Am Landesgericht Wiener Neustadt endet am Donnerstag der Mega-Prozess rund um den mutmaßlich verhinderten Terroranschlag auf ein Taylor-Swift-Konzert im Wiener Ernst-Happel-Stadion. Im Fokus stehen der 21-jährige Beran A. sowie der gleichaltrige Arda K., denen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und die Vorbereitung schwerer Gewalttaten vorgeworfen werden – die Unschuldsvermutung gilt.
Die beiden Angeklagten sollen laut Staatsanwaltschaft gemeinsam mit einem dritten Mann Teil einer anschlagsbereiten Terrorzelle gewesen sein. Im Verlauf des Prozesses bekannten sie sich zu großen Teilen der gegen sie erhobenen Vorwürfe schuldig. Ein Urteil wird erst in den Abendstunden erwartet.
Nach Angaben der Anklage sollen die Beschuldigten bereits Ende 2023 mehrere Anschläge im Namen der Terrororganisation "Islamischer Staat" geplant haben. Der gemeinsame Tatplan habe vorgesehen, am 11. März 2024 zeitgleich in Mekka, Istanbul und Dubai Sicherheitskräfte oder Polizisten anzugreifen.
Während Beran A. und Arda K. ihre Reisen nach Dubai beziehungsweise Istanbul letztlich ohne Tat ausführten, kam es in Mekka zu einem Messerangriff. Dort verletzte Hasan E. vor der Al-Haram-Moschee einen Sicherheitsbeamten schwer am Hals sowie vier weitere Personen, bevor er überwältigt wurde.
Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Angeklagten in Österreich vor, Hasan E. bis kurz vor der Tat telefonisch unterstützt und in seinen terroristischen Absichten bestärkt zu haben. Dabei sollen sie Details ihrer jeweiligen Vorhaben besprochen haben.
Vor Gericht räumten Beran A. und Arda K. ihre radikalen Absichten zwar ein, versuchten ihre eigene Rolle jedoch herunterzuspielen. Gleichzeitig stellten sie Hasan E. als treibende Kraft innerhalb der Gruppe dar. Der dritte Verdächtige sitzt derzeit in Saudi-Arabien in Haft.
Besonders belastend für Beran A. ist jedoch ein weiteres Geständnis: Er bekannte sich schuldig, nach seiner Rückkehr aus Dubai auch einen Anschlag in Wien geplant zu haben. Laut Anklage soll dieser im Zusammenhang mit einem Taylor-Swift-Konzert gestanden sein.
Mehrere Zeugen schilderten während des Prozesses, der nun ins Finale geht, eine zunehmende Radikalisierung des 21-Jährigen. Ein früherer Bekannter erklärte, Beran A. habe in den Wochen vor den geplanten Konzerten mehrfach versucht, Waffen zu beschaffen.
Bereits im Februar habe sich der Angeklagte nach einer "scharfen" Waffe erkundigt. Die Begründung der Selbstverteidigung habe der Zeuge allerdings nie geglaubt. Später habe Beran A. ihn zudem gebeten, ihn nach Wien zu fahren, was bei ihm ein "ungutes Gefühl" ausgelöst habe.
Besonders alarmierend sei für den Zeugen eine Unterhaltung am Tag vor der Festnahme gewesen. Beran A. habe sich nach bestimmten Batterien erkundigt. Darauf angesprochen, ob er "eine Bombe basteln" wolle, habe der Angeklagte ausweichend reagiert.
Auch nach einer Schreckschusspistole soll Beran A. gefragt haben. Der Zeuge berichtete vor Gericht, man habe früher gemeinsam "herumgeballert", bezeichnete dies jedoch rückblickend als jugendliche Dummheit. Ein weiterer Zeuge sagte aus, der Angeklagte habe ihn gefragt, wo man eine Zündschnur kaufen könne. Die Antwort lautete: "Auf Amazon." Der Zeuge konnte sich an viele Details allerdings nicht mehr erinnern.
Im Prozess spielte auch das religiöse Umfeld des Angeklagten eine Rolle. Ein Mann aus einer niederösterreichischen Moschee schilderte, Beran A. sei nach einer Reise nach Saudi-Arabien zunehmend radikal geworden und habe wiederholt Fragen zu islamistischem Extremismus gestellt.
Der Zeuge erklärte offen, selbst konservative religiöse Ansichten zu vertreten, distanzierte sich jedoch klar vom IS. Beran A. habe ihn bewundert und regelmäßig religiöse Fragen gestellt. Mit der Zeit sei dessen Gedankengut jedoch immer extremer geworden.
Schließlich brach der Mann den Kontakt zu Beran A. ab und warnte auch andere Personen vor ihm. In einer Sprachnachricht habe er dem Angeklagten gesagt: "Du bist gefährlich mit diesem Gedankengut."