In Embervale wartet keine Welt, die du einfach nur durchquerst und am Ende wieder vergisst. Du kämpfst dich durch gefährliche Gebiete, suchst nach Rohstoffen, verbesserst deine Ausrüstung und baust dir einen Ort, an den du zurückkehren kannst. Diese Verbindung aus Erkundung, Rollenspiel und kreativem Bauen fesselte uns in "Enshrouded" bereits mehrmals im Early Access. Das deutsche Entwicklerstudio Keen Games hat das Survival-Action-Rollenspiel nach mehr als zwei Jahren Entwicklungszeit nun fertig für die Vollversion am 15. Oktober 2026. Sie erscheint für PC und erstmals auch für PlayStation 5. Und das Spiel ist im Early Access ordentlich gewachsen – mit acht großen Updates, 14 Patches und 42 Hotfixes.
Das Herzstück des Spiels ist die Welt Embervale. Sie verbindet unterschiedliche Landschaften mit Ruinen, versteckten Orten und gefährlichen Gebieten. Du erkundest die Umgebung, sammelst Materialien und suchst nach Wegen, um weiter in die Spielwelt vorzudringen. Dabei geht es nicht allein darum, immer stärkere Gegner zu besiegen. Viele Fortschritte hängen auch davon ab, welche Rohstoffe du findest und wie du deine Ausrüstung und deine Basis weiterentwickelst. Mit Version 1.0 ist die Weltkarte vollständig erschlossen. Das neue Biom Glimmkessel ergänzt die bisherigen Regionen um schwebende Inseln, antike Ruinen und Lavaadern. Der Höhenunterschied macht die Umgebung zu einem eigenen Erkundungsgebiet.
Zusätzliche Orte in bereits bekannten Biomen sorgen dafür, dass auch frühere Gebiete noch einmal einen Besuch wert sind. Die Erweiterung ist vor allem für Spieler wichtig, die bereits viel Zeit in Embervale verbracht haben. Statt nur einzelne Aufgaben nachzuschieben, ergänzt das Update die Welt um eine neue Region und führt das bisherige Abenteuer weiter. Gleichzeitig steigt der Anspruch. Neue Gegner und zusätzliche Hallen der Erloschenen bringen weitere Herausforderungen, während das höhere Levelmaximum mehr Entwicklungsspielraum schafft. "Enshrouded" setzt auf die Kombination aus Erkundung, Ressourcen und Bauprojekten. Wer einen neuen Ort entdeckt, kann Materialien finden, die beim Ausbau der Möglichkeiten helfen.
Eine der wichtigsten Stärken von "Enshrouded" ist das Bausystem. Die Spielwelt besteht aus Voxeln. Vereinfacht gesagt, setzt sich die Umgebung aus vielen kleinen Bausteinen zusammen, die sich bearbeiten lassen. Dadurch beschränkt sich das Bauen nicht darauf, vorgefertigte Wände und Dächer nebeneinanderzustellen. Du kannst Gelände verändern, Räume in Berghänge schlagen, bestehende Ruinen wiederherstellen oder größere Siedlungen anlegen. Das eröffnet mehr Spielraum als ein System, bei dem du lediglich einen Bauplatz auswählst und ein fertiges Gebäude aufstellst. Du bestimmst, wie deine Basis aussieht und wie sie sich in die Umgebung einfügt. Aus einer Unterkunft wird mit der Zeit eine einzigartige Festung.
Die Kehrseite dieser Freiheit ist der Zeitaufwand. Du brauchst Materialien, musst deine Bauvorhaben planen und immer wieder Ressourcen beschaffen. Wer sich für das Bauen nicht interessiert, wird einen wesentlichen Teil des Spiels links liegen lassen. Mit Version 1.0 erhält dieser Bereich allerdings zusätzliche Möglichkeiten. Das Funkenwerk-System erweitert die Interaktivität und erlaubt es, komplexere Konstruktionen zu entwerfen. Damit sind nicht nur dekorative Basen möglich, sondern auch interaktive. Über Adventure Sharing können solche Kreationen mit anderen Spielern geteilt werden. Wie viel daraus entsteht, hängt letztlich davon ab, welche Ideen die Community umsetzt und wie gut diese funktionieren.
Auch kleinere Verbesserungen helfen im Alltag. Truhen lassen sich nun frei benennen und müssen beim Aufwerten nicht mehr ersetzt werden. Wer viele Materialien sammelt, profitiert davon, wenn sich Lagerplätze übersichtlich organisieren lassen. Beim Bauen kommt außerdem die Funktion Airborne Architect hinzu, mit der du während der Arbeit um deine Basis fliegen kannst. Das erleichtert den Blick auf größere Konstruktionen und macht das Platzieren von Bauteilen flexibler. Neben dem Bauen bildet das Kampfsystem die zweite große Säule des Spiels. "Enshrouded" verbindet Action mit Rollenspiel-Elementen und bietet unterschiedliche Wege, einen Charakter zu entwickeln.
Der umfangreiche Skill-Baum deckt Nahkampf, Fernkampf und Magie ab. Du musst dich nicht dauerhaft auf eine einzige Klasse festlegen, sondern kannst deine Fähigkeiten nach und nach an deinen bevorzugten Spielstil anpassen. Das ist besonders hilfreich, wenn du im Verlauf des Abenteuers neue Waffen oder Ausrüstungsgegenstände findest und deinen Charakter anders ausrichten möchtest. Wer Gegner lieber aus der Distanz angreift, kann den Fernkampf stärker berücksichtigen. Wer sich dem Kampf direkt stellt, kann seine Entwicklung in Richtung Nahkampf lenken. Magie bietet eine weitere Möglichkeit, mit Gefahren umzugehen. Die Vollversion ergänzt das System um neun neue Zauber und Magie-Überarbeitungen.
Auch beim Fernkampf gibt es mehr Möglichkeiten zur Anpassung. Neue Animationen und eine überarbeitete Kamera sorgen dafür, dass sich die Auseinandersetzungen stimmiger anfühlen. Das neue Biom Glimmkessel erhöht den Anspruch zusätzlich. Dort warten weitere Gegner und neue Herausforderungen, die zum höheren Fortschritt im Spiel passen. Das maximale Charakterlevel steigt auf 50, während Ausrüstung nun bis Level 55 verbessert werden kann. Die größere Auswahl an Fähigkeiten bringt aber auch eine gewisse Komplexität mit sich. Wer sich nicht gerne mit Talentbäumen und Ausrüstung beschäftigt, muss sich zunächst zurechtfinden. Der Vorteil ist aber, dass du nicht von Beginn an eine einzige Richtung wählen musst.
Mit der Vollversion endet die Hauptgeschichte von "Enshrouded". Die Handlung dreht sich um den Untergang Embervales und die Frage, wie die zerstörte Welt eine Zukunft bekommen kann. Eine Änderung betrifft die Vertonung. Dialoge der Überlebenden und die Lore-Notizen sind nun vollständig auf Englisch, Deutsch und Mandarin-Chinesisch eingesprochen. Die Lore-Notizen vermitteln Hintergrundwissen über die Welt und ihre Vergangenheit. Wer sich bisher durch viele Texte arbeiten musste, kann diese Informationen nun auch anhören. "Enshrouded" lässt sich übrigens allein oder im Koop spielen. Gerade das gemeinsame Erkunden und Bauen bietet sich an, weil die Welt riesig ist und die Aufgaben vielfältig sind.
Auf dem PC können bis zu 16 Personen zusammenspielen, auf der PlayStation 5 liegt die Grenze bei acht Personen. Wer lieber alleine in Ruhe an einem Bauprojekt arbeitet oder die Welt im eigenen Tempo entdecken möchte, kann das ebenfalls tun. Auch technisch legt Version 1.0 nach. Mit dem neuen Brick-Renderer werden Gelände und Gebäude in der Entfernung detaillierter dargestellt. Weit entfernte Bereiche wirken klarer, während die überarbeitete Beleuchtung und neue Umgebungseffekte die einzelnen Biome stärker voneinander abheben. Licht und Schatten wurden ebenfalls neu gestaltet. Da jede Region eigene Umgebungseffekte erhält, wird die Atmosphäre stärker an die jeweilige Landschaft angepasst.
Auf der PlayStation 5 stehen mehrere Grafikmodi zur Wahl. Auf der normalen PS5 kannst du zwischen dem Performance-Modus mit 60 Bildern pro Sekunde und dem Qualitätsmodus mit 30 Bildern pro Sekunde wechseln. Der erste setzt auf eine höhere Bildrate, der zweite auf die Bildqualität. Auf der PS5 Pro gibt es einen eigenen Modus mit 60 Bildern pro Sekunde, der Leistung und Bildqualität mithilfe von PSSR 2.0 kombiniert. Zusätzlich unterstützt die Konsolenversion haptisches Feedback und adaptive Trigger. Der Controller begleitet dadurch unterschiedliche Aktionen mit verschiedenen Widerständen und Rückmeldungen, etwa beim Spannen eines Bogens oder beim Einsatz einer schweren Waffe.
Neben den großen Neuerungen hat Keen Games zahlreiche kleinere Änderungen eingebaut. Der Einstieg wurde neu gestaltet und bietet ein angepasstes Tempo, andere Belohnungen und neue Freischaltungen für Rezepte. Das soll neuen Spielern den Zugang erleichtern und die ersten Stunden klarer strukturieren. Auch die automatische Beuteaufnahme gehört zu den Änderungen. Wenn du die entsprechende Taste gedrückt hältst, werden lose Gegenstände in deiner Umgebung eingesammelt. Das spart einzelne Handgriffe und verhindert, dass du nach einem Kampf jedes Objekt separat aufnehmen musst. Gerade bei längeren Ausflügen, in denen viele Materialien zusammenkommen, kann das den Ablauf angenehmer machen.
Mit Version 1.0 macht "Enshrouded" den Schritt vom Early Access zur Vollversion. Das Spiel verbindet eine von Hand gestaltete Fantasy-Welt mit einem flexiblen Bausystem, Rollenspiel-Elementen und kooperativen Möglichkeiten. Die neue Region Glimmkessel erweitert das Abenteuer, das höhere Levelmaximum schafft zusätzliche Ziele und die abgeschlossene Hauptgeschichte gibt dem bisherigen Verlauf einen erzählerischen Rahmen. Besonders interessant ist die Verbindung aus Erkundung und Bauen. Du sammelst nicht nur Materialien, um stärker zu werden, sondern kannst mit ihnen auch die eigene Umgebung verändern. Das Funkenwerk-System und Adventure Sharing gehen noch einen Schritt weiter.
Nicht jeder wird mit dem Konzept gleichermaßen glücklich. Wer vor allem eine straff erzählte Geschichte oder schnelle, unkomplizierte Kämpfe sucht, könnte sich an den vielen miteinander verknüpften Systemen stören. "Enshrouded" verlangt Zeit für Erkundung, Materialsuche, Charakterentwicklung und den Aufbau einer Basis. Genau darin liegt für Fans des Genres aber auch der Reiz: Es gibt mehrere Gründe, in die Welt zurückzukehren, und unterschiedliche Möglichkeiten, den eigenen Fortschritt zu gestalten. Lohnt sich der Einstieg? Ja, denn "Enshrouded" fesselt, auch wenn man selbst nicht der größte Rollenspiel-Fan ist. Die Systeme greifen gut ineinander und spielerisch ist man selten so frei.
"Enshrouded" hat der lange Early Access sicht- und spielbar gutgetan. Neue Gebiete, ein erweitertes Kampfsystem, eine vertonte Geschichte und zusätzliche Bauwerkzeuge ergänzen die bisherigen Stärken. Vor allem das flexible Bauen und die Verbindung von Erkundung und Fortschritt geben dem Spiel ein eigenes Profil. Wer sich gerne langfristig in einer Fantasy-Welt einrichtet, sie Stück für Stück erschließt und gemeinsam mit anderen an eigenen Projekten arbeitet, findet hier ein Game, das Spieler einfach nicht mehr loslassen will. Wer dagegen möglichst schnell von einer Storymission zur nächsten möchte, muss sich auf ein langsameres, stärker selbst bestimmtes Abenteuer einstellen.