Kroatischer Songwriter

"Ende der Party" – Baby Lasagna schreibt offenen Brief

Mitten im Redaktionsalltag ploppt eine Mail auf. Absender: Baby Lasagna. Woher er unsere Adresse hat? Keine Ahnung. Der Inhalt aber ist klar.
Heute Entertainment
19.02.2026, 09:05
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Nach zwei Jahren im absoluten Ausnahmezustand drückt Baby Lasagna auf Pause. Nicht, weil der Erfolg ausgeblieben wäre – ganz im Gegenteil. Eurovision-Durchbruch, weltweite Viralität, Debütalbum "Dmns&Mosquitoes", ausverkaufte Europa-Tour: Der kometenhafte Aufstieg ist passiert. Und genau darauf reagiert der kroatische Musiker jetzt bewusst mit einem Gegenentwurf.

Mitten im ganz normalen Redaktionsbetrieb erreicht uns plötzlich eine E-Mail. Kein Label, kein Management, kein Verteiler. Absender: Baby Lasagna. Woher er unsere Mailadresse hat? Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Der Inhalt aber ist eindeutig – und bemerkenswert persönlich.

Der Sänger will uns ein neues Lied vorstellen: Der neue Song heißt programmatisch "End The Party" und markiert den Beginn eines neuen Kapitels, das weniger mit Feiern als mit Hinterfragen zu tun hat. Statt den eigenen Hype weiter anzufeuern, zerlegt Baby Lasagna ihn.

Er will so nicht mehr weitermachen

Musikalisch ist das sein bisher intensivstes und introspektivstes Material. Eine Rückkehr zu jenem Alternative- und Metal-Sound, der ihn schon seit Schulzeiten geprägt hat.

Doch es geht um mehr als Stil. "End The Party" ist ein persönlicher Showdown. In den Lyrics rechnet Marko offen mit sich selbst ab, spricht über den mentalen Zustand nach dem Erfolg, über Ego, Materialismus und die Angst, zu genau dem zu werden, was er früher verspottet hat: größenwahnsinnig, eitel, hedonistisch. Der Song funktioniert wie eine öffentliche Warnung an sich selbst – schonungslos, unbequem, ehrlich.

Passend dazu ist auch das Musikvideo ein Statement. Regie führte erneut seine Ehefrau Elizabeta. Es ist das bislang aufwendigste Projekt seiner Karriere und gleichzeitig das letzte dieser Art. Besonderheit: Fans, darunter Mitglieder offizieller Fanclubs, wirken als Statisten mit. Die Grenze zwischen Künstler und Publikum verschwimmt, genau wie im Song die Linie zwischen Selbstkritik und Beichte.

"Ich sage oft, dass dies das größte und anspruchsvollste Video bisher ist, aber diesmal stimmt es ganz besonders", erklärt Baby Lasagna. "Danach fahren wir die Produktion zurück und kehren zu einem kreativen, DIY-orientierten Ansatz zurück."

Nach dem bewusst vielseitigen Album "Dmns&Mosquitoes" ist die neue Richtung klar: zurück zu den "weird kids in black". "Seit der Volksschule waren wir die Kinder in Schwarz, mit schrägen Shirts. Jetzt leben wir das wieder komplett aus", sagt Marko.

Humor und Ironie bleiben Teil seiner Handschrift, doch der Sound wird schwerer, direkter. Die Spannung zwischen Selbstironie und Selbstkritik soll weiterhin das Zentrum seiner Songs bilden. Wie schon bei früheren Releases wie "Don’t Hate Yourself But Don’t Love Yourself Too Much", "IG Boy" oder "Bigge Boom Boom".

Baby Lasagnas Geschichte bleibt eine der ungewöhnlichsten ESC-Erfolgsgeschichten der letzten Jahre: Ein alternatives Außenseiterprojekt, das nicht durch Anpassung an den Mainstream groß wurde, sondern gerade durch seine Eigenheit. Vom Internet-Kult zum internationalen Act mit treuer Fan-Community und jetzt der bewusste Schritt zurück nach innen.

Dass diese Neuausrichtung nicht über Hochglanz-Presseaussendungen, sondern über eine direkte Mail an Redaktionen kommuniziert wird, passt ins Bild. Baby Lasagna war nie das typische ESC-Produkt – und bleibt es auch jetzt nicht. Die Party ist vorbei. Zumindest die, die andere von ihm erwartet hätten.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 19.02.2026, 09:09, 19.02.2026, 09:05
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