Was für eine Kehrtwende! Noch Ende August schien die Sache klar: Die Niederlande werden auch beim Eurovision Song Contest 2027 in Burgas fehlen. Der Sender AVROTROS verkündete damals erneut seinen Rückzug und erklärte, eine Teilnahme sei unter den aktuellen Umständen nicht mit den eigenen Werten vereinbar.
Jetzt kommt alles anders: Die Niederlande fahren doch zum ESC!
Die niederländische Rundfunk-Dachorganisation NPO bestätigt offiziell, dass das Land 2027 mit einem eigenen Beitrag in Burgas antreten wird. Möglich wird das durch ein Hintertürchen, das AVROTROS bei seiner Absage selbst offen gelassen hatte: Der Sender gab damals die Verantwortung für die niederländische ESC-Teilnahme an die NPO zurück. Und die hat sich jetzt entschieden, weiterzumachen.
Besonders kurios: AVROTROS macht selbst weiterhin nicht mit. Der Sender hatte seinen Rückzug unter anderem mit der Situation im Nahen Osten, dem humanitären Leid in Gaza und Einschränkungen der Pressefreiheit begründet. Auch die bereits vorgenommenen Änderungen der EBU reichten AVROTROS nicht aus. Der ESC habe seinen neutralen Charakter verloren und sei zu einer "Bühne der Spaltung" geworden, erklärte Senderchef Taco Zimmerman.
Die NPO bewertet die Entwicklung inzwischen anders.
Nach Gesprächen mit der Europäischen Rundfunkunion seien "wichtige Schritte" bei den Regeln des Eurovision Song Contests gesetzt worden. Gleichzeitig habe man mit der EBU vereinbart, den ursprünglichen Gedanken des Wettbewerbs – Menschen durch Musik zusammenzubringen – wieder stärker ins Zentrum zu rücken.
"Wir verstehen, dass eine Teilnahme am Eurovision Song Contest in den Niederlanden gemischte Gefühle hervorruft", erklärt NPO-Vorstandsvorsitzende Jet de Ranitz. Gerade in Zeiten von Krieg, geopolitischen Spannungen und Polarisierung wolle man aber wieder stärker nach Verbindung suchen.
Damit nicht genug: Die Niederlande bauen ihre komplette ESC-Struktur um.
Künftig soll nicht mehr ein einzelner Sender gleichzeitig für Beitrag und Berichterstattung verantwortlich sein. Stattdessen wird die niederländische Teilnahme zu einem gemeinsamen Projekt der öffentlich-rechtlichen Sender unter Führung der NPO.
Ein unabhängiges Expertenteam soll den Act auswählen und anschließend begleiten. Wer für die Niederlande in Burgas auf der Bühne stehen wird, steht noch nicht fest.
Für die TV-Übertragung wiederum wird NOS verantwortlich sein. Der Sender soll Vorschauen, Berichterstattung und Kommentar übernehmen, gleichzeitig aber ausdrücklich nichts mit der Auswahl des niederländischen Beitrags zu tun haben. Die drei ESC-Shows werden auf NPO 1 und NPO Start übertragen.
Damit endet der niederländische ESC-Boykott bereits nach einem Jahr. 2026 gehörten die Niederlande neben Spanien, Irland, Island und Slowenien zu jenen fünf Ländern, die dem Song Contest in Wien fernblieben.
Und die Entscheidung ist auch deshalb bemerkenswert, weil Irland erst vor wenigen Tagen den genau gegenteiligen Weg eingeschlagen hat: RTÉ bleibt auch 2027 draußen und wird den ESC erneut nicht einmal übertragen.
Bei den Niederlanden heißt es dagegen jetzt wieder: zwölf Punkte möglich.