Ärger am Parkett! Kurz vor Beginn der Europameisterschaft wollten die ÖHB-Herren im Test gegen Tschechien Sicherheit gewinnen – stattdessen warf die 29:30-Niederlage vor 2.500 Zuschauern am 6.1 in der Sport Arena Wien neue Fragen auf. Vor allem in zentralen Bereichen zeigte das Team von Neo-Trainer Iker Romero, dass der aktuelle Stand noch nicht dem angestrebten Niveau entspricht. "Heute" hat den Status-Quo des ÖHB-Teams kurz vor dem Start der Euro analysiert.
Schon auf den ersten Blick war erkennbar, dass Teamchef Iker Romero, der das Amt im November von Ales Pajovic übernommen hat, dem Team rasch seine Handschrift vermitteln will. Im defensiven Positionsspiel präsentierten sich die ÖHB-Herren über weite Strecken kompakt, doch in den Umschaltmomenten offenbarten sich deutliche Defizite. Nach Ballverlusten und bei Tempo-Gegenstößen fehlte es wiederholt am konsequenten Rückzug, was Tschechien zu zahlreichen einfachen Toren einlud.
Entsprechend deutlich wurde Romero in der zweiten Halbzeit, als er in einer Auszeit lautstark reagierte. Abwehrchef Lukas Herburger zeigte im Gespräch mit "Heute" dafür Verständnis und benannte die Ursachen klar: "Rückzug ist reine Kopfsache. Wir hatten uns in der Halbzeit ausgemacht, dass wir alle Abpraller holen, doch das wurde absolut nicht umgesetzt. Deshalb ist er auch zu Recht ausgezuckt und hat uns zusammengeschissen." Generell haderte der 31-Jährige mit der Einstellung als Gruppe: "Es kann nicht sein, dass Tschechien bei einem Heimspiel emotional lauter ist als wir. Das darf nicht noch einmal passieren.“
Auffällig war zudem die veränderte Ausrichtung im Angriff. Während Ales Pajovic häufig auf das 7 gegen 6 ohne Torhüter Constantin Möstl setzte, agierte Österreich gegen Tschechien durchgehend im klassischen 6 gegen 6. Eine bewusste Entscheidung, wie Linkaußen Sebastian Frimmel erklärte: "Wir wollen in Zukunft auch in dieser Formation erfolgreicher sein und Lösungen finden. Ob sich das im Laufe des Turniers noch mal ändern wird, kann ich nicht sagen. Man muss aber auch festhalten, dass wir genug freie Würfe hatten. Am System lag es jedenfalls nicht."
Tatsächlich funktionierten einige Abläufe bereits gut. Vor allem die Anspiele von Mykola Bilyk und Lukas Hutecek auf Kreisläufer Tobias Wagner, der mit zehn Treffern bester Werfer war, führten wiederholt zum Erfolg. Auch Frimmel selbst profitierte von präzisen Zuspielen Bilyks und kam auf vier Tore. Dennoch blieb die Offensive insgesamt zu fehleranfällig. Technische Fehler und ungenutzte Abschlussphasen verhinderten längere Läufe, zudem wurde nahezu jeder eigene Treffer durch schnelle Gegentore im Tempo-Gegenstoß sofort relativiert.
Dass sich die Mannschaft in mehreren Bereichen steigern muss, stellte auch Teamchef Iker Romero klar. Der Baske sprach nach dem Test von einem notwendigen Lernprozess: "Wir müssen aus diesem Spiel lernen, nur so können wir auf Dauer erfolgreich sein."
Die nächste Möglichkeit zur Korrektur bietet sich am Freitag beim letzten Test, dem Vier-Nationen-Turnier in Frankreich. Dort trifft Österreich um 21.10 Uhr auf den amtierenden Europameister, je nach Ausgang wartet am Sonntag Island oder Slowenien.
Anschließend geht es weiter nach Herning (Dänemark), wo bei der Europameisterschaft eine anspruchsvolle Gruppenphase bevorsteht. Mit Deutschland, Spanien und Serbien wartet eine der stärksten Vorrundengruppen des Turniers, nur die ersten beiden Teams erreichen die Hauptrunde. Der EM-Auftakt erfolgt am Donnerstag, dem 15. Jänner, um 20.30 Uhr gegen Deutschland. Für den ÖHB ist spätestens dann die Stunde der Wahrheit angebrochen.