Nato-Russland

"Eisernes Tor" gefürchtet: Europa rüstet sich für Krieg

Zum Ende der Sapad-Wargames übten russische Einheiten den Abschuss von Nuklearwaffen. Derweil läuft ein Nato-Großmanöver in Polen.
20.09.2025, 08:50
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Die Lage auf dem europäischen Kontinent ist so angespannt wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr: Angesichts der russischen Invasion der Ukraine und neuester Vorfälle wie russischen Drohnen im polnischen Luftraum beäugen sich die Nato-Staaten und Russland misstrauisch – und lassen militärisch die Muskeln spielen: Während weiter aufgerüstet wird, führen beide Blöcke große Militärmanöver durch.

Sapad: Russland mit nuklearer Machtdemonstration

Am Dienstag ging in Belarus ein gemeinsames Großmanöver der russischen und belarussischen Streitkräfte zu Ende. Die fünftägige Übung mit dem Namen "Sapad 2025" (Westen) umfasste 100.000 Truppen, Panzer, die Luftwaffe und die Marine. Das Ziel: Szenarien simulieren, in denen der fiktive verbündete Staat "Polessien" gegen Angriffe eines Akteurs aus dem Westen verteidigt wird – historisch bezeichnet der Name auch ein Gebiet, das Teile von Polen und der Ukraine umfasst.

Auch die nuklearen Streitkräfte waren an Sapad beteiligt, wobei laut dem belarussischen Generalstabschef der Abschuss der nuklearwaffenfähigen "Oreschnik" geübt wurde. Russland setzte die Hyperschallrakete 2024 erstmals im Krieg gegen die Ukraine ein. Das Sapad-Manöver war von den Nato-Staaten mit besonderer Anspannung verfolgt worden, weil nur Tage zuvor russische Drohnen in den polnischen Luftraum eingedrungen waren, die einen Stützpunkt des Militärbündnisses zum Ziel gehabt haben sollen.

"Iron Gate": Übung an der "Achillesferse" der Nato

Als Reaktion auf Sapad, das teils in nur etwa 30 Kilometer von der Nato-Grenze entfernten Kasernen stattgefunden hat, üben auch Nato-Truppen schon seit Ende August ein Szenario, das laut Militärplanern droht: "Eisernes Tor" umfasst 30.000 Soldaten, über 600 Panzer, Kampfjets und Helikopter und soll noch bis Ende September andauern.

Das Manöver findet auf einem Übungsgelände bei Olsztyn statt, etwa 100 Kilometer von der Stadt Suwałki. Das Gebiet in Nordostpolen gilt als die "Achillesferse" der Nato-Grenze in Europa: Luftlinie trennen gerade einmal 85 Kilometer die russische Exklave Kaliningrad vom Kreml-Verbündeten Belarus. Auf genau diese Lücke sollen Putins und Lukaschenkos Soldaten bei Sapad laut dem polnischen Militär den Angriff geübt haben.

Neue Mini-Nato in Nordeuropa?

Polen und das Baltikum sind nicht die einzigen Nato-Länder, die an Russland oder dessen Exklaven grenzen. Auch die skandinavischen Länder bereiten sich auf drohende Konflikte mit Russland vor und scheinen dabei auf Unabhängigkeit bedacht: Dänemark führte zuletzt eines der größten je in Grönland abgehaltenen Militärmanöver durch – und lud dabei ausgerechnet den Nato-Titan USA aus, dessen Präsident so mit der Insel liebäugelt.

"Wir arbeiten mit Kollegen der US-amerikanischen Pituffik Space Base zusammen, aber sie wurden nicht mit Einheiten zu dieser Übung eingeladen", sagte Soren Andersen, der Kommandant der dänischen Arktis-Streitkräfte, gegenüber Reportern. Die Übung umfasste stattdessen auch Soldaten aus Norwegen, Schweden, Frankreich und Deutschland. Zudem hat das Land am Donnerstag verkündet, erstmals Langstreckenwaffen wie Raketen und Drohnen zu kaufen, um gegen mögliche russische Angriffe gewappnet zu sein.

Auch in Finnland findet Ende September eine Militärübung statt, die sich direkt gegen eine mögliche Bedrohung aus Russland richtet: Das vom 22. bis zum 26. September stattfindende "Protective Fence"-Manöver (Schutzzaun) umfasst laut dem Verteidigungsministerium große Teile der finnischen Luftwaffe und insgesamt 1.200 Truppen aus Finnland, Schweden und Dänemark.

Schweizer Armee: Auslandsübung und Beschaffungsprobleme

Wie angespannt die Sicherheitslage in Europa derzeit ist, zeigte auch "Trias 25". Bei der größten Auslandsübung seit 30 Jahren trainierten rund 1.000 Soldaten der Schweizer Armee gemeinsam mit 140 Kameraden aus Österreich und Deutschland. Kritik am Militärmanöver gab es von der SVP – dies sei ein erster Schritt zur Teilnahme an Nato-Übungen. Sie fordert eine Armee, die sich eigenständig verteidigen kann, auch gegen moderne Bedrohungen.

Derweil kämpft das VBS seit Jahren mit diversen Beschaffungsproblemen bei neuen Projekten: So wurde das Drohnensystem ADS-15 erstmals Anfang September bei einer Übung eingesetzt – eigentlich sollten die israelischen Hermes-Drohnen schon seit 2019 bei der Armee im Einsatz stehen. Bei der Beschaffung des neuen F-35-Kampfjets setzt die Schweiz nach dem Fixpreis-Debakel darauf, die Stückzahl verringern zu können.

Drohnen und Kampfjets – beide Kampfmittel spielen in modernen Konflikten entscheidende Rollen. Und auch bei einer weiteren Waffengattung, die in Zeiten des Raketen- und Drohnenkriegs unverzichtbar ist, steht die Schweiz derzeit schlecht oder gar unbewaffnet da. So sollte die Luftabwehr ursprünglich bis 2020 erneuert werden, 2016 wurde das Projekt aber sistiert und durch das "Air2030"-Konzept ersetzt.

Das erste deutsche Iris-T-System soll Ende 2028 geliefert werden, wann die ersten Tests erfolgen werden, ist noch unklar. Bleibt also zu hoffen, dass es bis dahin bei mysteriösen Drohnenüberflügen bleibt, wie sie zuletzt über Schweizer Waffenplätzen auftreten, und nicht zu Fällen wie in Polen – Verteidigungsminister Pfister sagte zuletzt, dass die russischen Drohnen mit den derzeitigen Mitteln der Schweizer Armee nicht abgeschossen hätten werden können.

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