Überraschung gleich zu Beginn des zweiten Prozesstages in Wr. Neustadt (NÖ) im Terrorfall Taylor Swift. Die Richterin zog es vor, den Komplizen Arda K. (21) zu befragen, schob Beran A. auf die lange Bank. Während der türkischstämmige Slowake aus Wien-Favoriten über den IS und sein Leben referierte, biss sich Beran A. nervös auf die Lippen, wippte mit dem Fuß und blickte immer wieder breit grinsend in den Zuschauerraum.
Besonders als ein altes Foto der beiden Schulfreunde gezeigt wird, das Beran A. Grimassen schneidend mit blondierten Haaren zeigt, muss der Terror-Verdächtige sich sogar sichtlich das Lachen verkneifen – angesichts der Schwere der Vorwürfe wirkte das durchaus befremdlich. Die beiden Burschen – Beran A. und Arda K. kannten sich aus der Mittelschule, pflegten auch jeweils mit dem Dritten im Bunde der späteren "Karawane" – dem angeblichen Chef-Ideologen Hasan E. – eine Freundschaft.
Die Beziehung zwischen Beran und Arda hatte demnach Höhen ("Er hatte sonst niemanden. Wir waren gemeinsam schwimmen, wir verbrachten viel Zeit gemeinsam") und Tiefen: Im Oktober 2022 etwa zerriss Beran A. beim "Ringen am Reumannplatz" blöderweise die Hose, es kam zum heftigen Streit. Arda K. schilderte, wie Beran A. sich furchtbar aufregte und plötzlich ein Messer zückte und ihm damit drohte.
"Ich habe gewartet, bis er das Messer wieder eingesteckt hat und dann habe ihn geschlagen." Später nahm er eine Sprachnachricht auf, die früh seine radikale Gesinnung durchscheinen ließ: "Ich sehe Dschihad Bruder. Ich werde dich köpfen. Ich werde deine Kehle durchschneiden. Du bist eine P*ssy."
Anfang Jänner 2024 wurden schließlich Anschlagspläne zwischen Hasan E. und Arda K. für Mekka und Istanbul geschmiedet. Dass Beran A. in Dubai zeitgleich zuschlagen sollte, will Arda erst in Istanbul erfahren haben. Hasan E., der als einziger in Mekka tatsächlich auf Sicherheitsbeamte einstach und seither dort in Haft sitzt, sei bei beiden der Anstifter gewesen, sie hätten gezögert. "Ich war radikal aber nicht bereit, auf Menschen loszugehen", erklärte auch Arda K. in seiner Aussage. "Ich bin kein Mörder."
In der Anklage wird den beiden Angeklagten Arda K. und Beran A. neben Terrordelikten auch die psychische Beitragstäterschaft zum versuchten Mord des Mekka-Messerstechers vorgeworfen, weswegen bis zu 20 Jahren Haft drohen. "Ich wurde zwei Wochen vor der Matura festgenommen, das ist halt bisschen blöd", erklärte er. "Wenn ich ein freier Mann werde, will ich zur Prüfung antreten oder einen Beruf erlernen." Er sei nun nicht mehr radikal. Früher war er ein "18-jähriger Trottel." Die Unschuldsvermutung gilt.