Fall Lyhanna

Zehntausende auf Frankreichs Straßen

Nach dem Tod der elfjährigen Lyhanna erhebt die Mutter eines mutmaßlichen früheren Opfers schwere Vorwürfe gegen die Justiz und will Klage einreichen.
Newsdesk Heute
09.06.2026, 13:20
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Der tragische Fall um die getötete elfjährige Lyhanna in Frankreich zieht weitere juristische Konsequenzen nach sich. Die Mutter eines gleichaltrigen Mädchens, das bereits im Vorjahr mutmaßlich von demselben Verdächtigen, Jérôme B., missbraucht worden sein soll, plant eine Klage gegen den Staat und den Justizminister Gérald Darmanin.

Sie wirft den Behörden grobe Fahrlässigkeit vor und sieht den Tod von Lyhanna als vermeidbar an. „Der Tod von Lyhanna hätte verhindert werden können, wenn die Justiz sich mit unserem Fall beschäftigt und ihre Arbeit gemacht hätte“, erklärte die Mutter gegenüber dem Sender RTL. Der Anwalt der Familie, Pierre Debuisson, kündigte ebenfalls rechtliche Schritte an.

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Die Mutter hat bereits im August 2025 Anzeige gegen Jérôme B. erstattet. Sie beschuldigte ihn, ihre Tochter Rose zwischen September 2024 und Mai 2025 mehrfach missbraucht zu haben. Trotz ärztlicher und psychologischer Untersuchungen des Mädchens wurde der Verdächtige nie befragt, weil die Ermittlungsakten monatelang zwischen Behörden weitergereicht wurden.

"Der Tod von Lyhanna hätte verhindert werden können, wenn die Justiz sich mit unserem Fall beschäftigt und ihre Arbeit gemacht hätte"
REUTERS

Kritik an Justizminister und System

Justizminister Darmanin wies jede Verantwortung zurück und verwies auf Mängel innerhalb des Justizsystems. Die Staatsanwaltschaft habe seine Anweisungen nicht umgesetzt, zudem habe er kein Recht, sich in laufende Verfahren einzumischen. Aus der Justiz kommen vermehrt kritische Stimmen, die auf Personalmangel und eine hohe Zahl von ministeriellen Vorgaben hinweisen.

"Stopp mit der mörderischen Selbstgefälligkeit"
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Auch Staatsanwalt Arnaud Faugère aus Béziers betonte die Schwierigkeiten, bei zahlreichen Vorgaben die wichtigsten Prioritäten festzulegen. Zudem seien die IT-Systeme von Polizei und Justiz mangelhaft miteinander vernetzt.

Öffentliche Proteste und weitere Festnahmen

Am Montagabend gingen laut Innenministerium rund 60.400 Menschen in Frankreich auf die Straße, um gegen die schleppende Aufarbeitung von Kindesmissbrauch zu protestieren. Vor dem Justizministerium in Paris versammelten sich knapp 3.000 Menschen zu einer nicht genehmigten Kundgebung.

Am Montagabend gingen laut Innenministerium rund 60.400 Menschen in Frankreich auf die Straße, um gegen die schleppende Aufarbeitung von Kindesmissbrauch zu protestieren.
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Lyhanna wurde sechs Tage nach ihrem Verschwinden tot in einem Getreidesilo aufgefunden. Jérôme B., der in Untersuchungshaft sitzt, wurde in der Vergangenheit mehrfach wegen Missbrauchs angezeigt. In einem Fall wurde das Verfahren eingestellt, in einem anderen wurde er nie verhört. Sein Bruder wurde am Montag ebenfalls festgenommen – ihm werden Vergewaltigung von Minderjährigen, Freiheitsentzug und Morddrohungen vorgeworfen.

Die Versäumnisse der Justiz im Fall Lyhanna sorgen in Frankreich für Empörung. Auch Präsident Emmanuel Macron räumte Missstände im französischen Justizsystem ein.

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