Eine Million Unterschriften für Bienenschutz

Greenpeace-Aktivisten, gekleidet wie Arbeiter-Bienen im "Streik", fordern ein Neonicotinoide-Verbot.
Greenpeace-Aktivisten, gekleidet wie Arbeiter-Bienen im "Streik", fordern ein Neonicotinoide-Verbot.© Francesco Alesi / Greenpeace
Bürgerinitiative will eine bienen- und klimafreundliche Landwirtschaft in Europa durchsetzen. Mehr als eine Million Menschen haben unterschrieben.

Das Bündnis aus über 220 europäischen Umwelt-, Agrar- und Naturschutzorganisationen hat allen Grund zum Jubeln. Mehr als eine Million Menschen unterstützen die Forderungen der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) "Bienen und Bauern retten". Prominente Unterstützung kam etwa von der Klimaaktivistin Greta Thunberg auf Twitter und auch Papst Franziskus gab der Bürgerinitiative für Bienenrettung kürzlich in Rom seinen Segen.

Artenvielfalt statt Pestizide

Die Initiative will bis 2035 synthetische Pestizide (wie z.B. die umstrittenen Neonicotinoide) verbieten lassen und damit dem Bienensterben Einhalt gebieten. Landwirtschaftliche Flächen sollen als Biotope wiederbelebt und Produktionsmethoden so gestaltet werden, dass die Landwirtschaft wieder einen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt leistet. Außerdem setzt sich das Bündnis für den Erhalt und die Förderung einer kleinteiligen, bäuerlichen Landwirtschaft ein.

Über eine Million Menschen für eine Agrarwende

Europäische Bürgerinitiativen benötigen mindestens eine Million Unterschriften, damit sich die EU-Kommission und das Europäische Parlament überhaupt mit den Forderungen der Bürger beschäftigt. 2017 hatten Umweltschutzorganisationen im Rahmen der EBI "Stop Glyphosat" innerhalb von sechs Monaten erfolgreich über 1,3 Millionen Unterschriften gesammelt und damit der Geheimhaltung von Studien der Industrie in der EU ein Ende gesetzt. Nun müssen sich die EU-Institutionen mit dem aktuellen Bürgeranliegen von einer pestizidfreien Landwirtschaft beschäftigen.

"Unsere Bürgerinitiative sendet eine klare Botschaft", sagt Helmut Burtscher-Schaden von Global 2000. "Damit wir den Zusammenbruch der Artenvielfalt noch verhindern können, sollte eine pestizidfreie Landwirtschaft in 15 Jahren das Ziel sein!"

Insektensterben von bedrohlichem Ausmaß

In Österreich geht der Insektenbestand drastisch zurück. Seit 1990 sind drei Viertel der Insekten verschwunden. Gleichzeitig sank deren Artenvielfalt um bis zu ein Drittel. Setzt sich dieser Abwärtstrend fort, leiden nicht nur insektenfressende Tierarten darunter, auch markante Ernteausfälle in der Landwirtschaft wären die Folge. Unzählige landwirtschaftliche Kulturpflanzen profitierten von Insekten als Bestäuber.

Müsste die Landwirtschaft auf die Bestäubungstätigkeit von Insekten verzichten, würden - laut Insektenatlas der Heinrich-Böll-Stiftung und Global 2000 - bei Nahrungsmitteln wie etwa Kakao, Wassermelonen oder Kürbissen Ernterückgänge von über 90 Prozent drohen. Apfel-, Kirschen- oder auch Gurkenernten würden um 40 bis 90 Prozent schrumpfen.

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Insekten wichtig für Landwirtschaft und Ernährung

Insekten leisten für Ökosysteme wertvolle Arbeit. So bestäuben sie Pflanzen, bekämpfen Schädlinge, erhalten die Bodenfruchtbarkeit, reinigen Gewässer und stellen eine Nahrungsgrundlage für andere Tiere dar. Neben dem Klimawandel und zunehmender Lichtverschmutzung werden Insekten vor allem durch die Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft in Form von Monokulturen, die nur wenigen Arten einen Lebensraum bieten, Überdüngung und steigendem Pestizideinsatz bedroht.

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"Bienen und Bauern retten" wurde von den folgenden österreichischen Organisationen unterstützt: ARGE Schöpfungsverantwortung, Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt, Biene Österreich, Global 2000, Naturschutzbund, Österreichische Berg- und Kleinbäuer_innen Vereinigung, Österreichischer Erwerbsimkerverband, Vier Pfoten.

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