Fake-Produkte im Fokus

Erstmals enthüllt! So jagt Amazon Fälscher mit KI

Amazon zeigt erstmals, wie Künstliche Intelligenz gegen Betrug, Fälschungen und Fake-Bewertungen im Onlinehandel eingesetzt wird.
Rene Findenig
16.05.2026, 12:17
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Der Onlinehandel ist längst nicht mehr nur ein bequemes Einkaufserlebnis vom Sofa aus. Hinter den Kulissen läuft ein ständiger Kampf gegen Betrug, Produktfälschungen und manipulierte Bewertungen. Genau darüber spricht Amazon nun ungewöhnlich offen. Der Konzern hat seinen ersten "Trustworthy Shopping Experience Report" veröffentlicht und darin detailliert beschrieben, wie Kundinnen und Kunden, Marken und Händler geschützt werden sollen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Die Probleme sind gewaltig. Kriminelle Netzwerke arbeiten grenzüberschreitend, gefälschte Produkte tauchen immer schneller auf und manipulierte Bewertungen bleiben ein Thema. Gleichzeitig setzt Amazon zunehmend auf Künstliche Intelligenz, um Risiken früher zu erkennen. Der Konzern spricht davon, mittlerweile Milliarden von Signalen auszuwerten, um verdächtige Aktivitäten zu entdecken, noch bevor Produkte überhaupt Käufer erreichen.

Besonders auffällig sind die Zahlen, die Amazon nun veröffentlicht hat. Seit dem Jahr 2020 habe die sogenannte "Counterfeit Crimes Unit" mehr als 32.000 Personen oder Gruppen mit schlechten Absichten verfolgt. Laut Unternehmen geschah das über Klagen und strafrechtliche Anzeigen in insgesamt 14 Ländern. Allein im Jahr 2025 seien weltweit mehr als 15 Millionen gefälschte Produkte identifiziert, beschlagnahmt und entsorgt worden.

Probleme schon im Vorfeld vorhersagen

Der Konzern beschreibt in dem Bericht, wie sich der Kampf gegen Betrug verändert habe. Früher habe man meist erst reagiert, wenn Schäden bereits entstanden waren. Heute gehe es darum, Probleme schon im Vorfeld vorherzusagen. Möglich machen soll das laut Amazon vor allem KI-Technologie. Systeme würden Texte, Bilder, Verkäuferverhalten und Lieferketten gleichzeitig analysieren. Verdächtige Muster sollen dadurch schneller erkannt werden.

Stolz zeigt sich Amazon auf ein Beispiel aus 2025. Laut Bericht habe ein KI-Frühwarnsystem einen Angriff auf ein neues Markenprodukt erkannt, das zuvor in sozialen Netzwerken viral gegangen war. Die verdächtigen Angebote seien blockiert worden – und zwar acht Tage bevor der eigentliche Markeninhaber das geistige Eigentum überhaupt bei Amazon registriert habe. Der Konzern sieht darin einen Beweis dafür, dass KI vorausschauend eingesetzt werden kann.

Auch gefälschte Bewertungen spielen eine Rolle. Nutzer verlassen sich beim Einkauf auf Rezensionen anderer Kunden. Das machen sich Betrüger zunutze. Deshalb analysiere Amazon heute Tausende Datenpunkte über Milliarden Bewertungen hinweg. Dafür greife man sogar auf Bewertungsdaten zurück, die bis ins Jahr 1995 reichen. Im Jahr 2025 habe Amazon "Hunderte Millionen" gefälschte Bewertungen blockiert, bevor diese überhaupt sichtbar wurden.

Milliarden Änderungen an Produktseiten prüfen

Der Bericht zeigt auch, wie streng neue Händler inzwischen überprüft werden. Wer auf Amazon verkaufen will, müsse zunächst ein umfassendes Verifizierungsverfahren durchlaufen. Danach werde das Verhalten laufend überwacht. KI-Systeme würden täglich Milliarden Änderungen an Produktseiten prüfen, um Manipulationen oder Missbrauch zu erkennen. Zusätzlich setzt Amazon auf automatische Produktsicherheitsprüfungen.

Dafür arbeitet der Konzern mit Sicherheitslaboren zusammen. Ein System namens "Omniscan" kontrolliert etwa Sicherheitsinformationen auf Produkten. Das System sei bereits in den USA, Kanada, Großbritannien, der Türkei, Saudi-Arabien und Europa im Einsatz. Mit einer neuen KI-Technologie namens "Sentrix" will Amazon schädliche Webseiten schneller erkennen und entfernen. Die Entfernung von Phishing-Links habe sich um mehr als 10 Prozent verbessert.

Amazon arbeitet nach eigenen Angaben mit Behörden in mehreren Ländern zusammen. Hervorgehoben wird die Kooperation mit chinesischen Strafverfolgungsbehörden. 2025 habe es dadurch mehr als 70 lokale Razzien gegen Hersteller, Lieferanten und Händler gefälschter Produkte gegeben. Diese Einsätze hätten zu Geld- und Haftstrafen geführt. Der Konzern betont, dass strengere Sicherheitsmaßnahmen nicht zulasten ehrlicher Händler gehen sollen.

Amazon will bei Rückrufen schneller werden

Amazon räumt ein, dass Schutzmaßnahmen manchmal auch für seriöse Verkäufer mühsam sein können. Deshalb habe man Werkzeuge wie das "Amazon Account Health Dashboard" entwickelt, damit Händler nachvollziehen können, ob sie gegen Regeln verstoßen oder Probleme bei ihren Angeboten bestehen. Und: Besonders bei Produktrückrufen wolle Amazon schneller reagieren – Nutzer sollen dann personalisierte Hinweise erhalten.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 16.05.2026, 12:17
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