Am Donnerstag, 28. Mai, ist am Landesgericht Wiener Neustadt der letzte Verhandlungstag im Terrorprozess gegen Beran A. und Arda K. gestartet. Den beiden jungen Männern wird vorgeworfen, Anschläge im Namen des IS vorbereitet zu haben. Laut Gericht dürfte das Urteil noch am Abend fallen.
Zum Prozessauftakt hatten beide Angeklagte die Vorwürfe teilweise eingeräumt. Im Laufe der Verhandlung bekannten sich die Beschuldigten schließlich in mehreren Punkten schuldig. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie konkrete Anschlagspläne vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Am letzten Verhandlungstag stand zunächst ein psychiatrischer Sachverständiger im Mittelpunkt. Dieser schilderte dem Gericht seine Einschätzung zum Hauptangeklagten Beran A. Dabei sprach der Experte von einer "defizitären schulischen Entwicklung" und schwierigen Lebensumständen. Alle Ausbildungen habe der Angeklagte abgebrochen.
Hinzu gekommen seien laut Gutachter jahrelanger Cannabiskonsum sowie die Einnahme weiterer Medikamente. Dennoch gebe es laut dem Experten keine Hinweise auf eine schwere psychische Erkrankung oder mangelnde Zurechnungsfähigkeit.
"Das ist jemand, der durchaus in der Lage ist, Entscheidungen zu treffen", erklärte der Sachverständige vor Gericht. Eine Unterbringung in einem forensisch-therapeutischen Zentrum sei aus psychiatrischer Sicht daher nicht notwendig.
Auch eine Psychologin wurde am Donnerstag ein weiteres Mal befragt. Ihr Gutachten sorgte im Gerichtssaal für großes Interesse, nachdem es bereits in den vergangenen Verhandlungstagen intensiv diskutiert worden war.
Die Expertin erklärte, bei Beran A. lägen "keine wesentlichen psychischen Störungen" vor. Gleichzeitig habe sie im Laufe des Verfahrens allerdings Veränderungen beim Angeklagten festgestellt.
Besonders kritisch sah die Psychologin die Aussagen des jungen Mannes während der Ermittlungen. Seine angebliche Reue sei aus ihrer Sicht nicht immer glaubwürdig gewesen, erklärte sie auf Nachfrage der Geschworenen.
Die Anklage wirft den beiden Angeklagten vor, Teil einer terroristischen Zelle gewesen zu sein. Konkret sollen bereits Ende 2023 Anschläge in Europa vorbereitet worden sein.
Im Zentrum der Ermittlungen steht dabei ein weiterer Verdächtiger namens Hasan E. Laut Anklage sollen Beran A. und Arda K. mit ihm eng in Kontakt gestanden haben. Die Kommunikation soll teilweise über Messenger-Dienste erfolgt sein.
Besonders brisant: Die Ermittler gehen davon aus, dass konkrete Anschlagsziele bereits ausgespäht wurden. Genannt werden dabei unter anderem Mekka, Istanbul und Dubai. Dort sollen die Beschuldigten mögliche Tatorte analysiert haben.
Laut Staatsanwaltschaft sollen Messerattacken auf Sicherheitskräfte geplant gewesen sein. Ziel sei es gewesen, möglichst viele Menschen zu töten oder schwer zu verletzen. Die Verteidigung bestreitet jedoch weiterhin Teile der Vorwürfe.
Mit Spannung wird nun das Urteil erwartet. Der Prozess rund um die mutmaßlichen IS-Sympathisanten hatte in Österreich für enormes Aufsehen gesorgt und zählt zu den aufsehenerregendsten Terrorverfahren der vergangenen Monate – Beran A. drohen bis zu 20 Jahre Haft.