Neunkirchens Stadtchef im Talk

Teix: "Wir haben die Schulden in Neunkirchen halbiert"

Neunkirchens Bürgermeister Peter Teix im großen "Heute"-Interview über die finanzielle Situation, das Wahlziel am 31. Mai und das Hallenbad.
Erich Wessely
12.05.2026, 05:00
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Nach zahlreichen politischen Turbulenzen muss in der Bezirkshauptstadt Neunkirchen am 31. Mai neu gewählt werden.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Im großen "Heute"-Interview spricht Bürgermeister Peter Teix (ÖVP), seit 6. Dezember Stadtchef in Neunkirchen, über seine Wahlziele, die finanzielle Situation der Stadt, Streitereien zwischen und in den Parteien sowie Herzensprojekte.

Teix ist seit 2005 in der Neunkirchner Stadtpolitik aktiv, war von 2010 bis Dezember 2025 Finanzstadtrat, bevor er das Bürgermeisteramt übernahm. Er ist auch stellvertretender kaufmännischer Direktor im Universitätsklinikum Neunkirchen.

"Heute": Herr Bürgermeister, Sie wollen einen Neustart für Neunkirchen. Was bedeutet das konkret?

Peter Teix: "2025 war ein sehr turbulentes Jahr für Neunkirchen, es war politisch gekennzeichnet von Streit, parteipolitischem Hick-Hack und all den Dingen, die in der Politik nicht stattfinden sollten. Ich bin am 6. Dezember Bürgermeister geworden und habe von Anfang an gesagt: ok, wir brauchen einen Neustart. Neustart heißt, ich will über Parteigrenzen hinaus mit den Bürgerinnen und Bürgern, mit den Institutionen in Neunkirchen zusammenarbeiten. Das pflege ich seit meinem Start und das funktioniert sehr gut."

VIDEO: Das Interview in voller Länge

"Heute": Auch Ihre Wahl war nicht von Scharmützel ausgenommen. Zuerst trat nach kurzer Zeit Bürgermeisterin Klaudia Osztovics überraschend zurück. Dann warf Wolfgang Kessler vor seiner Kür zum Bürgermeister das Handtuch, rechnete in einem emotionalen Facebook-Posting unter dem Titel "Posten, Taktik, Parteipolitik" ab. Was hat er damit gemeint?

Teix: "Das müssen Sie ihn bitte fragen, ich kann nur für mich sprechen. Klaudia Osztovics ist aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten, Gott sei Dank geht es ihr wieder besser. Und ich habe mich auch bedankt für ihre Leistung. Ich bin seit 6. Dezember Bürgermeister und mache das irrsinnig gern. Ich bin Vollblutbürgermeister, war bei jeder Veranstaltung in Neunkirchen, rede mit den Leuten und nehme die Ideen mit, die für Neunkirchen umgesetzt werden sollen."

"Heute": Waren Sie trotzdem enttäuscht, dass Sie nur die zweite oder dritte Wahl als Bürgermeister-Kandidat der ÖVP waren?

Teix: "Das Gegenteil ist der Fall. Ich sehe mich nicht als zweite Wahl. Ich bekomme viele positive Rückmeldungen, sei es von der Partei, sei es von den Bürgerinnen und Bürgern. Und ich möchte auf alle Fälle Bürgermeister bleiben."

"Heute": Die finanzielle Lage in Neunkirchen ist trüb – wegen der Budgetpläne warf die Landes-FPÖ sogar sechs Gemeinderäte und Vizebürgermeister Berlosnig aus der Partei. Sie waren in der Zeit von 2010 bis Ende 2025 Finanzstadtrat. Hat man in der Vergangenheit Fehler gemacht und wie wollen Sie jetzt die Finanzen in den Griff bekommen?

Teix: "Das sind zwei Fragen. Der Turnaround ist mitten im Laufen. Wir müssen sparen und das setzen wir um. Deshalb auch der Bruch zwischen der FPÖ und Marcus Berlosnig und seinem Team. Ich bin 2010 Finanzstadtrat geworden. Ein Kassasturz hat gezeigt, dass die SPÖ-Regierung über Jahrzehnte die Schulden aufgebaut hat, mit einer Höhe bis zu 68 Millionen Euro. Wir haben 2010 Anrufe bekommen: 'Bitte zahlt endlich die Rechnungen." Wir konnten diese nicht mehr zahlen, kurzzeitig waren sogar die Personalkosten in Gefahr. Da war klar: So kann es nicht weitergehen. Daher haben wir 2010 schon einen Turnaround eingeleitet. Seit ich Finanzstadtrat geworden bin, geht der Weg in die richtige Richtung. Jetzt haben wir einen Schuldenstand von 32 Millionen Euro. Das ist natürlich noch immer ein gewaltiger Brocken, aber wir sind als Konsolidierungsgemeinde – wir stimmen also alles mit dem Land ab – auf einem richtigen Weg. Und diesen Weg werden wir fortsetzen."

Neunkirchens Bürgermeister Peter Teix (ÖVP) präsentierte Taferl mit Schuldenberg-Abbau.
Sabine Hertel

Der Schuldenabbau passiere kontinuierlich, "es sollen keine neuen Schulden gemacht und der Tilgungsplan soll abgearbeitet werden", betont der Bürgermeister.

"Heute": Wird es das Hallenbad in Neunkirchen in zehn Jahren noch geben?

Teix: "Ich kann garantieren, wenn ich Bürgermeister bin, dann wird es auch das Hallenbad geben. Warum? Ganz einfache Antwort: Einerseits ist es eine Freizeiteinrichtung für die Bürgerinnen und Bürger und darüber hinaus ist das Bad eine Bildungseinrichtung: Im österreichischen Lehrplan ist verankert, dass Kinder schwimmen lernen sollen."

In einem Brief an Bildungsminister Wiederkehr (Neos) forderte Teix, "die Möglichkeit für eine nachhaltige finanzielle Unterstützung zu prüfen". Hauptargument: Die Kommunen tragen derzeit die Finanzierung der Hallenbäder nahezu alleine, "obwohl die Nutzung eng mit schulischen und bildungspolitischen Zielsetzungen verbunden ist", heißt es in dem Schreiben.

Bürgermeister Karl Rudischer (Mürzzuschlag) und Bürgermeister Peter Teix (Neunkirchen) im Hallenbad Neunkirchen.
Stadtgemeinde Neunkirchen

Bürgermeister Teix dazu: "Die Initiative, gestartet mit dem Bürgermeisterkollegen von Mürzzuschlag, soll den Druck auf den Bildungsminister erhöhen, da auch das Hallenbad eine Bildungseinrichtung ist. Es kann nicht sein, dass im Lehrplan verankert ist, dass die Kinder schwimmen lernen sollen, aber die Einrichtung alleine die Gemeinde erhalten soll."

"In Neunkirchen haben wir an die 40.000 Besucher im Jahr, davon die Hälfe Schülerinnen und Schüler. Wir haben über 55 Schulen aus den Regionen, nicht nur aus der Stadt Neunkirchen, die hier in Neunkirchen das Schwimmen lernen."

"Heute": Wie hoch ist der jährliche Abgang für die Stadtgemeinde?

Teix: "Wir kommen auf Kosten von rund 450.000 Euro. Das ist eine Menge, die eine Gemeinde berappen muss. Aber wie soll es anders funktionieren? In der Schulzeit in den Monaten September bis Ende Mai ist Schwimmen nur in Hallenbädern möglich."

"Heute": Wie stehen Sie in angespannten Zeiten zur Kürzung von Politikergehältern?

Bürgermeister Peter Teix bezeichnet entsprechende Vorschläge als "typisch populistisch". Konkret nimmt er Bezug auf FPÖ-Spitzenkandidat Helmut Fiedler: "Es klingt ja gut: Wir sparen jetzt bei den Politikern." Aber: "Das Bürgermeistergehalt ist fixiert, da habe ich keinen Einfluss darauf." Einsparungen seien daher höchstens bei Funktionen wie Vizebürgermeistern oder Gemeinderäten denkbar. Teix hebt hervor, dass Gemeinderäte ohnehin nur eine geringe Entschädigung erhalten. "Der Gemeinderat in einer Stadt wie Neunkirchen kriegt 350 Euro im Monat Aufwandsentschädigung", erklärt er. Von diesem Geld würden viele Gemeinderäte zusätzlich Vereinsaktivitäten unterstützen, Eintritte zahlen oder Spenden leisten.

Deshalb sieht er die Forderung nach Kürzungen kritisch: "Ich halte das rein für eine populistische Forderung." Für das Budget der Stadt würde dies kaum einen Unterschied machen: "In Fall von Neunkirchen wird es das Budget nicht retten."

"Heute": Zurzeit schaut es wie ein Duell zwischen der FPÖ und der ÖVP aus, von der SPÖ hört man wenig – überrascht Sie das?

Teix: "Bei der SPÖ heißt der Spitzenkandidat Günther Kautz. Ich denke, es wird schon einen Grund haben, warum man sich so verhält. Genaue Details kann ich dazu nicht sagen. Ich spreche für die ÖVP." Bis zur Wahl wolle er den Bürgern zeigen, "der richtige Weg kann mit Bürgermeister Peter Teix und seinem Team sein". Kritik übt der Bürgermeister erneut an der FPÖ und speziell an Helmut Fiedler. Dieser befinde sich laut Teix "in einem typischen Wahlkampf, wie es von der FPÖ bekannt ist, mit wenig Themen". Statt sachlicher Inhalte gehe es eher um Schlagworte und Polarisierung. Teix zeigt sich kämpferisch: "Wir werden schauen, wer am 31. dann die Nase vorn hat."

Neunkirchens Bürgermeister Peter Teix (ÖVP) im "Heute"-Interview
Sabine Hertel

"Heute": Was ist Ihr konkretes Wahlziel am 31. Mai?

Teix: "Erster werden, weil ich Bürgermeister bleiben will." Teix ist überzeugt, gemeinsam mit seinem Team die besseren Ideen für Neunkirchen zu haben.

"Heute": Ist eine erneute Koalition mit der FPÖ möglich?

Eine Zusammenarbeit mit der FPÖ schließt Teix nicht aus: Es werde aber "mit allen Parteien Gespräche geben". Eine Koalition wolle er allerdings nicht nach Parteifarben, sondern nach gemeinsamen Zielen bilden. Entscheidend sei letztlich, "wo die Harmonie, dort, wo die gemeinsamen Ziele im Vordergrund stehen". Dort könne eine Zusammenarbeit entstehen.

"Heute": Beim Thema Verkehr kommt immer wieder das Thema Ritterkreuzung – Stichwort Nadelöhr – auf. Wie kann man das Problem lösen?

Teix erklärt die komplizierte Situation: Die Kreuzung liege an der Bundesstraße 17 und verbinde insgesamt "sieben Stränge, die in diese Kreuzung münden". Bereits seit Jahrzehnten sei die Verkehrsbelastung ein Problem. Hoffnung habe man ursprünglich in eine neue Unterführung gesetzt, weil dadurch der Schrankenverkehr wegfalle und "der Verkehr kontinuierlich fließt". Diese Erwartungen hätten sich allerdings nicht erfüllt. "Das ist nicht so eingetreten wie erwartet", räumt der Bürgermeister ein. Deshalb müssten nun neue Maßnahmen gesetzt werden. Im Gespräch sind etwa ein Kreisverkehr oder andere Umbauten. Konkrete Lösungen sollen im Herbst gemeinsam mit Experten geprüft werden. Dabei verweist Teix auf einen "sehr guten Sachverständigen" der Verkehrsabteilung der Bezirkshauptmannschaft. Für ihn steht fest: "Es wird was passieren müssen."

"Heute": Ganz persönlich: Was wäre das wichtigste Projekt, das Sie sich für Neunkirchen wünschen würden?

Teix: "Zum einen ist es mir wirklich wichtig, dass wir auf der politischen Ebene wieder zu einer anderen Kultur kommen. Ich glaube, es will niemand in der Bevölkerung dieses Hick-Hack. Diese Sticheleien, diese Streitereien, das führt nur zu Politikerverdrossenheit. Und ich würde sagen, wir haben so viele Projekte für Neunkirchen. Diese Herausforderungen sind nur gemeinsam zu bewältigen."

Andererseits sei ihm die dringend notwendige Sanierung der Musikschule besonders wichtig. Das denkmalgeschützte Gebäude liege "im Herzen der Stadt" und müsse "dringend saniert werden". Und gleichzeitig stellt er klar: "Die Musikschule bleibt auch da drin."

{title && {title} } wes, {title && {title} } Akt. 12.05.2026, 13:36, 12.05.2026, 05:00
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen