Große Sorge in Tirol: genau wie sein Bruder Benedikt (8) sieht der junge Sebastian (3) nur zwischen 5 und zehn Prozent von dem, was andere Kinder in seinem Alter sehen. Um sich dennoch in der Welt zurechtzufinden, nehmen die beiden die Frühförderung des Blinden- und Sehbehindertenberbaneds Tirol wahr. Wegen finanziellen Problemen droht hier jedoch bald eine Katastrophe.
Als Benedikt erst wenige Wochen alt war, bemerkten seine Eltern: Ihr Kind sieht bei weitem nicht so gut wie andere Babys. "Er hat an Menschen vorbeigeschaut, Dinge oft nicht anvisiert, hatte sichtlich Mühe damit, Menschen oder Gegenstände zu erkennen", erinnert sich seine Mama Brigitte.
Untersuchungen ergaben dann: Aus unerklärlichen Gründen sieht Benedikt deutlich schlechter als andere Kinder. "Im ersten Augenblick waren wir sehr besorgt und ratlos", schildert die Tirolerin. Für den kleinen Benedikt hieß es von da an Lernen – Grob- und Feinmotorik, Hand-Auge-Koordination und vieles mehr.
Ein wahrer Lichtblick in dieser Situation war Gabriela Weiser von der Frühförderung im Blinden- und Sehbehindertenverband Tirol (BSVT). "Einmal in der Woche war Gabi bei uns zu Hause, um Benedikt die Welt auf unterschiedlichste Art näherzubringen."
Mit einem Sack voller außergewöhnlicher Spielsachen half sie, den heute achtjährigen Jungen zu fördern und zu unterstützen. Noch ahnte die Familie nicht, dass Gabi ein noch wichtigerer Teil ihres Lebens werden würde.
Benedikt platzte fast vor Stolz, als er erfuhr, dass er ein Geschwisterkind bekommen würde. "Zunächst waren wir bei ihm nicht besorgt, dass auch er eine Sehbehinderung haben könnte", so die Eltern – doch auch bei Brüderchen Sebastian merkten sie irgendwann: Das Sehvermögen ist deutlich eingeschränkt.
Auch hier kam Gabi zum Einsatz, sie half jetzt beiden Kindern und wurde noch mehr zur heiß geliebten Hilfe. Mittlerweile ist Benedikt bereits in der Schule, Sebastian hat Gabi ganz für sich allein. Doch über all dem schwebt eine dunkle Wolke.
Wegen fehlender Gelder könnte der BSVT langsam, aber sicher an seine Grenzen stoßen. Wie der Verein in einer Aussendung warnt, könnte es bald zu Wartelisten für betroffene Kinder kommen. Die Versorgung von vier Kindern sei derzeit akut gefährdet – Säuglinge und Kleinkinder, die auf Unterstützung angewiesen sind, könnten ohne Förderplatz dastehen. "die bereits bestehenden Betreuungen sind nicht betroffen", erklärt Geschäftsführer Wilhelm Zwirner gegenüber "Heute".
Ein Hoffnungsschimmer zeichnet sich ab: Eine Fachkraft steht bereit, um sofort als Frühförderin zu beginnen. Mit der sofortigen Anstellung ließe sich die drohende Warteliste noch abwenden.
Mit dem Projekt "Soforthilfe für blinde und sehbehinderte Kinder in Tirol" hat der BSVT eine Fundraising-Initiative ins Leben gerufen, um die Versorgung der Kinder sicherzustellen und eine erstmalige Warteliste zu verhindern. Mit 30.000 Euro kann eine neue Frühförderin inklusive fachspezifischer Fortbildung für dieses Jahr finanziert werden – und damit die Betreuung aller aktuell betroffenen Kinder für heuer gewährleistet werden.