Kriminelle Banden in Europa setzen laut dem aktuellen Jahresbericht der EU-Drogenagentur (EUDA) vermehrt auf Jugendliche für den Drogenhandel und gewalttätige Aufträge. Vor allem junge Menschen aus sozial schwachen Gebieten werden dabei gezielt angesprochen und für Tätigkeiten wie Einschüchterungen, Körperverletzungen oder sogar Auftragsmorde rekrutiert.
Die Hintermänner stellen Waffen, Geld und Transportmittel bereit. Die Anwerbung erfolgt zunehmend über soziale Netzwerke im Rahmen sogenannter Gewalt-als-Dienstleistung-Modelle. Die EUDA sieht diese Entwicklung als Teil eines immer komplexeren und gefährlicheren Drogenmarktes, in dem ständig neue und hochwirksame Substanzen auftauchen.
Im vergangenen Jahr wurden in Europa erstmals 50 neue psychoaktive Substanzen erfasst. Insgesamt überwacht die Agentur mittlerweile 1.050 verschiedene Stoffe. Traditionelle Drogen wie Cannabis, Kokain und Heroin sind weiterhin weit verbreitet. Besonders problematisch sind laut Experten neue synthetische Opioide, die bereits in kleinsten Mengen lebensgefährlich sein können.
Opioide sind nach wie vor Hauptursache für drogenbedingte Todesfälle in Europa. Die EUDA schätzt, dass es 2024 mindestens 7.600 Todesfälle durch Überdosierungen gab, oft durch den Mischkonsum mehrerer Substanzen. Cannabis bleibt mit rund 25 Millionen Konsumenten jährlich die am weitesten verbreitete Droge, gefolgt von Kokain mit etwa 4,3 Millionen Nutzern.
Gleichzeitig passen sich Drogenhändler dem verstärkten Druck der Behörden an und nutzen zunehmend kleinere Häfen sowie neue Schmuggelmethoden wie Umladungen auf hoher See, Drohnen, Schnellboote und sogar Halbtauchboote. Alarmierend ist zudem die Zunahme von E-Zigaretten, die neben Nikotin auch Cannabisstoffe enthalten und künftig als Träger für noch gefährlichere Substanzen dienen könnten.