Venedigs neuer Bürgermeister Simone Venturini bringt eine deutliche Erhöhung der Eintrittsgebühr für Tagesbesucher ins Spiel - und sorgt in der Lagunenstadt damit für Wirbel. "Wenn es heute zwischen fünf und zehn Euro liegt, besteht mein Vorschlag darin, es an bestimmten Tagen auf 30 bis 50 Euro anzuheben", zitierte ihn die Zeitung "Corriere della Sera".
Der 38-Jährige hat sich erst Ende Mai bei den Kommunalwahlen durchgesetzt und ist Nachfolger von Luigi Brugnaro. Bereits als Tourismusassessor hat Venturini bei der Einführung der Eintrittsgebühr mitgemischt.
Die Maßnahme wurde vor zwei Jahren eingeführt, um dem Massentourismus Herr zu werden. Wer sich frühzeitig – mindestens drei Tage vorher – ein Ticket sichert, zahlt aktuell nur fünf Euro. Wer spontan kommt, muss zehn Euro berappen. Das gilt heuer an insgesamt 60 Tagen bis Ende Juli, auch wenn man nur ein paar Stunden durch die Gassen rund um den Markusplatz oder die Rialtobrücke schlendert.
Doch die Kritik an der Eintrittsgebühr reißt nicht ab. Viele meinen, dass selbst zehn Euro kaum jemanden vom Besuch abhalten. Das zeigen auch aktuelle Zahlen der Stadt: Trotz gestaffelter Preise wählen die meisten weiterhin den regulären Tarif. Offenbar ist der Unterschied zwischen fünf und zehn Euro zu gering, um das Verhalten der Besucher wirklich zu ändern.
Venturini betont: "Mein Programm war klar: die Gebühr zu reformieren und weiterzuentwickeln." Schon im Wahlkampf hat er vorgeschlagen, das Eintrittsgeld an Tagen mit besonders vielen Tagestouristen zu erhöhen. Ganz so einfach geht das aber nicht. Laut italienischen Medien ist die Obergrenze nämlich durch ein nationales Gesetz geregelt. Deshalb muss Venturini mit Rom verhandeln.
Viele in Venedig sind alles andere als begeistert. Der ehemalige Bürgermeister Massimo Cacciari nennt die Gebühr eine "Barbarei", die die Stadt zum Museum verkommen lasse. Auch der Verfassungsrechtler Ludovico Mazzarolli äußert im "Corriere della Sera" Bedenken: 50 Euro seien kein reiner Zugangsbeitrag mehr, sondern könnten als Einschränkung der Bewegungsfreiheit gesehen werden.