Klein, aber oho: Der Mars, halb so groß wie die Erde, spielt laut US-Forschern eine Schlüsselrolle für unser Klima. Seine Schwerkraft beeinflusst nicht nur die Erdumlaufbahn, sondern auch deren Neigung und Position zur Sonne - mit massiven Folgen.
Wie das? Laut einer aktuellen Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Publications of the Astronomical Society of the Pacific", zieht der Mars "unmerklich" an der Erdumlaufbahn. Dadurch prägt er Klimazyklen, die unsere Wettermuster über Jahrmillionen bestimmen.
Die sogenannten Milankovitch-Zyklen - benannt nach dem serbischen Mathematiker Milutin Milanković - beschreiben Schwankungen der Erdumlaufbahn und -neigung. Diese beeinflussen, wie viel Sonnenlicht die Erde erhält. Das wiederum löst Eiszeiten aus - oder verhindert sie. Hauptverursacher: eigentlich Venus und Jupiter. Doch neue Simulationen zeigen: Auch der Mars hat ordentlich mitzumischen.
"Wenn man Mars aus der Rechnung streicht, verschwinden zwei entscheidende Klimazyklen - einer dauert 10.000, der andere 2,3 Millionen Jahre", erklärt Studienleiter Stephen Kane von der University of California. Diese Zyklen verändern die Exzentrizität der Erdumlaufbahn, den Zeitpunkt der Sonnennähe und die Neigung der Erdachse. Und genau das bestimmt, wie stark die Sonne auf bestimmte Erdregionen einstrahlt - und ob sich Gletscher ausbreiten oder zurückziehen.
Warum wirkt ein so leichter Planet wie der Mars so stark? Die Antwort liegt in seiner Position. "Je weiter ein Planet von der Sonne entfernt ist, desto größer ist sein gravitativer Einfluss auf die Erde", so Kane. Der Mars sei somit ein unterschätzter Stabilitätsfaktor, erklärt der Forscher.
Lange ging man davon aus, dass nur der Mond unsere Erdachse stabil hält. Doch neue Modelle zeigen: Auch der Mars trägt entscheidend dazu bei. Das könnte bedeuten, dass selbst Planeten ohne großen Mond stabile Klimabedingungen haben - eine wichtige Info für die Suche nach bewohnbaren Exoplaneten.
Kane bringt es auf den Punkt: Ohne Mars - kein Klima, wie wir es kennen. Keine Eiszeiten, keine Savannen, keine Werkzeuge. "Wie würden Menschen überhaupt aussehen, wenn es den Mars nicht gäbe?", fragt er.