Social-Media-Star

Er mischt Klassikwelt auf: "Wie David Garrett am Cello"

Er war Lehrer, bevor er mit Superstars wie Andrea Bocelli und Anastacia spielte und 18 Millionen Follower anzog. Am 3.12. kommt Jodok Cello nach Wien.
20.10.2026, 06:00
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Er ist auf einem Bauernhof in der Schweiz aufgewachsen und war bis vor kurzem noch hauptberuflich Lehrer, daneben machte er Musik. Inzwischen ist Jodok Vuille als Jodok Cello zum Social-Media-Star mit über 18 Millionen Followern avanciert.

"Ich habe sieben Jahre klassische Musik studiert, dann ist Corona gekommen und ich hatte keine Konzerte mehr. Ich habe ein neues Konzept gesucht: Das klassische Cellospiel, verbunden mit kommerziellen Welthits. Was ich mache, ist eigentlich David Garrett am Cello", erklärt der 38-Jährige im "Heute"-Gespräch.

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Schüler beschleunigten seine Karriere

"Ich bin nicht ganz so hübsch wie er, ich muss es mit meinen Schweizer Werken kompensieren", kokettiert der Künstler, der mit seinem klassischen Instrument Welthits von Dua Lipa, Taylor Swift, Ed Sheeran, Michael Jackson, Coldplay, Hans Zimmer, uvm. interpretiert.

Vor der Pandemie "war ich auch vorher glücklich, ich war Musik- und Sportlehrer in einem kleinen Dörfchen." Jodok Cello begann zum Spaß Videos zu machen, in denen er zum Beispiel vor imposanter Bergkulisse musiziert, zuerst für YouTube, im Format 16 zu 9. "Bis einmal eine Gruppe von Jungs zu mir kam und sagte, was Sie da machen, ist schon okay, aber YouTube ist für alte Menschen. Wenn Sie etwas wirklich Cooles machen möchten, müssen Sie das vertikal machen – für Snapchat, TikTok und Insta."

Hollywoodstar machte ihn berühmt

Der 38-Jährige gibt zu: "Ich habe sie zuerst ausgelacht. Und dann habe ich gecheckt, dass ich als Cello-spielender Mensch viel besser in dieses Frame passe." Mit seinem ersten Versuch – ein 15-Sekunden-Video vom Song "Crazy" – ging über Nacht viral und schaffte alleine sechs Millionen Views auf Instagram. Als dann noch Hollywoodstar Pierce Brosnan darüber stolperte und das Video teilte, ging es für Jodok Cello steil bergauf. "Dann hatte ich über Nacht von 25 Freunden auf Insta 5250.000 geknackt und war am nächsten Tag in allen Schweizer Medien", freut er sich. Inzwischen füllt der Schweizer Hallen, Arenen und spielt mit Stars wie Andrea Bocelli, Anastacia, Evanescence oder Teddy Swims. Am 3. Dezember kommt er in die Stadthalle nach Wien.

Dabei macht er noch immer fast alles selbst, Musik, Video-Shootings, Editing und Uploading. Das Filmen war eine "große Leidenschaft - ich habe tausende Stunden über Nacht Tutorials geschaut, wie ich meine Kamera einstellen muss, welche Objektive, welche Colourgrades, welche Drohnen", sagt er. "Oft im Leben ist es so, wenn du nicht nach dem Erfolg und dem Geld strebst, sondern einfach deinen Gefühlen freien Lauf lässt und in das investierst, was du liebst, dann explodiert es."

"Gefahr, ein bisschen einsam zu werden"

Inzwischen hat Jodok Cello mehrere Einnahmequellen: Social Media, Firmenevents, seine internationalen Shows und internationale Shows. Anfangs unterrichtete er noch parallel. "Irgendwann musste ich mich entscheiden, weil ich hatte dann plötzlich Gigs in Dubai, Saudi-Arabien, L.A. und Mumbai. Ich wusste, wenn ich nicht jetzt aufs Ganze gehe, dann werde ich nie erfahren, ob es wirklich klappt."

Der 38-Jährige ist bodenständig geblieben, aber sein Leben hat sich in den letzten sechs Jahren drastisch verändert. "Ich bin kein richtiger Star wie Justin Bieber, aber überall auf der Welt erkennen mich die Leute. Neben vielen positiven Dingen, merke ich, dass die Gefahr besteht, ein bisschen einsam zu werden", ist er ehrlich. "Die Leute sehen zwei Prozent von dir auf der Bühne im Flutlicht, vor tausenden Menschen. Danach steigst du ins Taxi, gehst allein ins Hotel, zum Flughafen und zum Soundcheck. Es ist ziemlich leer und du verlierst auch viele Connections und Freunde zu Hause."

Jodok Cello bekommt zwar 4000 bis 5000 Nachrichten täglich, die meisten von Frauen. Doch das ist nicht, was er sucht. Es sei schwer geworden, eine Partnerin zu finden, gibt der Musiker zu. "Du weißt nicht, ob sich jemand für dich interessiert, weil du gerade vor einem riesigen Publikum gespielt hast, auf Social Media richtig groß bist, oder ist es jemand, der einfach denkt, sie mag dich?" Stressen lässt er sich davon aber nicht, vielmehr fokussiert er auf die Musik. "Wir wollen die Leute vom Bildschirm in den Konzertsaal holen."

sk, Akt. 20.10.2026, 09:28, 20.10.2026, 06:00