Als die Leibwächter von Ayatollah Khamenei, dem obersten geistlichen und weltlichen Führer der Islamischen Republik Iran, Samstagfrüh in der Pasteurstraße in Teheran zur Arbeit erschienen, war Israel live dabei.
Seit Jahren hatte sich der israelische Geheimdienst Mossad in das Verkehrsüberwachungs-Kamerasystem (CCTV) der iranischen Hauptstadt eingehackt. Auch die Handymasten rund um Khameneis Arbeitsplätze und Wohnsitze waren unter Kontrolle der Israelis.
So konnte der Mossad praktisch alle Bewegungen von dem Regime zugeordneten Fahrzeugen auf den Straßen Teherans in Echtzeit beobachten. Eine der Kameras hatte genau die Parkplätze im Blick, an denen Khameneis Leibwächter ihre Wagen parkten. So auch an jenem Samstag, den 28. Februar, also Khameneis Bodyguards ihre Autos vor einem Nebengebäude des Regierungskomplexes im Zentrum Teherans parkten.
Als Khamenei dann in Begleitung seiner Bodyguards am Samstag zum Frühstück einen seiner Bunker verließ, wusste man in Jerusalem sofort Bescheid. Da Angriffe normalerweise im Schutz der Nacht erfolgen, schöpfte der iranische Führer keinen Verdacht.
Dazu kommt, dass Israel auch dutzende Handymasten im Umfeld des Regierungskomplexes gehackt und somit unter Kontrolle hatte, so der Bericht der "Financial Times". Im konkreten Fall bedeutete das, das bei sämtlichen Anrufen auf Handys der Personenschützer ein "Besetzt"-Signal ertönte.
Khamanei war völlig ahnungslos, als um 9.10 Uhr Ortszeit mehrere Raketen in das Nebengebäude des Regierungskomplexes im Norden der Stadt einschlug – der Ayatollah hatte keine Chance. Mit ihm starben auch seine Tochter, der Schwiegersohn und eine Enkelin, wie Staatsmedien gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters später bestätigten.
Bei Raketentreffern auf das Hauptgebäude starben laut US-Präsident Trump insgesamt 49 überwiegend hochrangige Militärs und Politiker, die sich zu einer Besprechung der Sicherheitslage versammelt hatten. Darunter der Verteidigungsminister, der Kommandeur der Iranischen Revolutionsgarden und viele andere.
Mit diesem unglaublich wirkungsvollen Überraschungsangriff, der in die Geschichte eingehen wird, begann der nun bereits den vierten Tag andauernde Iran-Krieg.
Verantwortlich für den Erfolg ist Israels hochmoderne Fernmeldeaufklärungseinheit 8200 ("Unit 8200") sowie Informanten des Mossad in Teheran, wie die "Financial Times" berichtet. Die Bilder der Teheraner Kameras wurden verschlüsselt an einen Server in Israel übertragen. Mit Hilfe von KI-unterstützter Netzwerkanalyse wurden dort laufen Milliarden an Informationen ausgewertet und zusammengeführt, um Zielpersonen zu verfolgen. Das ganze erfolgte in engem Austausch mit dem US-Geheimdienst CIA.
So erstellte Israel seit Jahren genaue Bewegungsprofile. Der Mossad kannte die Adressen, Arbeitszeiten und Arbeitswege der Personenschützer – und somit auch die Aufenthaltsorte der wichtigsten Führungspersonen des Irans.
"In der israelischen Geheimdienstkultur ist die Zielaufklärung der wichtigste taktische Aspekt – sie dient der Strategieentwicklung", erklärt der seit 25 Jahren im israelischen Geheimdienst tätige Brigadegeneral der israelischen Militärreserve, Itai Shapira. "Wenn der Entscheidungsträger beschließt, dass jemand getötet werden soll, gilt in Israel die Devise: 'Wir liefern die Zielaufklärung'", so Shapira zur "Financial Times".
"Wir kannten Teheran so gut wie Jerusalem", zitiert die "Financial Times" einen israelischen Geheimdienstmitarbeiter. "Und wenn man einen Ort so gut kennt wie die Straße, in der man aufgewachsen ist, fällt einem sofort etwas auf, das nicht dorthin gehört."
Mit dem überraschenden Ausschalten der iranischen Führungsspitze gelang den Israelis das fast unmögliche. Hätte der Krieg mit "gewöhnlichen" Schlägen gegen militärische Verteidigungsanlagen begonnen, wäre die iranische Führung wohl kaum noch aus ihren Bunkern gekommen, schlussfolgert die US-Zeitung.
So jedoch ging Ayatollah Ali Khamenei in den Augen seiner Anhänger als "Märtyrer" in die Geschichte ein – genau so, wie es sich der 86-jährige zu Lebzeiten laut Iran-Experten stets gewünscht hatte.