Die Trockenheit hat Österreichs Flüsse fest im Griff. Rund drei Viertel der Pegelmessstellen verzeichneten zuletzt niedrige bis sehr niedrige Abflüsse. Besonders betroffen sind Flussstrecken in der Steiermark, Niederösterreich, Kärnten, Oberösterreich und im Burgenland.
Der WWF (World Wide Fund for Nature) warnt jetzt vor massiven Folgen für Natur und Tiere. "Die anhaltende Trockenheit führt dazu, dass viele Flüsse deutlich weniger Wasser führen als im langjährigen Durchschnitt. Das hat spürbare Folgen für Ökosysteme, Artenvielfalt und Wasserqualität", warnt WWF-Expertin Marie Pfeiffer.
Besonders hart trifft es Fische. Für Forellen kann die Mischung aus Niedrigwasser, hohen Temperaturen und weniger Sauerstoff im Wasser rasch zur Lebensgefahr werden.
Dramatisch ist die Lage im steirischen Murgebiet. Dort stieg der Anteil niedriger und sehr niedriger Pegelstände von März bis April von 60 auf 90 Prozent. Auch im Marchgebiet ging es steil bergab: Dort kletterte der Anteil im selben Zeitraum von 55 auf 90 Prozent.
Im Osten Österreichs spitzt sich die Situation ebenfalls zu. Im Gebiet von Raab (OÖ), Rabnitz (Stmk.) und Leitha (NÖ) stieg die Zahl der niedrigen und sehr niedrigen Pegel innerhalb eines Monats von 40 auf rund 75 Prozent. Für den WWF ist das ein deutliches Warnsignal.
"Wenn Flüsse schon im Frühjahr dauerhaft zu wenig Wasser führen, geraten ganze Lebensräume unter Druck", sagt Pfeiffer. Der WWF fordert deshalb ein Schutzpaket für Österreichs Flüsse. Dazu zählen mehr Auen, die Renaturierung verbauter Flussabschnitte und ein sparsamerer Umgang mit Wasser.
Besonders heikel ist die Lage laut WWF in sogenannten Restwasserstrecken. In Österreich gibt es fast 3.000 solcher Flussabschnitte mit einer Gesamtlänge von rund 4.447 Kilometern. Dort wird oft ein Großteil des Wassers für Wasserkraft abgeleitet.
Rund die Hälfte dieser Strecken würden nicht einmal den gesetzlich vorgeschriebenen ökologischen Mindestabfluss erreichen. Der WWF fordert deshalb, Wasserkraftbetreiber stärker in die Pflicht zu nehmen und die Regeln konsequent umzusetzen.
Naturnahe Flüsse könnten laut WWF Wasser besser speichern und hitzegestressten Arten genau jene kühlen Rückzugsräume bieten, die jetzt immer knapper werden.