"Neunkirchen neu aufstellen"

FP-Fiedler: "Bürger dürfen nicht mehr die Melkkuh sein"

Helmut Fiedler will Neunkirchen "neu aufstellen", kritisiert das "System" und fordert klare Änderungen bei Finanzen, Schule und Politikstil.
Erich Wessely
30.04.2026, 05:00
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Helmut Fiedler, Bildungssprecher und Landesgeschäftsführer der FPÖ Niederösterreich, tritt als Spitzenkandidat bei der Gemeinderatswahl in Neunkirchen an: "Ich bin in Neunkirchen geboren und aufgewachsen, es ist meine Heimatstadt."

Der am 31. August 1980 geborene Politiker war bereits seit 2019 stellvertretender Obmann der FPÖ Neunkirchen und führte die Partei 2020 als Spitzenkandidat in die Gemeinderatswahl.

Seine politische Laufbahn wurde 2021 durch eine sogenannte Auslandsverwendung unterbrochen: Als einziger österreichischer Soldat war Fiedler im multinationalen Eurocorps in Straßburg stationiert. Dort war er unter anderem für die Planung von Auslandseinsätzen in der Zentralafrikanischen Republik und in Mali sowie für strategische Planungsgruppen innerhalb von EU und NATO verantwortlich.

VIDEO: Das Interview in voller Länge

Im Juli 2025 kehrte Fiedler dann in die Politik zurück und wurde als Landtagsabgeordneter der FPÖ Niederösterreich angelobt. Er übernahm die Bereiche Bildung und Rechnungshof und wurde kurz darauf auch zum Landesgeschäftsführer bestellt.

Im April 2026 präsentierte ihn die FPÖ schließlich als Spitzenkandidaten für die Gemeinderatswahl in Neunkirchen. Auf der Liste kandidiert auch seine Partnerin, die Lehrerin Michaela Hofer, auf Platz fünf.

Im "Heute"-Interview nimmt der freiheitliche Politiker zu brennenden Themen Stellung – die Gemeinderatswahl am 31. Mai in Neunkirchen, die marode Finanzlage in der Bezirkshauptstadt, Ziele für die Landtagswahl 2028, Amok-Drohungen an Schulen und Bildungsreformen.

Umfragen & Rückenwind

Eine Umfrage sorgte zuletzt für Aufsehen – diese sieht die ÖVP in Niederösterreich bei 35 Prozent, die FPÖ bei 29 Prozent. Ob das noch aufholbar bis zur Landtagswahl 2028 ist? "Wir arbeiten in NÖ ganz hart daran, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Der Abstand zur ÖVP ist aufholbar, wir wollen mit unserem Spitzenkandidaten Udo Landbauer die Landtagswahl gewinnen", so Fiedler.

Gemeinderatswahl in Neunkirchen

"Wir wollen das System ändern. Politikergehälter gehören gekürzt, dafür die Gebührenerhöhungen vom Oktober wieder zurückgenommen." Für Fiedler geht es um eine Richtungsentscheidung: "Weiter wie bisher oder ein echter Neustart." Er sieht seine Heimatstadt an einem Wendepunkt.

Scharfe Kritik am "alten System"

Besonders deutlich wird er bei der Analyse der Vergangenheit: "Jahrzehntelang wurden Parteifreunde versorgt – verändert hat sich nichts." Ob SPÖ oder ÖVP – aus seiner Sicht habe sich das System nur farblich verändert, nicht inhaltlich.

„Wir wollen das System ändern. Politikergehälter gehören gekürzt, dafür Gebührenerhöhungen zurückgenommen.“
Helmut FiedlerFPÖ-Spitzenkandidat bei Wahl in Neunkirchen

"Systemwechsel" als Wahlkampf-Thema

"Wir werden das verkorkste System ändern und auf solide Beine stellen", so Fiedler. Für die FPÖ gehe es darum, Politik wieder "vernünftig" zu machen.

FPÖ-internes Zerwürfnis

"Das war ähnlich wie in einer Beziehung. Wenn das Vertrauen zwischen Partnern nicht mehr gegeben ist, muss man sich trennen", so Fiedler. Wie berichtet, hatte die Landes-FPÖ im Zuge eines Budgetstreits sieben FPÖ-Mandatare, darunter Vizebürgermeister Marcus Berlosnig, aus der Partei geworfen. Der Konflikt mit ehemaligen Parteikollegen beschäftigt den Wahlkampf. Fiedler betont: "Es gibt nur eine FPÖ – und die steht klar auf Bundes- und Landeslinie." Die neue, hellblaue Liste sieht er als Abspaltung ohne klare Abgrenzung.

FPÖ Niederösterreich-Landesgeschäftsführer Helmut Fiedler
Sabine Hertel

Neunkirchen als Sprungbrett

Vorwürfe aus der ÖVP, er nutze Neunkirchen als Sprungbrett, weist Fiedler scharf zurück: "Das ist völlig absurd – es geht hier um die Menschen in Neunkirchen." Er wolle konkrete Verbesserungen vor Ort erreichen. Sein Politikstil soll sich deutlich unterscheiden: "Der Bürgermeister gehört dorthin, wo das Leben ist – in Gasthäuser, Vereine und auf den Hauptplatz." Bürgernähe und direkter Austausch stehen im Zentrum seines Ansatzes.

Ziele in Neunkirchen

"Das Erholungszentrum muss erhalten bleiben – ohne Wenn und Aber. Und der Bürgermeister muss wieder für die Bürger da sein."

Finanzielle Lage

Fiedler kritisiert hohe Schulden und steigende Gebühren: "Neunkirchen ist mit rund 32 Mio. € sehr stark verschuldet. Auf der Ausgabenseite wurde recht wenig geschraubt und die Einnahmenseite wurde massiv erhöht. Die Bürger sind die Melkkuh des politischen Versagens geworden."

Pädagogische Hochschule in Baden

"Es braucht dort Veränderung: Mehr Praxis und weniger Theorie. Am Ende der Ausbildung weiß der eine oder andere Volksschullehrer nicht einmal, wie er eine Klasse zu führen hat", kritisiert der FPNÖ-Bildungssprecher.

Neos-Reformwünsche im Bund

"Die Pläne sind von vorne bis hinten nicht durchdacht,. Wir haben ein funktionierendes Schulsystem mit einer 4-jährigen Volksschule. Dabei soll es auch bleiben", betont Fiedler.

Sonderschulen

"Ganz klar ,Ja‘ zur Sonderschule. Und ein eigenständiger Studiengang für Sonderpädagogik muss wieder kommen."

{title && {title} } wes, {title && {title} } Akt. 30.04.2026, 13:29, 30.04.2026, 05:00
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