Grenzüberschreitende Nutzung

EU-Ausweis und Brieftasche am Handy kommen 2027

Bis 2027 müssen zahlreiche Unternehmen die europäische Digital-ID akzeptieren. Ein neues Konsortium will die Umsetzung in Österreich beschleunigen.
Digital  Heute
11.10.2026, 17:21
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Die EUDI-Wallet, die digitale Brieftasche der EU, nimmt konkrete Formen an. Ab dem 2. Jänner 2027 sollen Nutzer einen digitalen Ausweis einrichten und verschiedene Nachweise auf dem Smartphone speichern können. Rund 50 Partner sind beim Start dabei, mehr als 300 Anwendungsfälle werden bereits in einer Testumgebung erprobt. Alle EU-Mitgliedstaaten müssen bis 2027 eine solche Wallet kostenlos anbieten.

Was hinter der EUDI-Wallet steckt

Ein digitaler Ausweis am Smartphone, ein Studienabschluss in der Wallet oder ein elektronischer Nachweis für eine berufliche Berechtigung: Die EU arbeitet an einer einheitlichen digitalen Identität, die solche Anwendungen über Ländergrenzen hinweg ermöglichen soll. In Österreich will ein neues Konsortium aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung die praktische Umsetzung vorantreiben.

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Initiiert wurde die Allianz vom Salzburger Unternehmen sproof. Zu den Partnern zählen unter anderem A-Trust, PwC, die FH Salzburg, die Modul University Vienna, die Paracelsus Medizinische Privatuniversität, LearnChamp, die Salzburg AG und das Hilfswerk.

Die sogenannte EUDI-Wallet steht für "European Digital Identity Wallet". Dabei handelt es sich um eine digitale Brieftasche, mit der Menschen Identitätsdaten und elektronische Nachweise auf dem Smartphone speichern und bei Bedarf vorzeigen können. Die rechtliche Grundlage bildet die überarbeitete EU-Verordnung eIDAS 2.0. Sie soll gemeinsame Standards für digitale Identitäten und elektronische Vertrauensdienste in Europa schaffen.

Die Anwendung soll über einen digitalen Ausweis hinausgehen. Nutzer können damit künftig etwa Bildungsabschlüsse, berufliche Qualifikationen oder bestimmte Berechtigungen nachweisen. Unternehmen könnten solche Angaben elektronisch überprüfen, anstatt Dokumente manuell zu kontrollieren. Dabei sollen nur jene Daten übermittelt werden, die für den jeweiligen Vorgang erforderlich sind.

Für zahlreiche Unternehmen rückt das Thema näher. Die EUDI-Wallet soll ab 2027 schrittweise verpflichtend akzeptiert werden. Welche Fristen für einzelne Branchen gelten, hängt von den jeweiligen rechtlichen Vorgaben ab.

Konsortium will konkrete Anwendungen testen

Das von sproof gegründete EUDI-Konsortium will sich nicht auf die Überprüfung grundlegender Personendaten beschränken. Im Mittelpunkt stehen sogenannte elektronische Attributsnachweise. Sie können beispielsweise bestätigen, dass jemand bei einem bestimmten Unternehmen beschäftigt ist, eine bestimmte Ausbildung abgeschlossen hat oder über eine festgelegte Zeichnungsberechtigung verfügt.

Auch Hochschulen sollen von der Technologie profitieren. Geplant sind Tests mit digitalen Studierendenausweisen, Bildungsnachweisen und Zertifikaten für Aus- und Weiterbildungen. Solche Nachweise könnten bei Prüfungen automatisiert kontrolliert oder für den Zutritt zu Gebäuden verwendet werden.

Für Unternehmen wäre es damit möglich, Berechtigungen digital zu überprüfen und wiederkehrende Kontrollen zu vereinfachen. Voraussetzung ist, dass die Nachweise technisch zuverlässig ausgestellt und überprüft werden können und die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.

sproof setzt auf eigene technische Schnittstelle

Für die Umsetzung bringt sproof die Plattform Credible ein. Sie soll als technische Schnittstelle zwischen bestehenden Unternehmenssystemen und den unterschiedlichen digitalen Wallets der EU-Mitgliedstaaten dienen. Organisationen sollen damit digitale Nachweise ausstellen und prüfen können, ohne sämtliche technischen Abläufe selbst entwickeln zu müssen.

A-Trust unterstützt das Vorhaben bei qualifizierten elektronischen Attributsnachweisen und der Anbindung an die ID Austria. PwC soll das Konsortium bei strategischen Fragen, der Organisation der Zusammenarbeit und der Einhaltung regulatorischer Vorgaben begleiten.

"Die EUDI-Wallet ist die Grundlage für echte digitale Souveränität in Europa", sagt sproof-Geschäftsführer Clemens Brunner. Unternehmen, die erst kurz vor dem verpflichtenden Einsatz mit der Vorbereitung beginnen, könnten Wettbewerbsvorteile verpassen. Ziel sei es, dass Organisationen nicht nur digitale Ausweisdaten prüfen, sondern auch eigene Nachweise ausstellen und verifizieren können.

Österreich soll bei digitaler Identität aufholen

Die Initiative versteht sich auch als Antwort auf unterschiedliche Umsetzungsgeschwindigkeiten innerhalb der EU. Deutschland treibt die nationale Umsetzung der europäischen Vorgaben mit einem eigenen Gesetzesvorhaben voran. Der Start der deutschen EUDI-Wallet ist laut den Angaben von sproof für den 2. Jänner 2027 vorgesehen. Das Unternehmen wurde nach eigenen Angaben als Technologie- und Launch-Partner der deutschen Initiative ausgewählt.

Dieses Know-how soll nun auch in Österreich zum Einsatz kommen. Die Partner wollen in den kommenden Monaten ihre Anwendungsfälle ausarbeiten und rechtliche Fragen klären. Bis Ende 2026 sind fünf strukturierte Treffen geplant. Ab Herbst 2026 sollen die Beteiligten in einer Testumgebung von sproof digitale Nachweise ausstellen und deren Überprüfung erproben. Pilotprojekte sollen noch vor dem verpflichtenden Einsatz präsentiert werden.

Diskussion über Datenschutz und digitale Unabhängigkeit

Die Einführung der EUDI-Wallet wirft auch Fragen zur digitalen Souveränität auf. Gemeint ist damit, dass Europa bei digitalen Infrastrukturen, Daten und technischen Standards möglichst unabhängig von außereuropäischen Anbietern agieren kann. Zugleich müssen Datenschutz, Sicherheit und die praktische Nutzbarkeit gewährleistet sein.

sproof verweist in diesem Zusammenhang auf mögliche rechtliche Risiken beim Einsatz bestimmter US-Dienste und auf die Bedeutung europäischer Vertrauensinfrastrukturen. Welche Risiken im Einzelfall tatsächlich bestehen, hängt allerdings vom jeweiligen Anbieter, der technischen Umsetzung und den geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen ab.

Am 12. November soll das Thema beim "Trust Forum – Road to EUDI Release 2027" im Wiener DC Tower diskutiert werden. Veranstaltet wird das Forum von sproof und PwC gemeinsam mit A-Trust. Auf dem Programm stehen die Umsetzung der EUDI-Wallet, regulatorische Anforderungen und die Frage, wie europäische Anbieter und Institutionen die digitale Identität praktisch einsetzen können.

red,11.10.2026, 17:21
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