsarbeit, Forschung sowie der Bekämpfung von Holocaustleugnung und -verzerrung. Ergänzend startet die UNESCO mit Unterstützung von Erasmus+ eine EU-weite Erhebung zum Wissen von Lehrkräften über Antisemitismus.
Der Internationale Holocaust-Gedenktag macht damit einmal mehr deutlich: Erinnerung ist kein Rückblick, sondern ein aktiver Auftrag – politisch, gesellschaftlich und generationenübergreifend.